AFBL Frauen Fussball Bundesliga 1.Spieltag Nachbetrachtung

So!
Das war er also. Der heiss ersehnte Start in die Saison 15/16.
Endlich die wenig erquicklichen Eindrücke der N11 bei der WM übertönen.
Noch ist das Drama in 22 Akten erst am Anrollen und der letzte Akt noch weit entfernt.
Aber als echter Frauenfussball-Liebhaber ist man blitzschnell wieder im Liga-Modus. Viel zu lange bis zum nächsten Spieltag …
Da will man sehen, ob das alles sich bestätigt, was der erste Spieltag mit sich brachte:

Schon richtungsweisend? – Oder doch nur der erste Aufgalopp, der noch nicht viel zu sagen hat?

Wird es nicht sein wie fast immer? Für manche das Eine – für die anderen das Andere.
Bei einigen Teams wird man sagen: Vom ersten Spieltag an …
Bei anderen Teams wird man sagen: Nach dem ersten Spieltag sah das noch so oder so aus, aber dann …

Das TV-Spiel
Eingehende Analyse dazu siehe auch in diesem Beitrag

Diesmal wohl eher ein “Appetit-Happen” war das erste “Fernseh-Spiel”. Wer erinnert sich noch an das laue, weil einseitig unspannende 3:0 von Wolfsburg gegen Freiburg letzte Saison, mit dem die Frauenfussball-Bundesliga kaum arg viel Werbung machen konnte.
Da war diesmal doch einiges mehr “drin”. Die zentrale Frage bleibt, warum das Spiel nach dem 0:1 so stark gekippt ist. Haben die Bayern so stark “aufgedreht” oder Potsdam nachgelassen? Irgendwo kommen oft verschiedene Aspekte mehr oder weniger zusammen. Aber auch anhand eines Schlüsselszene-Beispiels könnte man schon dazu neigen, der generellen Müdigkeit von Potsdam den Hauptanteil zuzuschreiben. Warum?
Nehmen wir das 1:1. Da wird sehr deutlich, dass gleich mehrere Spielerinnen von Turbine hintereinander den Bruchteil einer Sekunde zu spät reagieren und manche dann sogar zurückziehen, um ein Foul zu vermeiden. Es kommt im Fussball immer einmal vor, dass eine Spielerin gerade müde ist, weil sie zB gerade anstrengende Sprints hinter sich hat, oder einfach zu spät reagiert. Schon, dass zwei zugleich dies tun (ohne dass es wegen eines Missverständnisses wäre) kommt selten vor. Wenn aber wie hier gleich mehrere hintereinander dieses Problem haben, ist das eben ein starkes Zeichen, dass die Mannschaft insgesamt ein Problem damit hat.
Ob das nun an zu wenig, oder zu viel Training liegt, oder da noch die anstrengenden 90Min 3 Tage vorher gegen PSG eine Rolle gespielt haben, sollte intern analysiert werden. Man drückt die Daumen, dass diese Analysen endlich Früchte tragen. Die Lehren aus den unerklärlich matten Vorstellungen in Frankfurt und im Pokalendspiel scheinen immer noch nicht vollständig gezogen, denn dass es grundsätzlich geht, hat man ja im Heimspiel gegen Wolfsburg gesehen.
Was die Bayern anbelangt, bedauert man vielleicht den Angang der Partien gegen PSG und OL im schweizer Vorbereitungs-Turnier noch ein wenig mehr. Hier hatte man Gegner, gegen die man ohne “Ergebnisdruck” eben für solche Fälle den Ernstfall hätte üben können, die Offensive zu forcieren. Man hat sich aber einmal (PSG) ziemlich stark auf das Defensivverhalten konzentriert und einmal (Lyon) nur mit einer halben “Ersatzelf” gespielt. Ist das Problem richtig erkannt?
Das muss man nämlich schon sehr kritisch fragen, was die Bayern da die erste Stunde zuwege gebracht haben. Es war erstaulich – erstaunlich steigerungsfähig. Da hat man im Überfluss Finger an einer Hand, um die gefährlichen Offensivaktionen des deutschen Meisters aufzuzählen. Auch hier haben sicher bereits in der vergangenen Saison Analysen stattgefunden, warum das Toreschiessen so schwer fiel. Die Lösungen scheinen allem Anschein nach auch hier immer noch steigerungsfähig. Man sollte sich besser nicht darauf verlassen, dass die Gegner einen irgendwann zum Toreschiessen einladen, oder das gar a la Lyon selber übernehmen.

Letzte Saison im Eröffnungsspiel, um darauf zurückzukommen, konnte man sich in einem lauen Spiel vielleicht alternativ über die ordentlichen Leistungen von Lahr und Kayikci freuen. Die spielten nicht herausragend, aber man war überrascht, weil man sie vorher nicht gekannt hatte. Interessanterweise hat man nun Lahr – nachdem sie letztes Jahr danach wieder von der Bildfläche verschwand – in Freiburg für die Startaufstellung wiederentdeckt. Und Kayikci hatte ja bereits letztes Jahr einige “Überzeugungsarbeit” folgen lassen dürfen. War sie nun verletzungsbedingt nicht in der Startaufstellung? Wenn man hört, dass sich Freiburg einige Körner für den Schluss aufgespart hat, fragt man sich unwillkürlich, ob das nicht vielleicht auch an der Einwechslung von Kayikci gelegen haben könnte? Nur ein frielich sehr spekulativer Gedanke, wenn man nicht vor Ort war.

Einige Gedanken und Analysen ist auch Wert, wenn man nach 2:0 noch 2:6 verliert. Köln war bisher nur einmal im stream zu sehen. Das war im Pokal Viertelfinale in Essen vor 1,5 Jahren. Und – genau das gleiche Phänomen zu beobachten. Es endete 2:5 damals. Und damals schon fragte man, den positiven Angriffsgedanken in Ehren, warum Köln (noch mit Grings im Sturm) als 2.-Ligist in Essen einfach nur munter nach vorne rannte. Man merkt vielen Bundesligisten an, dass sie defensiv ganz ordentlich strukturiert spielen, und wohl auch einen Grossteil ihrer Trainingsarbeit darauf konzentrieren. Nur Köln schien die Defensivarbeit damals schon eher weniger genau zu nehmen. Die hätten auch locker 4 schiessen können. Aber auch 7 kassieren. Wohl gemerkt – als 2.- Ligist auswärts bei einem Erstligisten.
Man hofft, dass sie nicht – nachdem sie natürlich in der 2.Liga für ihre Abwehrarbeit selten bestraft wurden – jetzt plötzlich verwundert sind, dass es in Liga 1 anders zugeht als in Liga 2. Und man wünscht sich, dass man dort ganz schnell ein wenig daran mit den vorhandenen Spielerinnen arbeitet, oder Alternativen zur Verfügung hat. Köln sollte nicht überrascht sein, wenn sie auf noch bessere Angriffsformationen als die von Bremen treffen. Vielleicht war das alles aber auch nur ein dummer Zufall – Fussball ist zum Glück manchmal so.
Allerdings gilt auch für Bremen, dass es zukünftig wohl so sein wird, dass sich Sanders häufiger an Spiele erinnert, in denen sie kein Tor geschossen hat. Drücken wir einfach beiden die Daumen. Das kann nicht schaden.

Die Tabellensituation
Neben Köln mussten auch Leverkusen und vor allem Jena empfindliche Niederlagen wegstecken. Also genau die beiden, die man auch vorab mit als erste Kandidaten nennen musste, wenn es darum geht, wen Köln und Bremen hinter sich lassen könnten. Ist das also mehr als nur eine Anlaufschwierigkeit? Jeder kann einen schlechten Tag haben, aber besonders die Deutlichkeit der Ergebnisse lässt den Verdacht grössere Probleme aufkommen. Wenn man Meisterschaften schon mit der Defensive gewinnt, wie der Fussball-Volksmund sagt – wie wichtig ist dann erst die Defensive für einen Nichtabstieg? Ich weiss nicht, ob man sich in Jena immer bewusst war, eine wie wichtige Rolle Erceg in der Innenverteidigung gespielt hat. Nun hat man auch noch die erfahrenen Schiewe und Hartmann nicht mehr. Da wäre vielleicht ein hilfreicher Gedanke – vielleicht nicht nur gegen einen Gegner wie Wolfsburg – die Abwehr nicht nur mit “Frischlingen” zu besetzen? Wenn man sonst keine anderen Alternativen zur Verfügung hat, kann man auch einmal über Umstellungen innerhalb der eigenen Mannschaft nachdenken, und die Erfahrenen erst einmal verwenden, um hinten Stabilität hineinzubekommen, auch wenn sie dann vorne fehlen. Nichts gefunden habe ich zur Auswechslung von Landeka. Vielleicht weiss jemand etwas, und wäre so nett, einen Kommentar zu schreiben? War das eine Ente, oder verletzungsbedingt – oder einfach nur ein hilfreicher Gedanke des Trainers? Das wäre sehr interessant zu wissen.

Leverkusen dagegen hat mit Krahn eben diese fehlende Erfahrung noch in der Hinterhand. Wie gut und wichtig solch eine erfahrene Korsettstange sein kann, die gar nicht unbedingt selber überragend spielen muss, zeigt sich bei Behringer und Bayern München. Aber nicht immer gelingt die Integration so reibungslos, besonders bei zahlenmaessig weniger häufigen Erfolgserlebnissen. Und man sieht, dass sich Krahn besser nicht verletzen sollte. Für solch eine Situation bietet der Leverkusener Kader aber sicher auch noch andere Möglichkeiten. Mit Leverkusen – Jena wartete da gleich für beide ein richtungweisendes Spiel. Wer schafft hinten Stabilität?

Sand hat ein richtungsweisendes Spiel (Zum Thema: wer kann dem Abstiegskampf entkommen) bereits 4:0 gewonnen. Darf man sich nun schon andere Ziele setzen? Siehe ganz oben. Ein 4:0-Sieg ist ein Pfund, aber noch kein Grund, abzuheben. Mal schauen allerdings, ob es hier einem “Kleinen” gelingen kann, mit cleverer Einkaufspolitik die Spielerinnen sogar gleichwertig zu ersetzen, die die “Grossen” ihnen wegholen? Um der Ausgeglichenheit der Liga willen könnte Sand hier vielleicht einen schönen “Mutmacher” für die übrigen “Kleinen” abliefern. Drücken wir auch dafür die Daumen.

Und nächste Woche sind wir sicher wieder ein Stück schlauer …

Bis dahin, bzw bis zur nächsten Vorschau

 

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