AFBL Frauen Fussball Bundesliga Vorschau 2.Spieltag

Die Spieltagsvorschau:

Der Start war vielversprechend. So kann es doch weitergehen
Ausser für die, die unter die Räder gekommen sind. Wie reagiert Köln auf 6 Gegentore in Bremen. Wie Leverkusen auf 4 in Sand? Und wie gelingt es Jena, seine “Frischlingsabwehr” zu stabilisieren?
Besonderer Augenmerk gilt aber immer noch der Frage, inwieweit sich die Situation der “grossen Vier” darstellt. Sowohl was die Rangfolge innerhalb der Gruppe anbelangt, als auch den Abstand zum Rest.

1899 Hoffenheim – FFC Frankfurt
Während Hoffenheim schon des öfteren für Wolfsburg, München oder Potsdam einen sehr unangenehmen Gegner abgab, sah man gegen Frankfurt meist wenig Land. Zufall? Oder passt die Spielweise der beiden einfach für Frankfurt ganz gut? Da man noch kein direktes Aufeinandertreffen sehen konnte, lässt sich das nur indirekt vermuten. Schön also, dass man das hier einmal direkt begutachten kann. Frankfurts Spielweise unterscheidet sich natürlich ein ganzes Stück von den anderen. Und es mag schon sein, dass deren nennen wir es einmal “stark von individuellen Einfällen und Einzelleistungen” geprägte Spiel für Hoffenheim relativ schwer “zu greifen” ist. Da spielt man relativ gut organisierten Fussball und ist demzufolge auch vom Training her daran geöhnt, auf eine solche Art von Gegnern zu spielen. Es fehlt(e) den meist jungen und noch immer nicht sonderlich erfahrenen Spielerinnen sicher in erster Linie genau die individuelle Erfahrung und Abgezocktheit, die man in Frankfurt besonders stark betont hat. Man erinnert sich auch noch an das Tor von Ando, als die “grünen” Hoffenheimerinnen “vergassen” weiterzupielen. Allerdings sollte sich gerade diesbezüglich so langsam ein Lerneffekt einstellen, denn inzwischen ist Hoffenheim ja auf dem Weg, zu den Arrivierten zu gehören. Wobei man es eben gerade daher Schade finden kann, dass man – auch im Sinne der eigenen Talente – nicht noch wenigstens eine weitere “gestandene” Spielerin verpflichtet. Sollten Demann oder Moser längere Zeit ausfallen, könnte man unverhofft doch nach hinten schauen müssen.
Eine besser organisierte Abwehrleistung als Essen ist Hoffenheim aber allemal zuzutrauen. So darf man annehmen, dass es in diesem Spiel darauf ankommen könnte, ob es Hoffenheim gelingt, nur wenige Einzel-Situationen zuzulassen, in denen die Frankfurterinnen ihre individuellen Erfahrungs-Vorteile ausspielen können. Dann müsste ihre gute Abwehrorganisation eigentlich Gift gerade für die Frankfurter Offensive sein.
Umgekehrt ist in der Offensive die Hoffenheimer Stärke eher der schnelle Vorstoss mehrerer Spielerinnen in einer gemeinsamen Aktion. Das ist grundsätzlich gegen gleichstarke Gegner eine sehr gute Variante. Allerdings ist für das Spiel gegen überlegene Gegner eine einzelne herausragende Einzelspielerin, die in 1:1 Situationen auch einmal eine guten Abwehrspielerin, und sei es nur mit reiner Schnelligkeit, überwinden kann, eher hilfreich.
Wie Frankfurt sich ohne Sasic und den Abgang von Boquete und verletzungsbedingt ja auch noch ohne Maroszan präsentiert, und inwieweit die viel eher Team-orientierten Schmidt und Ogimi das Gesicht der Mannschaft beeinflussen, wird auch sehr interessant. Wer gehofft hatte, dass auf dfb.tv durch eine längere Laufzeit der sogenannten “Highlights”-Videos mehr Informationen zu solchen Aspekten der Spiele bekommen würde, war leider ja eher enttäuscht. Während man auf eine Trainerausbildung Wert legt, und dort den Trainern beibringt, besonders unmittelbar nach Spielende in möglichst langen Sätzen möglichst wenig zu sagen. So werden wohl weiterhin diese live-Spiele die einzige Informationsquelle dazu bleiben.

Turbine Potsdam – SC Freiburg
Wie gross ist der Abstand von Turbine zum “Rest” noch? Eine aufschlussreiche Begegnung auf die man gespannt sein darf. Nicht zuletzt weil man bei beiden nichts genaues weiss. Turbine hat ja schon im allerersten Spiel gleich zwei ziemlich verschiedene Gesichter gezeigt. Bei Freiburg muss man sehen, ob es dem neuen Trainer gelingt, das Potential der Mannschaft besser auszuschöpfen als dies in der Vergangenheit der Fall war. Unüberwindbar gross scheint der individuelle Leistungsvorsprung von Turbine, wenn man die Spielerinnen 1:1 gegenüberstellt nicht mehr unbedingt. Vielleicht kommt es also darauf an, ob Turbine 90Min lang den Gegner so hartnäckig bearbeitet, wie das in München in den ersten 60Min der Fall war, und wie stark die Freiburger Spielerinnen insbesondere in Punkto Lauf- und Einsatzbereitschaft dagegenhalten, was in der letzten Saison eines ihrer grössten Mankos war. Dann könnte man mit Starke und Kayikci der Potsdamer Dreierkette theoretisch schon Probleme bereiten. Allein, ob in Freiburg eine Wandlung so schnell gelingt?
Turbine wird in diesem “must win” game schon über die Physis in den Zweikämpfen und durch energisches Pressing den nötigen Druck erzeugen. Nicht nur, um nicht von Beginn an tabellentechnisch hinterherhinken zu müssen, sondern vor allem, um die Unruhen hinter den Kulissen nicht noch anwachsen zu lassen, die den “Absturz” auf Platz 4 begleiten.

Köln – Bayern München
Der “Westen” ist schon traditionell immer besonders hartnäckiges Bayern “Feindesland”. Nun haben letztes Jahr auch noch Essen und Duisburg bei den Frauen dafür gesorgt, dass den Bayern dort kein Tor gelang. Und so einfach, wie es Turbine letzte Woche lange Zeit gelang, die Bayern vom Tor weg zu halten, müsste man eigentlich um Bayern Sorge haben. Aber “zum Glück” heisst der Gegner ja Köln. “Die haben ja schon gegen Bremen 6 kassiert”. Nein, das hätte eigentlich nichts zu sagen, ausser, dass sie sich im Gegenteil dafür diese Woche noch intensiver um Abwehrstabilität Gedanken machen. – Eigentlich – muss man sagen, weil sich bei Köln erst noch zeigen muss, ob nicht die Abwehrarbeit in der zweiten Liga mangels Gegnerqualität ein Schattendasein geführt hat, und jetzt gar nicht schnell genug zur Blüte gebracht werden kann. Allerdings entwickelt sich Bayern scheinbar mehr und mehr zu einem Superbeispiel, welche Nachteile die 3er Kette für Spitzenteams mit sich bringen kann. Da haben sich die Strukturprobleme im Spiel bei eigenem Ballbesitz schon auch während der letzten Saison hoffentlich nicht so festgesetzt, dass eine rasche Besserung schwierig wird. Im Unterschied zu den Männern, wo man gegen die Aufsteiger wegen deren erhöhter Euphorie lieber nicht ganz am Anfang der Saison antritt, ist es bei den Frauen eher umgekehrt so, dass die Aufsteiger sich erst im Laufe der Saison an die gestiegenen Anforderungen anpassen und am Anfang noch anfälliger sind. Insofern wird Bayern wohl irgendeinen Weg finden, im Westen zu treffen.

VfL Wolfsburg – Werder Bremen
Wegen absehbarer Langeweile kein Kommentar. Oder doch? Natürlich soll man nie nie sagen. Auch Lyon hat im Alpencup das dortige Bayern-Team eine Halbzeit an die Wand gespielt und beim Toreschiessen die Peilung absolut verkehrt herum einjustiert. Aber ansonsten ist auch kaum eine Konstellation vorstellbar, in der das nicht eine einseitige Angelegenheit für Wolfsburg werden wird. Für Bremen gilt es wohl in erster Linie, in diesem Spiel Erfahrungen zu sammeln, um dann gegen andere Gegner davon zu profitieren. Und da kann natürlich wunderbar jede Spielerin ihre Abwehrleistung überprüfen, weil Wolfsburg die Fehlerbestrafungsmaschine Nummer1 ist. Für die durchwegs jungen und/oder unerfahrenen Abwehrspielerinnen, die Jena aufgeboten hat, war das Spiel sicher auch gut, um zu lernen. Bremen wäre sicher auch nicht traurig, ein wenig weniger “Lernmaterial” mitzunehmen.

Bayer Leverkusen – USV Jena
Da ist wohl beiden der erste Spieltag missraten. Die Frage: Wie gut werden sie sich neu sortieren? Die überraschende Abwehrformation in Jena, die sich tapfer, aber auf verlorenem Posten gewehrt hat, weil Wolfsburg selbst im Bereich vor der Jenaer Abwehrkette viel zu viel Zeit und Raum hatte das Anspiel in die Spitze ziemlich ungestört vorzubereiten (soweit man das bei den Toren sehen konnte). Aber auch für Leverkusen gilt, dass man sich zunächst auf eine solide Abwehrarbeit verlassen können muss, um nicht in grössere Probleme zu geraten. Man wird sehen, inwieweit Krahn hier zukünftig weiterhelfen kann, tut aber immer gut daran, das nicht zu sehr an einer Person festzumachen. Und schliesslich besteht eine gute Abwehrarbeit auch immer am Zusammenspiel eines Abwehrgefüges. Und da waren, wie auch bei Jena, selbst in den wenigen Szenen von dfb.tv schon mehrere Schwächen zu erkennen, die man allesamt sicher angesprochen hat, weil man an mehreren Ursachen arbeiten sollte.

SGS Essen – SC Sand
Ist vielleicht das für den Filigranzuschauer interessanteste Spiel, das man im TV verpasst. Essen, eine sehr talentierte Truppe, die allemal die Top4 angreifen könnte, aber letztes Jahr total den Faden verloren hatte. Und nun scheint man beim Versuch die eigene Linie wiederzufinden wie aufgescheucht von einem Reparatur-Schlamassel in den nächsten zu rennen. Inklusive der Integration der “Neuen”. Und so kann Sand, im letzten Jahr erst am letzten Spieltag gesichert vielleicht am ehesten zur Überraschung der Saison werden? Sicher noch eine sehr spekulative Vermutung, aber die hat gleich am ersten Spieltag doch schon neue Nahrung erhalten. Und auch noch genau wie vermutet. Im Offensivbereich könnte man den Abgang Hanebeck/Mauro durch die Neuzugänge personell mehr als ausgeglichen haben. Inwieweit man im Defensivbereich den Abgang von Scurich personell auffangen konnte, ist alleine durch TV Betrachtungen nicht zu sagen. Mit den highlights auf dfb.tv ist wie oben schon bedauert, in dieser Richtung nicht viel anzufangen. Einzig Savin hat man immerhin vor 1,5 Jahren einmal im Pokal mit Freiburg in Essen als eine sehr gute Offensivverteidigerin in Erinnerung. Schön, dass sie gleich im ersten Spiel nach langer Verletzungspause wieder einen Flanken-Assist beisteuern konnte. Bekommt Essen also die Kurve oder kann Sand an das Leverkusen-Spiel anknüpfen?

 

 

 

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