1899 Hoffenheim – 1.FFC Frankfurt 0:1 (0:1)

Vorgeschichte:
Die Vorgeschichte, das waren hauptsächlich zwei Aspekte:
– Langfristig betrachtet die Tatsache, dass Frankfurt immer so eine Art “Angstgegner” für Hoffenheim war, und es bei 4 Siegen auch 24:4 Tore in den bisherigen Bundesliga-Partien gab (warum das wohl so war – mehr dazu in der Vorschau hier).
– Kurzfristig, dass beide den Auftakt erfolgreich gestalten konnten. Frankfurt 2:0 gegen Essen, Hoffenheim mit einem Punktgewinn in Freiburg. Nun ging es also ans Bestätigen. Frankfurt seine Überlegenheit gegenüber Hoffenheim. Und Hoffenheim seinen guten Auftakt.

Headline: Knapp aber verdient
Gar nicht mehr so eindeutig wurde dann aber die bisher immer eindeutige Angelegenheit zwischen den beiden Teams. Es fing nur so eindeutig an. 5.Min 0:1 Islacker. und 2 Min später wäre nach ähnlichem Muster (Garefrekes – Islacker) fast das 0:2 fällig gewesen. Weitere 2 Min später dasselbe in links. Laudehr aussen viel zu leicht durch – schöne schnelle Annahme-und-Abschluss Aktion von Islacker im Zentrum – der Ball klatscht an die Latte. Da war aber neben individuellen Fehlern auch von geordneter Defensiv-Koordination bei Hoffenheim nicht viel zu sehen. Weder auf der Aussenbahn, wo man nicht erst seit gestern wissen sollte, dass man Garefrekes nicht so einfach durchrennen lassen sollte. Noch im Zentrum, wo man kreuz und quer lief, bloss nicht dahin, wo es gefährlich war: Bei Islacker. Was man sehen konnte war, warum Hoffenheim bisher immer von Frankfurt abgestraft worden war. Oder auch nicht. Denn danach war urplötzlich schlagartig Ruhe. Sieht man in dieser Form auch nicht oft. Die Hoffenheimer Spielerinnen schienen nach extrem verschlafenem Beginn aufgewacht, und der 1.FFC Frankfurt hatte fast verständlicherweise wohl den Eindruck gewonnen, dass das mit den hohen Siegen auch im Schongang so weitergehen wird.
Denn mit zunehmender Spieldauer konnte sich Frankfurt immer weniger durch das kompakte und mittlerweile nun gut organisierte Mittelfeld der Hoffenheimerinnen durchspielen. Kam allerdings der Ball dann doch in die Gefahrenzone, so wurde man schnell daran erinnert, welches individuelle Entwicklungspotential noch in vielen Hoffenheimerinnen schlummert. Da bekam man viel zu häufig den Ball beim Klärungsversuch nicht aus der Gefahrenzone, und auch das individuelle Stellungsspiel mutete nicht nur beim Gegentor seltsam an. Und so wurden einige Frankfurter Nachlässigkeiten in der Chancenverwertung offenbar, die darin gipfelten, dass gleich mehrere Spielerinnen frei im Fünfmeterraum vor Tufekovic auftauchten, den Ball aber nicht versenken konnten, und es letzlich erst die allerdings dadurch dann im Abseits befindliche Kuznik schaffte. Und man weiss ja, wie Fussball oft ist: Mangelnde Chancenverwertung rächt sich gerne, und in Gedanken daran blieb das Spiel bis zur letzten Sekunde spannender, als man sich das von Frankfurter Seite gewünscht hätte. Allein – es war eben vor allem individuell dann doch nicht genug, was Hoffenheim gegen Frankfurt vorzutragen hatte, auch wenn Hoffenheim im Laufe der zweiten Halbzeit sogar immer mehr Hoheit über das Mittelfeld gewann und sogar zur Schlussoffensive bliess. Zu blass verebbten die Angriffe im letzten Drittel. Ob da die Auswechslung von Moser wirklich hilfreich war, die im Offensivbereich am ehesten die individuelle Ballfertigkeit und Ruhe am Ball besitzt, um eben in dieser Zone eine hinreichend genaue Aktion zu spielen? So gelang, jedenfalls nur noch einmal ein gut durchgestecktes Zuspiel in die Spitze mit anschliessender Halbchance und das Spiel verstrich ohne einen finalen Aufreger.
Spielerisch schon etwas weiter schienen Breitner und Hartig, die sich nach argen Anfangsfehlern im Kampf 18 gegen 36 (Jahre) nicht mit der Rolle der Auszubildenden begnügte und durchaus die eine oder andere schöne kleine Punktewertung gegen (Alt-)Meisterin Garefrekes sichern konnte.

Taktisches
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Zum Teil entwickelte sich das erwartete Spiel. Hoffenheim, wohl von Beginn an mit Dreierkette, obwohl man das in den ersten 10Min nur als Absichtserklärung vermuten konnte, machte mit guter Laufbereitschaft und einer ordentlichen Organisation, zumindest in Sachen Raumaufteilung und gegenseitiger Unterstützung im Mittelfeld, die individuellen Vorteile der Frankfurter Individualkönner wett. Es war fast schon erstaunlich, wie häufig bei Hoffenheim zwischen den Strafräumen sowohl im Aufbau aus der eigenen Verteidigung als auch im Abwehrverhalten immer noch eine Spielerin zusätzlich irgendwoher aufzutauchen schien.
Demgegenüber brannte es fast jedesmal lichterloh im Hoffenheimer Strafraum, wenn die Frankfurterinnen den Ball dort einmal gezielt hineinbefördern konnten, weil überall, wo eine 1:1 Situation entstand, die Frankfurterinnen meist als klare Sieger hervorgingen. Da waren es wie gewohnt die zentralen Demann und Moser, die durch ihre gute Ballkontrolle für ein wenig Ruhe im Spielaufbau sorgen konnten, weil sie in der Lage waren, sich bei eigenem Ballbesitz gegen störende Frankfurterinnen zu behaupten.
Frankfurt verwaltete das Spiel aber auch zunehmend nur noch, ohne sehr oft zB über die Flügel mit Läufen von Laudehr oder Garefrekes die Initiative zu suchen. Lediglich die einfallsreichen Hoffenheimer Standards sorgten für Gefahr. Insbesondere als eine Kopfballverlängerung am Pfosten landete.

In der zweiten Hälfte gewannen die Hoffenheimerinnen dann sogar durch ihr Laufspiel die Oberhand, so dass sich in einer Phase zeitweise ein bilderbuchmaessiges Mittelfeld-Hin-und-Her entwickelte, wo es Hoffenheim regelmaessig gelang, sich durch dieses Laufspiel schnell die Bälle von den Frankfurterinnen zu erobern, nur um sie dann genauso regelmaessig relativ schnell wieder gegen die individuelle Überlegenheit der Frankfurterinnen zu verlieren, sobald man versuchte, sich deren Tor zu nähern.

Die waren nämlich weit, weit mehr als umgekehrt meist sehr flott, wenn es darum ging, schnell von Offensive auf Defensive umzuschalten, und eine numerische Überlegenheit wenigstens dann vor dem eigenen Strafraum aufzubauen. So konnte man dort im Gegensatz zum übrigen Spielfeld dem Laufspiel der Hoffenheimerinnen einen zahlenmaessig ebenbürtigen Verbund entgegenstellen – mit dann dementsprechend grossen Vorteilen für die besseren Frankfurter Individualkönner.
Dabei war auch sehenswert, wie die “Frankfurterinnen nach Hoffenheimer Art” Groenen und Panfil ins Spiel kamen. Die bestechen ebenfalls durch grosse Laufbereitschaft und Fleiss, sind aber als Einzelspielerinnen nicht ganz so stark wie die Top-Nationalspielerinnen. Beide sorgten aber durch ihre Laufstärke spürbar sofort nach ihrer Einwechslung für mehr Initiative und Anspielstationen im Frankfurter Spiel nach vorne. Groenen hatte sich dabei durch ihren schönen Sprint auch schnell eine grosse Chance erarbeitet – aber dann nicht mehr die Kraft für einen gelungenen Abschluss und diesbezüglich auch noch Potential nach oben.

Fazit und Ausblick
Das Thema mit der “Zweiklassengesellschaft” wird weiter bestehenbleiben. Aber dieses Spiel war vielleicht auch ein weiterer starker Beleg dafür, dass der Abstand zur Spitze für das Tabellenmittelfeld abnimmt, wenn nun nicht einmal mehr Frankfurt gegen Hoffenheim klar gewinnt 😉 .
Wenn die Hoffenheimer Spielerinnen ihre Leistungszuwachsraten halten und die individuellen Lücken weiter verringern, werden sie weiter näherkommen. Das ist alleine schon durch ihr Alter und den Erfahrungszugewinn als wahrscheinlich anzusehen.

Für den Frankfurter Leistungsstand gegen die anderen “Grossen” war das hoffentlich kein typischer Gradmesser. Da werden andere Anforderungen gestellt. Dass Sasic in der Sturmmitte als Anspielstation eine Lücke hinterlassen hat, war erwartet augenfällig. Ob es sich auszahlt, dass Ogimi nicht ganz vorne, sondern im Mittelfeld agiert wird man abwarten müssen. Prognose auch insbesondere ohne das Mitwirken von Maroszan noch nicht möglich.
Frankfurt wird aber jedenfalls mehr Initiative zeigen müssen, und insbesondere den Sack bei den gegebenen Chancen zumachen müssen, um nicht unnötig Punkte gegen die “Kleinen” liegenzulassen. In diesem Spiel hatte man aufgrund des unübersehbaren Fleissunterschieds immer das Gefühl, dass dies so ein typisches “Rache der leichtfertigen Einstellung” – Spiel sei, indem der underdog dann ganz zum Schluss den Ball doch noch irgendwie einschenken kann. Immerhin hat man auch da wenig zugelassen.
Von der starken Fussballerin vanEgmond, die allerdings allein schon aufgrund ihrer langen Übersetzung auch weniger agil wirkt, wünscht man sich sicher viel mehr Initiative. So ähnlich wie Groenen und Panfil diese nach ihrer Einwechslung zeigen konnten. Aber auch für Laudehr ist ein hauchzarter Punktgewinn gegen Steiner sicher genauso ausbaufähig in puncto Eigeninitiative wie es gestern Lindens Leistung war. Und so blieb eine Zitterpartie, was zunächst nach einer erneut eindeutigen Angelegenheit aussah.

Hoffenheim wird mit solchen Leistungen sicher auch für die “Grossen” weiterhin nicht so leicht zu bezwingen sein, allerdings mangels Offensivkraft auch nicht leicht punkten können. Auch gegen den ein oder anderen kleineren Gegner wird man schauen müssen, dass die eigene Torausbeute nicht zur Spassbremse wird. Zum Glück hat man in Demann eine Korsettstange, die erneut zeigen konnte, dass sie in Sachen strukturierter Spielaufbau aus der Defensive wohl zumindest zu den besten deutschen Spielerinnen gehört.
Aber wie gehabt singt man das traurige Lied von Hoffenheim, für deren Anhang und auch die Jüngeren im Team, dass da nicht noch eine solche Korsettstange vorne vorhanden ist, die den Jungen als Vorbild und Beispiel dient, und aus Hoffenheim einen Favoritenschreck machen könnte.

Spielerin des Spiels: Islacker
Ein bisschen in Ermangelung einer herausragenden Spielerin nehmen wir diejenige, die das einzige Tor des Tages erzielt hat. Und sie schien auch die, die bei weiteren Versuchen am ehesten die beste Qualität im Abschluss hatte. Leider fielen spätere Frankfurter Chancen allerdings nicht mehr vor ihre Füsse.


 

Noten:

1899 Hoffenheim

Tufekovic: 7.5
Souveräne Leistung mit einer herausragenden Parade. Nur der Abpraller aus Hz1 stört ein wenig.

Steinert: 6.5
Ebenso fleissige Leistung wie die anderen. Fast ein Unentschieden gg Laudehr.

Dongus: 7
Stabil und resolut im Zweikampf. Leider ein paar unnötige Fouls. Aber am Ende sehr stark aufkommend

Howard: 6.5
Solide in der Abwehr, aber da war auch nicht mehr so viel zu tun nach den ersten Minuten.

Demann: 7.5
Wie immer der ruhende Pol, der alles zusammenhält. Sehr gute Übersicht und Spieleröffnung

Betz: 6
Fleissige Arbeiterin mit Potential

Breitner: 7
Balltechnisch beste Helferin von Moser im Mittelfeld.

Moser: 7.5
Gewohnt solide mit auffallender Ruhe am Ball.

Harting 6.5
Nach dem Fehlstart mit einigen vielversprechenden Ansätzen gegen Garefrekes.

Bürger: 6
Viel Aktivität ohne Ball, aber mit (noch) zu wenigen genauen Aktionen nach vorne

Chojnowski: 6.5
War als kantige Stoss-Stürmerin immer fleissig und unangenehm.


 

1. FFC Frankfurt:

Schumann: 6.5
Hatte aber sehr wenig zu tun.

Priessen: 6.5
Solide Leistung, allerdings fast nicht gefordert.

Kuznik: 7
Stoppte die meisten Angriffe Hoffenheims, was aber auch kein grosses Problem war.

Hendrich: 6.5
Solide, aber auch mit wenig Gelegenheit, sich auszuzeichnen.

Garefrekes: 7.5
Die gewohnte Antreiberin, auch mit der Vorarbeit zum Tor.

Schmidt: 7
Hauptballverteilerin vor der Abwehr mit guter Raumaufteilung und Übersicht.

vanEgmond: 6.5
Hatte keine Probleme. War aber auch nicht sehr auffällig

Ogimi: 7.5
Die Antreiberin in der Zentrale. Verschwand aber in Hz2 auch in der Versenkung.

Laudehr: 6.5
War als wichtiger Faktor auf ihrer Seite geplant, spielte allerdings eher nur solide mit.

Islacker: 7
Eine Stürmerin – ein spielentscheidendes Tor. Aber später immer weniger im Spiel.

Linden: 5.5
Nicht sehr eingebunden. Sollte vielleicht von sich aus mehr dazu tun und kann das auch.

 

Links:

offizielle DFB-Daten:
dfb – offizielle Datenseite zum Spiel 1899 Hoffenheim – 1.FFC Frankfurt

Video:
dfb.tv 1899 Hoffenheim-1.FFC Frankfurt in voller Länge

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