AFBL Frauen Fussball Bundesliga 2.Spieltag Nachbetrachtung

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.
Da hat man gerade noch die Spieleindrücke vom TV-Spiel am Samstag zusammengefasst, und geschrieben, wie das Bundesliga-Mittelfeld immer dichter heranrückt, da ist am Sonntag ein 2:0 Sieg schon das höchste Ergebnis des Tages.
Und auch in der Vorschau wurde ja der Wunsch geäussert, sich doch vor allem auch im Abstiegskampf auf eine vernünftige Defensivarbeit zu besinnen, nachdem am ersten Spieltag die Tore wie reife Früchte fielen.
Hut ab, da hat man aber verdammt schnell reagiert. Wenn man das jetzt öfter sieht soll es ja mehr als Recht sein …
Auch hier muss allerdings die Frage erlaubt sein, warum man denn in einer 6-wöchigen Vorbereitungszeit auf eine neue Saison da nicht ohnedies drauf kommt, sondern erst nachdem man im ersten Spiel gleich eine Klatsche bekommt.
Man hofft im Sinne der Qualität der Liga, dass dafür andere Dinge in der Vorbereitung mit mehr Erfolg angegangen wurden. Nicht, dass es exemplarisch für anderes steht, dass mancherorts das Hauptthema so misslingt. Warum eine Mannschaft, die 60Min ein tolles Laufspiel gezeigt hat, in den letzten 30Min konditionell so stark einbrechen konnte, hatte man sich letzte Woche hier doch auch schon ein wenig gefragt …

 

Das TV-Spiel
Eingehende Analyse dazu siehe auch in diesem Beitrag

Auch dieses Spiel war entgegen manchen Befürchtungen alles andere als ein Langweiler. Im Gegenteil. Man musste sich schon mehrfach wundern, dass man offensichtlich teilweise wenig Zusammenhang zwischen der Qualität der Darbietung und der TV-Zuschauerzahl herzustellen schien. Nun kann man aber zunächst einmal froh sein, dass die Programmplaner spieletechnisch bisher nicht in die Kiste mit den sauren Gurken gegriffen haben.
Es muss dabei ja gar nicht immer die höchste Qualität zu sehen sein, denn so ein knapper Kampf eines sich vehement wehrenden “Kleinen” gegen den übermächtigen Gegner hat sicher auch allen Zuschauern kurzweilige Unterhaltung bis zur letzten Sekunde geboten, so dass die Zuschauer sicher wiederkommen. Da waren auch schon ganz andere Spiele dabei.

Jetzt haben sich die Hoffenheimer naturgemaess sehr gefreut, nur knapp verloren zu haben, und auch spielerisch nicht dominiert worden zu sein. Und auch in der Spielanalyse hier wurde ja einiges lobend erwähnt. Aber man sollte immer auch die Kirche im Dorf lassen.
Man kann es nämlich immer von 2 Seiten sehen, dass man als Mittelklassemannschaft Top-Teams mit einer guten Raumaufteilung und fleissiger Laufarbeit paroli bieten kann. Neben der Möglichkeit, den “Kleinen” dafür zu loben, geht es nämlich umgekehrt herum wohl mindestens genauso in die richtige Richtung. Und das ist dann nicht mehr in erster Linie das Verdienst von Hoffenheim.
Und bei aller berechtigten Freude tut man in Hoffenheim natürkich auch gut daran, die eigenen Schwachstellen zu analysieren, statt sich dabei eigentlich zu sehr über die Frankfurter Schwachstellen zu freuen. Als da wären eine unglaubliche Schlafmützigkeit in den ersten 10Min., als man seine Chancen auf Punkte leichtfertig verschenkte und mit weniger Glück sogar dabei gewesen war, in genau die gleiche Klatsche zu schliddern, wie zuvor. Dann der bei allem sichtbaren Fleiss doch (noch) genauso sichtbare individuelle fussballerische Klasseunterschied bei einigen Spielerinnen. Sicher sind Moser und vor allem Demann sehr ballsichere Spielerinnen. Aber arg gross ist der Qualitätsunterschied innerhalb der Mannschaft und man muss warnend an Essen vor 2 Jahren erinnern, die durch einige Verletzungen auch ganz unverhofft im Abstiegskampf steckten. Insoweit ist das auch für Hoffenheim ein Spiel mit dem Feuer. Und die Mannschaft hätte sicherlich eine weitere Vorbild-Spielerin verdient, um da etwas besser gerüstet zu sein.

Und da gab und gibt es ja viele. Unter anderem kommt einem auch Ando in den Sinn, wenn man gerade von Frankfurt spricht. Oder wird man da vielleicht noch einmal mit ihr verlängern? Brauchen könnten sie die auf jeden Fall ziemlich gut. Denn gerade im Offensiv-Spiel ohne Ball gibt es Handlungsbedarf. Das war noch nie eine besondere Stärke des FFC, aber ohne Sasic vorne wird das noch viel stärker deutlich. Man erinnert sich, als in der Zeit vor Sasic Frankfurt – damals noch mit viel stärkerem individuellen Qualitätsvorsprung – immer die fehlende Stürmerin als Grund für die Probleme genannt wurde. Islacker hat im Abschluss vielleicht sogar noch grössere Qualitäten – hat aber als Anspielstation selbst im Verhältnis zum Bundesliagdurchschnitt noch grosse Ausbaumöglichkeiten. Man wird sehen. Es wird interessant.

Gedankengänge
Nicht nur die Tatsache, dass der Vizemeister Bremen sich dieses Jahr bisher so viel besser als die Vorgänger-Aufsteiger schlägt, spricht erfreulich für die zweite Liga Nord. Auch, dass die “Zweiten” von Wolfsburg und Turbine sich dort nicht mehr wie früher vorne tummeln, sondern beide noch keinen Punkt holen konnten (Ein Tor von Jakabfi erfreut dabei, und der Einsatz von Scurich und Szaj bei Turbine) ist einen Gedanken Wert. Vorjahresmeister Lübars wurde beim Absteiger Herford in der 90. Min. nach 1:3 noch zum 3:3 abgefangen, und die Ex-Bundesligisten Gütersloh, Cloppenburg und Duisburg haben alle 2 Siege einfahren können. Das wird spannend, die Spielerinnen werden gefordert, und um Meister zu werden, wird man Qualität brauchen.
Im Süden hat mit Gladbach der nächste Bundesligaverein einen guten Start hingelegt. Da sind allerdings die zweiten Vertretungen von Hoffenheim und Bayern vorne.

Ein bekannter Top-Manager, der auch schon mal eine Top-Mannschaft betreut hat, hatte neulich einmal mit seinen Gedanken zur fehlenden Liebe zum Fussballspiel zu Wort gemeldet. Jetzt ist man geneigt zu fragen, mit wie wenig Liebe zB so informative und zT sehr liebevoll gemachte Berichte, wie man sie aus Essen oder auch Potsdam, manchmal von Bayern oder früher aus Cloppenburg, gewohnt war, nun vom dfb nicht mehr geduldet werden. Anstatt diese zu fördern, oder wenigstens zu übernehmen, werden dafür vom dfb-eigenen dfb-tv sogenannte highlights gezeigt – und damit der Service für den Fussball-Liebhaber deutlich verschlechtert. Muss das sein? Warum verschlechtert man den Service im Frauenfussball? Gerade, wo doch seit Allianz-Zeiten der Video-Service zB mit den Saisonvorberichten professioneller wurde?
Da wird dann zB das Abklatschen nach, wohlgemerkt das Abklatschen der eigenen und gegnerischen Spielerinnen nach dem Schlusspfiff, also nach Spielende ausführlichst gezeigt. Und zwar mit so viel Liebe, dass es schon mal ca 15% der gesamten Laufzeit belegt (Essen-Sand). Auch das Warmmachen vor dem Spiel erfreut sich immer grosser Liebe, oder welche Spiele die Sprösslinge in der Halbzeit auf der Tribüne so treiben. Das ist auch schön, aber vielleicht Schade für die, die eher das Spiel lieben.
Wer da also auf zusätzliche Spielinformationen durch die in die Länge gezogenen Zusammenfassungen hoffte, sieht sich leider weitgehend getäuscht. Dass man dafür dann vielleicht zu Saisonende weiss, welches Team sich vor Spielbeginn im Kreis nur anschreit, und welches sich gegenseitig auf die Schenkel klopft, ist ein schwacher Trost. Und dafür sind dann sogar teilweise mehrere Kameras vor Ort. Wieso kann man nicht wenigstens als Service das komplette Spiel von der Hauptkamera ins internet Stellen. Ein paar Fussballliebhaber oder unfreiwillige Spielversäumer würde das vielleicht aus Liebe zum Spiel auch interessieren, und wohl kaum zusätzliche Kosten und Arbeit verursachen. Und Stadion-Zuschauer hält es sicher ohne Ton und Zeitlupe o.ä als Konserve auch kaum ab. Man könnte das ja auch nur für eine begrenzte Zeit wenigstens einmal versuchen.
Nochmal ein verfeinertes Beispiel: Leverkusen-Sand endete 0:0, so dass es keine Tore zu sehen gab. Hier wurden 7 Szenen gezeigt. Das erscheint vergleichsweise sogar viel. Jede ca. 10Sekunden. Davon 4 Standards, von denen aber 2 sowieso etwas sinnfrei anmuteten, da ein Schuss in die Wolken und ein Abseits. Also ca. 30sec für Szenen des laufenden Spiels. Dafür auch wieder 30sec. lang, was nach Spielschluss auf dem Feld passierte. Sowie die üblichen Vorspiel- und Zwischenfüller.
Na ja, Raum nach oben ist jedenfalls vorhanden in Zeiten übrigens, wo ja in Schweden erstmals vollständige TV-Präsenz beim Frauenfussball Einkehr hält, eine private kleine Webseite aus der Schweiz und aus Dänemark Spiele streamt, in England seit der WM pro Spieltag ein komplettes Spiel in einem grossen Sender übertragen wird, und auch in Frankreich Eurosport verstärkt berichtet. Zuletzt wurde sogar Rossiyanka -Zorkiy in voller Länge live übertragen.

Die Tabellensituation
Sagt natürlich auch nach dem 2.Spieltag noch nichts aus. In allen “Klein” gegen “Gross” Spielen gab es die Favoritensiege, die aber diesmal allesamt eher nicht euphorisch ausfielen. Im Duell “bitte nicht in den Abstigskampf geraten” in Leverkusen trennte man sich mit einem friedlichen 0:0, das allerdings, da daheim, eher Leverkusen ein wenig mehr zu denken geben wird. Gegen Köln und Werder Bremen werden das jetzt ganz wichtige Spiele, da man mit Sand und Jena 2 als schlagbar eingestufte Gegner schon weg hat. Und vorne konzentriert sich jetzt schon alles auf das kommende Wochenende, wo es kein “klein” gegen “gross” gibt, was nur bedeuten kann …
Doch dazu mehr in der Vorschau. Am Freitag geht es ja bereits weiter …
Allzuviel Neues und Unerwartetes gab es auch sonst noch nicht. In Freiburg wartet man wie gehabt bisher weiter auf den Schritt nach vorne. Essen hat 3 Punkte. Aber man weiss nicht so recht, wie. Einzig Bremen hat bisher zweimal positiv überrascht, denn als positive Überraschung muss ein 0:2 in Wolfsburg unter dem Strich schon gewertet werden. Da waren in der Vergangenheit die Aufsteiger aus der Nord-Liga allesamt mehr oder weniger weit von Erstliganiveau entfernt, und man hatte daher auch diesmal eher vom sehr souveränen Süd-Meister und Aufsteiger die Qualität erwartet. Wäre aber schön, wenn das eine Bestätigung wäre, dass die Spitze der zweiten Liga Nord sich nach oben entwickelt hat und sich so langsam auch der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ein wenig verringert.
Hoffenheim hat seinen Ruf als eine der am besten organisierten Mannschaften der Liga bestätigt. Sand muss die Rolle des möglichen Überraschungsteams noch nicht eingebüsst haben. Die Leistung scheint auch in Essen dem Vernehmen nach gestimmt zu haben. Aber wer weiss, ob die 3 Punkte nicht irgendwo einmal schmerzlich vermisst werden. Bayern hat “im Westen” getroffen. Nicht üppig, aber immerhin wenigstens, nach den Nullern in Duisburg und Essen letzte Saison. Die Pause könnte Vielspielerin Leupolz vor dem Top-Duell vielleicht ganz gut getan haben. Bei Bayerns zurückhaltender Informationspolitik weiss man aber nicht Recht, ob vielleicht eine Verletzung vorliegt? Das wäre natürlich eine derbe Schwächung.
Dass man mit Zinsberger ins Zweifeln kommt, wurde letzte Woche schon gemutmasst. Aus der Ferne kann man nur sagen, dass Zinsberger in Frankfurt letztes Jahr den stärkeren Eindruck gemacht hat, und die zeitige Rückkehr der verletzt gewesenen Korpela damals kein glücklicher, aber auch kein schlimmer Schachzug war. Der Wechsel der ersten Torhüterin während der Saison ist aber nicht unproblematisch. Egal wer spielt weiss nun, dass ihr nächster Fehler nicht nur die Mannschaft teuer zu stehen kommen kann, sondern darüberhinaus auch sie persönlich wieder auf die Bank. In Sachen Torwartpolitik muss man Potsdam zur Zeit ja nicht unbedingt kopieren wollen.

 

 

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