AFBL Frauen Fussball Bundesliga Vorschau 3.Spieltag

Die Spieltagsvorschau:

Quo vadis?
Wohin geht die Reise? Ein Doppel-Top-Duell-Spieltag gibt weitere Hinweise zur Beantwortung der Frage.
Und auch weiter hinten gibt es dann 4 Duelle mit interessantem, vielleicht richtungsweisenden Charakter. 6 offene Spiele sollte man vielleicht öfter haben? Bei den Frauen ist ja der dfb auch (noch) verantwortlich für die Bundesliga? Wäre schön, wenn man sich da Gedanken dazu macht.

1. FFC Frankfurt – Turbine Potsdam
Über diese Geschichte gibt es eigentlich schon überall genug statistisches und historisches zu lesen, also hier gleich besonderes Augenmerk auf ein paar wohl enscheidende spieltaktische Grundlagen.

Das letzte Bundesliga-Treffen, das 5:1, wurde auch schon viel besprochen. Man muss aber dennoch hier darauf eingehen, weil dieses Spiel ein wichtiger Ausgangspunkt für die taktischen Aspekte beider Teams ist. Alleine daran kann man nämlich zum Beispiel schon sehen, dass man bei den Turbinerinnen immer abwarten muss, mit welchem Gesicht sie sich in einem Spiel zeigen können, selbst wenn das Personal konstant bleibt. Aber die personellen Veränderungen zu Saisonbeginn kommen ja noch dazu. Und diesbezüglich hat sich ja auch in Frankfurt das Gesicht der Mannschaft stark verändert.
Mannschaften wie Frankfurt, die sich eher auf die individuelle Klasse der Einzelspielerinnen stützen, und da auch sehr viele sehr routinierte Kräfte besitzen, sind sonst eher relativ konstant.  Aber auch in Frankfurt gab es letzte Saison eine grosse Wandlung, als man nach der Bayern-Heimniederlage im Punktspiel plötzlich aus dem Dornröschenschlaf der Vorrunde erwachte.
Fast schon ein wenig in den Hintergrund ist auch das Pokal-Halbfinale gerückt, in dem zu diesem Zeitpunkt dann ein wenig überraschend das damals zurückgefallene Potsdam sich im Pokal in Frankfurt revanchieren konnte, und den Finaleinzug klarmachte. Und auch in diesem Spiel war der ausschlaggebende Faktor im Prinzip der selbe:

Wenn Turbine nicht wieder unter einem eigentlich unerklärlichen Schwächeanfall leidet, muss es in der gewohnten Manier aggressiv den Frankfurter Ballbesitz angreifen. Das machte Bayern wegen deren unflexiblen Spiel aus der Abwehr grosse Probleme. Und das kann es wohl auch Frankfurt, das sich ohne die zentrale Anspielstation Sasic damit sicher nicht leichter tut. Diesem Aspekt kommt entscheidende Bedeutung zu.
Natürlich sollte man, obwohl es eigentlich selbstverständlich ist – sicherheitshalber erwähnen, dass Spiele vor dem Tor entschieden werden, und natürlich kommt es manchmal so wie bei Lyon gegen Bayern, dass die völlig “falsche” Mannschaft 1:0 in Führung geht, weil die “richtige” Mannschaft sich den Ball selbst ins falsche Tor bugsiert. Und die Effektivität bzw Fehlerfreiheit vor dem Tor ist natürlich bei jedem Spiel ein entscheidender Faktor.
Sollte man sich da aber in etwa die Waage halten, so wird es wohl werden wie in München: Wenn und solange Turbine gut genug presst, um Frankfurts Spielaufbau wirkungsvoll frühzeitig zu unterbrechen, hat Turbine die Oberhand. Wenn und solange es Frankfurt gelingt, dieses Pressing zu umspielen, wird Turbine Probleme bekommen.
Bei der 1:5 Niederlage spielte Turbine unverständlicherweise fast lethargisch und ohne jeglichen Druck auf Frankfurt. Beim Pokalsieg dagegen machte man das gut und Frankfurt gelang wenig.
Aber Pressing-Erfolg hin oder her. Beide müssen eine eventuelle Oberhand im Mittelfeld erst einmal in Tore ummünzen. Und da stösst man auf das nächste Vorhersage-Problem.
Turbine macht ohne eine absolute Top-Stürmerin bisher die typischen Pressing-Tore. Dass sind grob gesagt Tore nach dem Motto, wenn sich der Ball nur häufig genug im gegnerischen Strafraum befindet, werden wir ihn irgendwie irgendwann auch einmal über die Linie bekommen. Das mag sich zwar ein wenig nach Zufalls-Fussball anhören, ist aber trotzdem ein sehr legitimes und häufig benutztes Mittel.

Frankfurt dagegen hat ein gutes Offensivpressing nicht in seinem Repertoire. Da war das Hoffenheim-Spiel auch ein typisches Szenario. Deutlich weniger Bälle kommen vor das Tor. Aber die sind dann dafür meist genauer vorgetragen. Schöne Flanke (wenngleich beim Tor etwas ungenau), aber dafür eine um so schönere präzise und gekonnte Kopfballablage – und Tor. So hatte man ein paar wenige Szenen, und wenn das dann ausreicht, ist es natürlich genauso gewinnbringend.

Auch hier braucht man eigentlich nicht zu erwähnen, dass natürlich auch Turbine ein schönes herausgespieltes Tor gelingen kann, oder Frankfurt eine an sich ungenaue Aktion glücklich ummünzen. Dass aber das Toreschiessen beiden bisher in dieser Saison aber noch nicht so üppig gelang, ist wohl auch kein Zufall gewesen. Beide sind noch auf der Suche nach dem besten Weg, den Abgang ihrer stärksten Stürmerinnen und/oder Vorbereiterinnen am besten zu kompensieren.

Eine Menge Dinge also zu beobachten. Wenn Turbine nicht schlapp macht wie in München stehen aber die Chancen nicht so schlecht gegen ein Frankfurter Team, das in dieser Saison erst noch zeigen muss, dass es vor allem in puncto Aggressivität und Durchsetzungswillen den Abgang aller 3 Leader in dieser Beziehung, Sasic, Boquete und Fishlock auffangen kann.

Bayern München – VfL Wolfsburg
Meistens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Spekulieren wir aber trotzdem auch hier einfach spasseshalber einmal über die möglichen Szenarien. Wie zum Beispiel ein 0:0. Wie letzte Saison zwei mal. Jeder hat Angst vor dem anderen und ist lieber vorsichtig. Wollen wir nicht hoffen, ist aber natürlich schon irgendwo zu befürchten.
Oder Wolfsburg hat das Spiel Bayern – Potsdam gut analysiert. Dann spielen sie wie Turbine vor 2 Wochen ein offensives Pressing gegen die Bayern-Abwehr, haben aber im Vergleich zu Potsdam die besseren Einzel-Spielerinnen, und auch für 90Min Kraft. Das sollte zu einem komfortablen Sieg reichen. (Zumindest wenn sie ihre Chancen ordentlich nutzen, und sich nicht wie Lyon anstellen)
Das wird also der erste interessante Punkt sein. Aber auch Bayern hat gesehen, was gegen Potsdam gelaufen ist. Bzw eben schief gelaufen. Nur – wie reagieren? Das ist hier die Frage. Vom liebgewordenen Risiko-Passspiel trennen? Oder diesmal einfach nur besser machen? Wäre natürlich auch nicht verkehrt, wenn man es denn hinbekommen könnte. Ob sich das aber nicht bald als Irrtum herausstellt?
Wenn aber Wolfsburg die ziemlich aussichtsreiche Variante hohes Pressing nicht wählt, wird es sehr schnell ein Spiel mit 50-50 Chance. Da hat Bayern in der Offensive nämlich ziemlich genau die gleiche Qualität wie Wolfsburg, wenn es darum geht, eine besondere und siegbringende Aktion zu spielen. Und auch die Chance, dass sich infolge eines individuellen Fehlers (einer verunglückten Aktion, eines Ausrutschers, eines Stellungsfehlers) eine Chance ergibt (wie in den beiden Toren im Spiel FFC Frankfurt – Wolfsburg) ist bei Bayern sicherlich nicht grösser. Bayern ist grundsätzlich extrem vorsichtig bis ängstlich und sehr sicherheits-orientiert (interessanterweise ausser beim Spielaufbau aus der Abwehr) die sicherere, weil die vorsichtigere Mannschaft. Sie ist aber nicht die sicherere, wenn man sie energisch angeht. Das hat Wolfsburg letzte Saison in beiden Spielen versäumt, und dafür die Quittung erhalten.
Dass man Bayern unter Druck setzen sollte, gilt dabei sowohl für Ballbesitz Bayern als auch bei eigenem Ballbesitz. Fast nur wenn Wolfsburg die Bayern-Spielerinnen in der Defensive unter Stress bringt, kann man die vorhandenen Defizite erkennen. Da verlassen die Bayern-Spielerinnen sich manchmal sehr stark auf ihre defensive Überzahl und brauchen diese auch. Es wird zum Beispiel der klärende Zweikampf eher nicht resolut gesucht, sondern im Zweifel nach hinten verschoben. Durchaus in Ordnung, wenn dort weiter hinten dann eine personelle Überzahl hergestellt werden kann. Bleibt es aber auch weiter hinten bei einer 1:1 Situation, weil keine weitere Spielerin zu Hilfe kommen konnte, ist das natürlich umso gefährlicher, je dichter man zum eigenen Tor kommt.
Und so ist im defensiven Zweikampfverhalten sowohl insbesondere im Vorbereitungsturnier, aber auch gegen Turbine nicht immer alles gut gegangen. Man merkt z.T. durchaus leichte Probleme mit der Agilität. (Behringer und Abbe zB haben sich, seit sie bei Bayern sind, diesbezüglich zwar gesteigert, sind aber immer noch auszumanövrieren). Daher kommt Leupolz (wenn fit) eine Schlüsselrolle zu. An der vorbeizukommen, ist nämlich im Gegensatz zu einigen anderen sehr schwer, und sie lässt dem Gegner im wichtigen “6er-Raum” vor dem Abwehrzentrum wenig Entfaltungsspielraum und vor allem in der Regel wenig Zeit. (Wenig Zeit, weil sie in der Regel nichts nach hinten verschiebt oder verzögert, sondern den Gegner sofort stört, sobald sie in “Schlagdistanz” ist; übrigens hier zu weitreichend, sicher einmal in einem anderen Post, warum Leupolz – in dieser Beziehung – die wohl beste 6er-Spielerin in der Welt ist, und in welcher Beziehung sie noch klares Zu-Entwicklungspotential besitzt) Das führt aber eigentlich nur wieder zur gleichen Schlusskonsequenz. Wenn man Bayern defensiv wenig oder nicht energisch genug, also mit numerisch zu wenigen Spielerinnen oder mit nicht genügend Bewegung im Spiel, wird in erster Linie Leupolz die meisten Löcher zulaufen können. Wenn man Bayern genug stresst und damit genug Löcher aufbekommt, kann die nämlich nicht überall gleichzeitig helfen und wird irgendwann müde.
Aber das ist alles nur Spekulation und Spielerei. Und nach dem Spiel wird man wohl erklären müssen, warum alles doch ganz anders kam. Denn die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz. Und da ist es natürlich die Aufgabe des Teams zügig zu erkennen, wenn irgendwelche der zentralen hier angesprochenen Punkte für eine der Mannschaften nicht so laufen, wie sie sollten – und dann durch taktische oder personelle Änderungen für Besserung zu sorgen. Sollte nicht wieder ein Vorsichts-0:0 angepeilt werden, bei dem sich 90Min lang wenig ändert, kann auch diese Anpassungsfähigkeit zum entscheidenden Faktor werden.

SC Freiburg – 1.FC Köln
Für Freiburg gegen Hoffenheim kein Tor – in Potsdam kein Tor. Natürlich schaut man zunächst, dass die Defensive steht. Aber besonders bei den teilweise namhaften Neuzugängen im Offensivbereich, muss nun spätestens daheim gegen Köln der Knoten platzen – wann sonst? Köln ist allerdings auch gerade defensiv in Schwung gekommen. Nur 2 Gegentore gegen Bayern nach den 6 in Bremen. Da muss man hart arbeiten, für jedes Tor. Und Köln wird schauen, wo man sich seine Punkte herkrallen kann. Nach der Enttäuschung von Bremen baucht man die Dinger mehr denn je. Sicher auch ein interessantes Spiel.

USV Jena – Werder Bremen
Und auch das wird plötzlich ein Spiel, Bremen sei Dank, bei dem man ebenfalls gespannt auf das Ergebnis wartet. Weil Bremen sich bisher viel stärker zeigt, als letztes Jahr Aufsteiger Herford. Jena ist noch dabei, sich einzupendeln. Nach 8 Gegentoren zuletzt dann 0. Eine gute Reaktion. Aber in diesem Spiel sollte vorne der erste Saisontreffer gelingen, sonst wird es von Beginn an eng. Und da kommt mit Bremen ein Gegner, der gerade bewiesen hat, dass man selbst Wolfsburg das Toreschiessen schwer machen kann.

Bayer Leverkusen – SGS Essen
Und da kommt schon das nächste Spiel, in dem Leverkusen unter besonderer Beobachtung steht. Auch wenn man bei Essen nie weiss. Irgendwann, am besten möglichst bald, sollte Leverkusen anfangen, in solch einem Spiel den ersten Sieg einzufahren, um nicht gegen Bremen und Köln in zwei “Schicksalspiele” gehen zu müssen. Und bei Essen wartet man weiter gespannt, was passiert. Die Spielerinnen sind eigentlich zu gut, um nicht Fünfter zu werden. Aber die Organisation gelingt nur sporadisch, so dass immer wieder komische und überraschende Leistungen eingeflochten werden.

SC Sand – 1899 Hoffenheim
Und auch wenn man dieses letzte Spiel liest, ist man traurig, dass nicht mehr gezeigt bekommt von den anderen Spielen bei dfb.tv. Wird wieder viel ABklatschen nach Spielende zu sehen sein? Dabei ist auch das sicher ein hochinteresantes Duell. Gerade hat Hoffenheim gegen Frankfurt von neuem bewiesen, dass es eine glänzende Raumaufteilung bieten kann. Nun würde man sehr gerne sehen, ob Sand damit besser zurecht kommt, oder wie man dort darauf reagieren kann. Und wie Hoffenheim gegen einen Gegner nach vorne agieren kann, gegen den man mit einer 0:1 Niederlage sicher nicht zufrieden sein kann. Auch hier fehlt ja noch das erste Saisontor. Das gelang Sand sehr früh in der Saison, und gleich auch noch vierfach, aber dafür nichts in Essen. Bei welcher Ausbeute pendelt man sich nun ein?

 

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