AFBL Frauen Fussball Bundesliga 3.Spieltag Nachbetrachtung

Erstmals sechs offene Spiele.
Das war der erste Spieltag, an dem es kein "vorentschiedenes" Duell gross gegen klein gab; und er hielt in Sachen knapper Ergebnisse, was er versprach. Nicht ganz vielleicht, weil man ein wenig ins Grübeln kommt, dass es eventuell doch bald auch wieder darauf hinauszulaufen droht, dass ein "Hinterbänkler" selbst im Duell mit Mittelfeldmannschaften nur geringe Chancen hat? Es wäre bedauerlich, aber diese Art des Kölner six-pack entspricht nicht dem, was der Sportler normalerweise mit seinem Training anstrebt. Daumen drücken, dass Köln sich möglichst schnell anpasst ist angesagt, zumindest stimmte doch beim Heimspiel gegen Bayern München einiges optimistisch. Weil es doch einen grossen Unterschied im Spannungsbogen macht, wenn man bei vielen Spielen nicht nur schauen darf, ob der Aussenseiter vielleicht irgendwie zu einem Unentschieden kommt. Die beiden Top-Duelle dagegen waren knapp – zumindest was das Ergebnis anbelangt. Wobei man beim 1:0 Sieg der Bayern durchaus von etwas Glück reden kann, war das 1:0 von Frankfurt vielleicht eher glücklich für Potsdam. Zumindest hat Lisa Schmitz es geschafft, dass es einmal wieder positive Schlagzeilen über eine Turbine-Torhüterin gegeben hat. Immerhin hoffentlich vielleicht ein Anfang.

Die TV-Spiele

Eingehende Analyse zu Bayern Müchen – VfL Wolfsburg

Eingehende Analyse zu 1.FFC Frankfurt – Turbine Potsdam

2 TV-Spiele aus der Bundesliga an einem Wochenende. Jetzt geht's los. An dem Wochenende kam der Frauenfussball-Fan ja richtig in Stress.

Und dabei war es anderenorts ja sicher auch noch interessant. Und die Qualität der Darbietungen war jedenfalls gut genug, um die Frage zu stellen, warum die Frauenbundesliga nicht öfter ihr ansehnliches Angebot einem grösseren Publikum zugänglich macht, sondern stattdessen im Gegenteil die informativen Berichte, die etwa Essen und Potsdam früher von ihren Spielen angeboten haben, nunmehr verbietet? Oder hat da der neue Hauptsponsor einen Strich durch die Rechnung gemacht, weil er da keine Werbung plazieren konnte? Hätte man ja vielleicht auch da einblenden können.
Die beiden übertragenen Spiele jedenfalls, konnten sich mehr als sehen lassen, und die Phase, die noch gar nicht so lange her sind, in denen die "Top-Spiele" reihenweise tödlich langweilige Angelegenheiten waren, weil niemand sich im wahrsten Sinn des Wortes aus der Deckung traute, scheinen zum Glück vorbei zu sein. Da hat man zum Beispiel die beiden müden "Nur nicht verlieren" 0:0 von Bayern gegen Wolfsburg letzte Saison, aber ganz besonders das 0:0 zwischen Frankfurt und Wolfsburg aus der vorletzten Saison noch ganz schmerzhaft in Erinnerung. Aber es wurde ja schon besser. Allerdings war auch das 5:1 letzte Saison zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam zwar immerhin torreich, aber leider trotzdem doch nicht sehr prickelnd. Diesmal waren beide Spiele zum Ende hin von der Spannung geprägt, ob da doch noch etwas geht. Für Potsdam, weil Frankfurt es versäumte hatte trotz mehrerer guter Chancen und Versuche mehr als nur einmal zu treffen, und bei Frankfurt zum Ende hin nicht nur bei schwach ausgespielten Konterchancen die Kräfte deutlich nachzulassen schienen. Für Wolfsburg, weil Bayern zwar nicht nachliess, defensiv solide zu stehen, aber das Spiel sich immer mehr Richtung Bayern Tor verlagerte, und Bayern viel zu wenig Entlastung für die Abwehr schaffte. In beiden Fällen gelang kein Ausgleichstreffer mehr, wie man heute weiss, aber es gab in beiden Spielen hochklassigen Fussballsport zu sehen. Allerdingsstimmte die angenommene und in der letzten Saison ja auch schon in der Abschlusstabelle etablierte Rangfolge. Es gab nämlich einen klaren Vorsprung für das Spiel Bayern München gegen VfL Wolfsburg, da dieses Spiel deutlich hochklassiger und intensiver war. Dass die geringere Intensität in Frankfurt eher an Turbine lag, kann man allerdings Frankfurt nicht ankreiden. Dabei hatte gerade Turbine 2 Wochen vorher bei den Bayern aus München doch gezeigt, dass man durch intensives Bearbeiten des Gegners das eine oder andere spielerische Defizit immer noch ausgleichen kann, auch wenn man vielleicht nicht mehr die gleiche Anzahl von Weltklassespielerinnen aufbieten kann, wie die Konkurrenz. Da geht es nach bereits 2 Niederlagen in den Top-Spielen jetzt erst einmal darum, überhaupt den Anschluss nicht zu verlieren. Weitere Punktverluste gegen die "Kleinen" sind erst einmal verboten. Ein Blick auf die Top-Spiel Bilanz 2014-2015 ist auch ganz aufschlussreich:

Top-Spiele Frauen Bundesliga 2014/2015

Verein g. u. v. Pkte
1. Bayern München 3 3 0 12
2. VfL Wolfsburg 2 3 1 9
3. Turbine Potsdam 2 0 4 6
4. 1.FFC Frankfurt 1 2 3 5

 

 

 

 

Daraus kann nun sicher jeder die berechtigte Hoffnung ziehen, dass ja schliesslich damit noch nichts verloren ist. Aber Bayern München steht mit bereits 2 Siegen in 2 Top-Spielen natürlich erst einmal super da. Mehr als die 2 Siege – die Bayern jetzt schon nach 2 Spielen hat – schaffte letzte Saison kein anderer Verein in 6 Spielen. Und der 1.FFC Frankfurt braucht "nur" noch 2 Unentschieden? Naja, man will ja schliesslich hoffentlich versuchen, besser abzuschliessen als letzte Saison. Und da waren trotz makelloser! Bilanz gegen die Kleinen am Ende eben die 3 Niederlagen zuviel. Dazu muss Frankfurt muss sich allerdings sicher etwas einfallen lassen, um seine Torausbeute zu erhöhen. 4 Tore in 3 Spielen sind auf Dauer sicher etwas zu mager.
Allerdings war gegen Potsdam doch eine Steigerung im Angriffsspiel gegenüber dem Spiel in Hoffenheim zu erkennen, zumindest, was die Anzahl der erspielten Torchancen anging. Und dass Islacker nicht nur Strafraumgespenst bleiben muss, sondern neuerdings auch Anspielstation kann, stimmt da hoffnungsfroh.
Und auch hier stimmt natürlich die alte chinesische Fussballweisheit: Immer noch besser, sich Chancen wenigstens erarbeiten zu können, und sie dann zu versieben, als erst gar keine herauszuarbeiten. Bei der Top-Konkurrenz mangelte es in diesen beiden Spielen sichtlich noch stärker bereits beim Herausarbeiten derselben, auch wenn das in München sicher auch insgesamt schwerer zu bewerkstelligen war.

Gedankengänge
Wer nachrechnet, dem fällt auf, das damit nach dem dritten Spieltag die Hälfte aller Top-Spiele in der Vorrunde bereits gespielt sind. Schön natürlich, dass die TSG Hoffenheim zeigen konnte, dass es in den Duellen "Klein gegen Gross" weiterhin nicht nur Langeweile gibt, sondern mitunter spannend werden kann. Trotzdem zeigt natürlich nicht nur das Medieninteresse und die Tatsache, dass hier 2 Spiele live zu sehen waren, dass die Top-Spiele eben doch "das Salz in der Suppe zum Kaffee" sind, wie es ein Reporter des HR einmal bei einer live-Übertragung so nett und treffend zu formulieren verstand. Mehr Top-Spiele würden also zusätzliches Medieninteresse mit sich bringen. Und auch die Anhänger der deutschen Nationalmannschaft würden sich freuen, wenn die Nationalspielerinnen im Laufe der Saison öfter auf Gegner treffen, in denen sie auf Top-Niveau gefordert werden, und dadurch ihre Fähigkeiten auf diesem Niveau weiterentwickeln können. Das wurde ja auch bereits bei der WM bereits analysiert, dass in Zukunft eine weitere Verbesserung der individuellen Fähigkeiten nötig sein wird, um an der Spitze mitzuhalten. Und zwar insbesondere auch, was die balltechnischen Fähigkeiten und auch die Fähigkeit zum Finden der richtigen Entscheidungen in Situationen unter Gegnerdruck anbelangt. Und das würde natürlich auch in Länderspielen zB gegen Frankreich und die USA eher weiterhelfen, als die Fähigkeit, gegen individuell unterlegene Gegnerinnen genug Druck zu erzeugen, wie in den Spielen "Gross gegen Klein" in der Bundesliga.
Wenn ich das auf die schnelle richtig gerechnet habe, gab es in der gesamten Saison 14/15: nur 12 Top-Spiele. gegenüber 64 Spielen "Gross-Klein". Die wenig prickelnde Bilanz aus Sicht von "Klein": 64 Spiele, dabei: 0 Siege – 6 Unentschieden – 58 Niederlagen Dass das keiner Liga sonderlich gut, dürfte offensichtlich sein. Wenn aber mehr Top-Spiele mehr Medieninteresse, und eine Steigerung des Spielniveaus versprechen, sollte man das vielleicht einfach ins Auge fassen.

Die Tabellensituation
Und auch nach dem dritten Spieltag ist natürlich noch ein weiter Weg zu gehen, in dem noch viel passieren und sich ändern wird. Als Momentaufnahme nähert man sich aber derzeit doch den erwarteten Stärkeverhältnissen in etwa an. Die "Grossen 4" in denen Turbine um den Anschluss bemüht sein muss, während Bayern München durchaus nicht ganz einfach von der Spitze zu verdrängen sein wird. Das erwartete Mittelfeld, von dem Essen und Hoffenheim bisher wie letztes Jahr den besten Eindruck gemacht haben, der leichte Aderlass bei Jena und Leverkusen, und die Probleme der Aufsteiger. Wobei ja Bremen in Jena erst zum ersten Mal weniger überzeugen konnte. Freiburg hat den erwarteten und benötigten Befreiungsschlag landen können. Nachdem dem südlichsten Club bisher noch kein Tor gelungen war, hat man nun den Schnitt pro Spiel auf 2 erhöhen können. Was doch so eine durhschnittliche Statistik manchmal alles zurechtbiegen kann. Sand ist nach dem fulminaten 4:0 gegen Bayer Leverkusen erst einmal wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, weil auch Hoffenheim seinen ersten Saisontreffer verbuchen konnte. Dass dabei die Torhüterin sehr unglücklich die Hauptrolle spielte, zeigt nur noch mehr, wie knapp es zugeht. Ein entscheidender Fehler, und schon wird es sehr schwer, noch etwas zurechtzubiegen. Das mit dem Zurechtbiegen hat aber Essen geschafft – und zwar sogar nach einem 2-Tore Rückstand. Ein 4:5 sieht man auch nicht alle Tage. 5 Gegentore ausgerechnet auch noch zum Ligadebüt von Abwehrchefin Annike Krahn. Einerseits zeigt das ja, dass das Leistungsvermögen teilweise vorhanden ist. Andererseits bedeutet es bereits nach dem dritten Spieltag mit einiger Sicherheit nun zunächst einmal Abstiegskampf. Denn die Hälfte der 20 Punkte Sicherheitszielmarke zum Nichtabstieg – also zunächst einmal die 10 Punkte bis zum Ende der Hinrunde sind nun noch sehr zu schwer erreichen, da man ja gegen alle 4 "Grossen" noch antreten muss.

Der weitere Blickwinkel
Da mausert sich ja die 2.Liga Nord gerade zu einer durchaus interessanten Angelegenheit. Duisburg marschiert weiter, und Vorjahres-Meister Lübars hat Gütersloh die erste Niederlage beigebracht. Immer noch stehen WolfsburgII, PotsdamII, FrankfurtII in der 2.Liga allesamt ohne jeglichen Punktgewinn da. Bemerkenswert überlegenswert, da das in früheren Jahren auch schon einmal ganz anders aussah. Ganz im Gegensatz zu Bayern übrigens, die alle 3 Spiele gewonnen haben (und dabei nur Gaugigl und Walkling vom Erstligakader dabei hatten)
Vor allem aber richtete sich der weite Blick in die USA, wo die Halbfinals der NWSL anstanden. Und sich erwartungsgemaess Seattle Reign um Kim Little und Jess Fishlock gegen Washington Spirit durchsetzte. Ein Spiel das Ali Krieger verpasste, weil die Hochzeit des Vaters unglücklich terminiert worden war – oder das Halbfinale. Das andere Halbfinale zwischen Chicago Red Stars und Vorjahresmeister Kansas City FC hatte man als knappe Angelegenheit erwartet. Aber Julie Johnston, Christen Press und Co. lagen bereits nach kurzer Zeit 0:3 zurück und konnten trotz verzweifeltem Dauerdruck nicht mehr zurückkommen. Auch da hatte die bayerische Ausbildungsabteilung ihren Anteil, Ex-Spielerin Tymrak markierte aus kurzer Distanz und spitzem Winkel das zwischenzeitliche 2:0.
Ebenfalls ein internationales Highlight gab es in Frankreich, wo das Duo PSG/Lyon erstmals seit – wann eigentlich genau? keine Ahnung. letzte Saison jedenfalls nicht – langem Federn lassen musste. PSG kam über ein 0:0 gegen Montpellier um Sofia Jakobsson nicht hinaus. Demnächst nach der Länderspielpause steht dann der erste Gipfelknaller zwischen Olympique Lyon und Paris Saint Germain an.  

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