AFBL Frauen Fussball Bundesliga Vorschau 4.Spieltag

Die Spieltagsvorschau:

Stimmung: Lauwarm?
3 Spieltage sind vorüber. Die Hälfte der Top-Spiele der Vorrunde auch schon. Und nach 3 Wochen Pause muss man erst einmal wieder die Kurve bekommen.
Vor allem deshalb erschwert, weil nach den 6 interessanten, weil offenen Spielen vom letzten Spieltag diesmal viele "Langweiler" auf dem Programm stehen. Mit Ausnahme von Hoffenheim – Leverkusen vielleicht. Nicht nur die Spiele "Gross gegen Klein" liefern den üblichen begrenzten Spannungsbogen, sondern selbst bei Essen – Jena steht eigentlich fast schon fest, dass Jena nur begrenzte Aussichten hat. Oder? Nein, natürlich nicht. Es ist Fussball – und da weiss man nie. Aber so prickelnd der letzte Spieltag war – dieser hier ist einfach deutlich lauer.
Wäre schön, wenn man sich da Gedanken dazu macht.
 

VfL Wolfsburg – SC Freiburg
Das vorgezogene Fernsehspiel. Leider war dieses Spiel letztes Jahr eine ziemliche Schlaftablette zur Saisoneröffnung. Es endete 3:0 und war bereits mit dem ersten Wolfsburger Treffer de facto entschieden, also nach 29 Minuten. Wird das diesmal auch so? Vieles spricht wohl dafür. Das mit dem nach dem 1:0 entschieden, natürlich. Nicht unbedingt, dass es wieder die 29. Min wird. Wolfsburg, bei dem man sich diesbezüglich an den Stil des 1.FFC Frankfurt in dessen finanzstärksten Zeiten erinnert, hat sich zwischenzeitlich mit jeder Menge internationaler Top-Stars eingedeckt. Seit dieser letzten Partie kamen nicht nur mit Dickenmann, Bachmann, Boussaglia internationale Topstars hinzu, nimmt man einmal Pajor oder Wullaert als Top-Spielerinnen ihrer Länder noch gar nicht dazu, weil diese nicht an EM oder WM teilnehmen. Dazu mit Simic und Ogimi Top-Spielerinnen mit Bundesliga-Erfahrung, von denen ja Ogimi im Schnellverfahren, allem Anschein nach weil man von ihrem Nutzfaktor nicht hinreichend überzeugt war,bereits schon wieder ausgemustert wurde. Das geht inzwischen ziemlich fix innerhalb eines guten Jahres.Und birgt natürlich oft die Gefahr, dass die Entwicklung einer Mannschaft sich dabei nicht einfach gestaltet.
Aber in Freiburg geht es fast noch fixer. Da steht im Vergleich zum Team von vor allerdings anderthalb Jahren immerhin noch Benkarth im Tor. Und ausserdem … nicht allzu viele? Da war das Kommen und Gehen so intensiv, dass so mancher manche Zugänge leider vielleicht fast schon wieder vergessen hat. Vielleicht sollte man ja als Spielerin in der Frauen Bundesliga besser eine gewisse räumliche Flexibilität mitbringen. (Auch wenn es bei Freiburg da schon noch "Oldie" Maier gibt, Starke, Hegenauer und die Verletzten gibt, aber vielleicht weiss ja zufällig ein Leser, warum genau Fellhauer nach so langer Zeit noch nicht wieder ins Geschehen eingreifen kann, und wäre so freundlich, das zu schreiben; und um U20 Weltmeisterin Wilde, die man in Bremen inzwischen sicher gut gebrauchen könnte, ist es leider auch sehr still geworden) Der SC Freiburg scheint damit zumindest nach den Top4 als einziger Verein in der Lage und auch Willens, solche Transfers und dazu sogar in Massen stemmen zu können. Dafür fiel allerdings leider der sportliche Erfolg (noch) nicht entsprechend aus, denn da sind zuletzt eher andere auf dem Weg gewesen, sich als "best of the rest" nach den Top4 zu etablieren.
Das hier soll ja aber eine Spielvorschau sein, und keine Bewertung der Einkaufsstrategie. Und daher freut man sich natürlich bei Freiburg erst einmal darauf, die Spielweise unter dem einzigen "Neu-Trainer" in der Bundesliga in dieser Saison (wenn man die Aufsteiger nicht mit dazunimmt – und Sand hatte den Neutrainer ja eigentlich auch nicht geplant) das erste Mal begutachten zu können. Der SC Freiburg hatte ja schon in Potsdam ein Auswärtsspiel bei einem Top-Team. Da scheint es wohl sehr vorsichtig zugegangen zu sein, was die Freiburger Taktik anbelangt. Wobei man neben den starken Kayikci und Starke ja mit Wagner und Magull noch zwei namhafte Zugänge aus der Bundesliga, interessanterweise vom Spieltagsgegner Wolfsburg zu verzeichnen hatte, mit Petermann sogar eine WM-Teilnehmerin aufzubieten hat, mit Puntigam und Zehnder Nationalspielerinnen aus den aufsteigenden Nachbarländern Schweiz und Österreich, um noch gar nicht alle "Namen" zu nennen. Mal schauen also, ob und wo da bei Freiburg immer noch der Wurm drin steckt. Vielleicht hört man aber nach Spielende auch wieder: Wir waren nicht aggressiv genug und die Abstände haben nicht gestimmt.

Und so gespannt man auf das "neue" Freiburg ist, so sicher weiss man, was man von Wolfsburg erwarten kann. Ein mit Top-Kräften gespicktes Team, das auf Grund dieser individuellen Spieler-Klasse früher oder später zum Erfolg kommen muss. Weil man ansonsten Probleme hat, wie auch wieder in München wunderbar zu beobachten war, in einer gemeinschaftlich koordinierten Teamanstrengung gegnerische Abwehrreihen auszumanövrieren. Als Topspielerin neigt man eben naturgemaess doch dazu, sich auf seine Klasse zu verlassen und das zuerst einmal auf eigene Faust zu versuchen. Dass dabei der SC Freiburg in seinen ganzen Zukaufaktionen typischerweise eher auf die namhafteren Offensivkräfte gesetzt hat, und die Abwehr dabei etwas weniger Beachtung fand, sollte Wolfsburg in die Karten spielen. Und es wird für Benkarth vielleicht eine der ganz seltenen Chancen sein, sich vor einem breiten Publikum für höhere Aufgaben zu empfehlen.
Alles andere als ein Spiel, dass sich einzig um die Frage dreht "Wie lange hält Freiburg das 0:0" wäre schon eine faustdicke Überraschung.

Turbine Potsdam – SC Sand
Da haben wir also doch tatsächlich ein eigentlich "langweiliges" Spiel "Gross gegen Klein", das trotzdem ein wenig Kribbeln im Bauch produziert. Erstens, weil Sand aktuell in der Tabelle vor Turbine rangiert, es somit also weit mehr als normal zu einem "must win" Spiel für Potsdam geworden ist, zum anderen weil Turbines Leistung sehr durchwachsen und vor allem schwankend war. Und der SC Sand hat zumindest in den ersten beiden Spielen angedeutet, dass man heuer besser aufgestellt ist, als letzte Saison.
Da aber Turbine seit einiger Zeit immerhin schwankend spielt, zwar selten zweimal gut, aber auch selten zweimal so zahnlos wie in Frankfurt hintereinander, sollte man ähnlich wie im Heimspiel gegen Freiburg irgendwann in der Lage sein, den Ball irgendwie ins gegnerische Tor "hineingepresst" zu bekommen. Und während das Oberthema "Torhüterin" bei Turbine Potsdam durch die tolle Leistung von Schmitz das erste Mal seit Monaten für positive Schlagzeilen sorgte, muss man sich umgekehrt bei Sand klar sein, dass man inzwischen im der Bundesliga für solche Fehler wie im letzten Spiel meist umgehend und eiskalt die Quittung serviert bekommt. Krasse individuelle Fehler machen ist mit Sicherheit verboten, wenn Sand etwas holen will. Und eine einwandfreie Torhüterleistung wäre überdies wohl wichtig und wertvoll.

1.FC Köln – 1.FFC Frankfurt
Hm, sagt man sich. Klare Sache. Frankfurt, letzte Saison die einzige Mannschaft, die gar keinen einzigen Punkt gegen einen "Kleinen" abgegeben hat. Und Köln, derzeit sogar wohl Abstiegskandidat Nummer 1. Nun bekanntlich sind das trotzdem immer so die Sachen im Fussball, wenn einer so gar nichts zu verlieren hat. Das könnte Köln ein wenig Hoffnung machen, Ausserdem sicher der keineswegs sehr souveräne Auftritt der Frankfurterinnen bei ihrem letzten Auswärtsspiel in Hoffenheim. Und natürlich nicht zu vergessen das Kölner 0:2 gegen München im letzten Heimspiel, das gezeigt hat, dass man so furchtbar weit entfernt von Erstliganiveau wie vielleicht zum Teil in Bremen oder Freiburg nicht unbedingt immer auftreten muss. Trotzdem dürfte das kein Problem für Frankfurt sein, wenn man von vorneherein mit dem nötigen Engagement an die Aufgabe geht. Das sollte man allerdings schon tun, da man in allen bisherigen Spielen einige Probleme mit der Chancenauswertung offenbart hat, die in diesem Ausmass sicher auch schnell einmal problematisch werden kann. Umsomehr muss man es bedauern, dass mit Garefrekes ausgerechnet die Spielerin, die ein "zurücknehmen" der Laufleistung nicht kennt, und daher in dieser Hinsicht ein absolut unersetzlicher Faktor ist, bald die Schuhe an den Nagel hängen will. Sicher nicht zuletzt wegen ihr sollte sich Frankfurt trotzdem die Butter nicht vom Brot nehmen lassen.

1899 Hoffenheim – Bayer Leverkusen
Das einzige spannende Spiel? Drei Fragezeichen: 1. Wird keines der anderen doch auch spannend? 2. Kann Hoffenheim seine Rolle als vordere Mittelfeldmannschaft untermauern und auch Leverkusen abhängen? 3. Bleibt Leverkusens Defensive weiterhin löchrig? Sonst bleibt das vielleicht schon spannend. Insbesondere für Leverkusen, das noch alle vier Topmannschaften in der Vorrunde spielen muss, und daher immer weniger Möglichkeiten, genug Punkte zwischen sich und die Abstiegszone zu legen. Von daher hat dieses Spiel für Leverkusen zum jetzigen Zeitpunkt einen ganz anderen Stellenwert und das sollte man merken. Und obwohl es am Ende doch deprimierend ausging kann man natürlich aus dem 4:5 gegen Essen eine Menge positiver Ansätze mitnehmen. Auch die ersten Torerfolge in einer Saison sind oft bei einigen Spielerinnen eine Art Knotenlöser. Schön, dass es den gleich vierfach gab, aber es ist natürlich noch kein Garant, dass es so weitergeht. Insbesondere gegen eine normalerweise sehr stabile, weil oft sehr geschlossene Defensive von Hoffenheim. Die hat aber auch immer wieder Aussetzer, und man muss immer noch abwarten, wie stabil das in Hoffenheim mit dem Toreschiessen klappt. Deshalb könnte das schon ein spannendes Spiel werden.

Werder Bremen – Bayern München
Und auch das kann man drehen und wenden wie man will. So richtig Spannung kommt da beim Lesen dieser Paarung nicht auf. Da mag Bayern sich selber wieder noch so sehr gegen das eigene Schienbein treten, indem man den Gegner stärker und die eigene Mannschaft schwächer redet, irgendwann wird Bremen eine Lücke aufmachen. Und Bayern muss da sein. Da hat man allerdings in Köln schon nicht sehr souverän ausgesehen, und hat ja auch mit Wolfsburg das gemeinsame "Spitzensyndrom", dass man sich beim Toreschiessen auf Fehler des Gegners und die individuelle Überlegenheit der Spielerinnen in einer Einzelsituation verlassen muss. Allerdings hat Bremen in Wolfsburg wohl gut verstanden, das mit einer geschlossenen Mannschaft auszugleichen. Aber es spricht eben auch für die "Abgezocktheit" der Bayern, ein Spiel mit einer sehr geringen Anzahl an Chancen im entscheidenden Moment für sich zu entscheiden. Das geht an Tagen ins Auge, wo es einmal dumm läuft. Aber das ausgerechnet in Bremen so ein Tag sein soll, ist schwer vorstellbar.

SGS Essen – USV Jena
Wann hat Essen das letzte Heimspiel gegen Jena gewonnen? Das weiss man natürlich auch als eingefleischter Frauenfussballzuschauer nicht. Am 28.8.2011 gab es einen 1:0 Sieg. Und das war auch schon der einzige Essener Sieg in den letzten 14 Spielen seit 2008, also seit beide in der Bundesliga sind. Ob da Coach Högner nun wohl die abergläubigsten Spielerinnen draussen lässt? Wohl eher nicht. Und wir werden sehen, dass auch solche Serien sich korrigieren lassen. Dazu hat der USV Jena in letzter Zeit einfach zu viel individuelle Qualität verloren, als das sich das noch ausgleichen liesse. Da wird man am Ende vielleicht froh sein, zwei andere Teams hinter sich lassen zu können, wofür man aber mit 4 Punkten aus den letzten beiden Spielen auch schon einiges getan hat. Aber wenn man im letzten Jahr gelernt hat sich bei Essen auf eines zu verlassen, dann ist das, dass man sich auf nichts verlassen sollte. Da scheint die SGS nun ja auch diese Saison weiterzumachen. (Dazu bald ein eigener Post) Von daher vielleicht doch die Situation, diese manchmal magisch wirkende "Angstgegner"-Statistik auszubauen, besonders wenn man sich bei Jena gut angeschaut hat, wie Landeka mit ihren Kroatinnen der deutschen Mannschaft das Leben schwer machen konnte. Da hat Jena dann trotz Aderlass doch immer noch die grössere individuelle Qualität.

 

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