Bayern München – SC Sand 2:0 (2:0)

Vorgeschichte:

Erster gegen Dritter sagt eigentlich diesmal nicht genug. Erster ist klar. Bayern München souverän mit 6 Punkten Vorsprung. Nicht immer so souverän in der Leistung zwar, wie insbesondere das schmerzliche Aus in der CL zeigte, aber eben durch die Defensive in der Lage ein 1:0 ziemlich konsequent über die Zeit zu bringen. Und das war bisher weit besser als alle Konkurrenten. Die Mannschaft, bei der Dritter dagegen nicht alles sagt ist der SC Sand. Letztes Jahr erst am letzten Spieltag durch einen Auswärtssieg dem Abstieg entronnen, dazu von Turbine 3 namhafte Spielerinnen weggeschnappt. Wieso also plötzlich nach einem Drittel der Saison Dritter. Wieso die Siege in Potsdam und in Wolfsburg. Der Klärungsbedarf war gross.

Headline: Leider zu früh entschieden

"Chancenauswertung. Ein schöner Schwerpunkt. Und das nicht nur für die Nationalelf. Chancen zu nutzen gilt es nämlich nicht nur auf dem Platz".
Schon wieder ein Satz, den man gerade so vom letzten Spieltag übernehmen kann. Diesmal waren aber die Chancen auf dem Platz die entscheidenden. Und da sah man den Hauptunterschied. Aber im wesentlichen sogar nur da. Da summierten sich die Unterschiede.

Hier die Top-Truppe, wo es gestandene Nationalspielerinnen und WM-Teilnehmerinnen nicht einmal in den Kader schaffen. (Manieri spielte in der zweiten Mannschaft) Da der Kleine, der sich Nationalspielerinnen in der Regel nur leisten kann, die aus Mannschaften ohne WM-Chance kommen, und denen daher einfach (noch?) die allerletzte Konsequenz und Entschlossenheit in den entscheidenden Szenen fehlt. Und dazu der andere Punkt, dass die einen wissen, es zählt jeder Punkt in Richtung Meisterschaft, während die Kleinen es doch eher (noch?) als Momentaufnahme sehen, in CL-Nähe zu sein, und es vermeintlich um wesentlich weniger geht, ob man nun 5. oder 6. wird. Und das war es im wesentlichen.

Nach wenigen Minuten bereits der zweite hohe Ball in den Strafraum, den Lewandowski einfach entschlossener attackiert, als ihn die Sandfrauchen verteidigen, die mit dem Sandmännchen zunächst die Bettschwere gemein zu haben schienen, dabei auch in Halbzeit 2 mit Sekundenschlaf starteten. Dazu ungeschickte und unnötige Freistösse im Mittelfeld hergegeben, die ziemlich genau vom gleichen Fleck auch schon Wolfsburg zum Verhängnis wurden, obwohl von dort normalerweise einfach zu verteidigen. Dazu der Wind, der den Ball auch schwer berechenbar weiter treibt, als es zunächst aussieht. Und dann eine auch eher ungeschickte Abwehraktion, die sicher nicht aus jedem Blickwinkel elfmeterwürdig ausgesehen hätte, die man aber trotzdem so im Strafraum eben deshalb auch nicht machen darf, und umgekehrt das routinierte Ausnützen derselben. Und das war es im wesentlichen.

Und man weiss, dass Bayern sich auch gegen nominell stärkere Konkurrenz selbst einen halb so grossen Vorsprung kaum mehr nehmen lässt. Und es ist auch verständlich, dass man danach kein Offensivfeuerwerk mehr abzubrennen versucht. Sand hat dabei ähnlich geschockt reagiert, wie Chelsea London am Mittwoch nach dem Rückstand gegen den VfL Wolfsburg. Beide wussten, dass es damit zu 90% schon vorbei ist. Nicht einfach, dann umzuschalten auf den "Dann machen wir wenigstens noch ein ordentliches Spiel" – Modus. Vielleicht hat auch die Windunterstützung eine starke Rolle gespielt, gegen den sicher mit mehr Kraft einfacher anzuspielen ist. Von Sand jedenfalls war in der ersten Halbzeit in der Bayern-Hälfte kaum etwas zu sehen. Nach der Halbzeit, man weiss nicht ob hauptsächlich durch den starken Wind oder ein Mind-Reset bei Sand, hatten gefühlt beide ähnlich viel Ballbesitz. Aber Sand kam wie bereits Wolfsburg und Frankfurt auch nur sehr vereinzelt zu Torchancen gegen eine kompakte Bayern-Defensive, die das Spiel dadurch kontrollierte, dass sie weitgehend sicher gegnerische Bemühungen vom Strafraum fernhielt, ohne selber durch lange Ballbesitzphasen besonders dominant die Partie zu kontrollieren.

Taktisches

Bayern München - SC Sand
taktische Aufstellung
Bayern spielte vom System her – hm. Man könnte es in Halbzeit eins tatsächlich 3er Kette statt 5er Kette nennen. Aber sagen wir trotzdem wie gehabt Lewandowski – Schnaderbeck – Holstad – Abbe – Maier. Die Doppel-6. Behringer und Leupolz, auch Behringer wieder mit grossem Aktionsradius. Und die vorne brauchten zunächst wenig nach hinten mitarbeiten: Evans, Miedema und Däbritz. Sand mit der theoretischen 4er Kette Savin – Zirnstein – Igwe – Sandvej. 3er Ketten-Enthusiasten hätten festgestellt, dass man da aber flexibler auf 3er umgeschaltet hat, als manche 3er Kette es kann. Savin rückte rechts oft sehr schnell mit auf, wenn hinter ihr nichts zu tun war, so dass hinten oft nur 3 blieben. Im Mittelfeld rechts Migliazza, dann van Bonn, Skorvankova und Vojtekova. Flexibel nach vorne stossend Damnjanovic und meist in der Tiefe Brunner. Und man sah schon, warum es anderen nicht so einfach fällt, gegen Sand zu Toren zu kommen, wenn die nicht im Strafraum fehlende Cleverness an den Tag legen. Das verschieben passte, selten entstanden Lücken, da griff meist ein Rad ins andere, und die Spielerinnen waren entweder athletisch fast gleichwertig oder clever und aktiv in den Zweikämpfen. Und vor allem war man so gut organisiert, dass meist, wenn eine überspielt war, die nächste sofort zur Stelle war. Niemand ragte heraus, niemand fiel ab, das war eine überdurchschnittlich gute Kollektiv-Leistung. Dadurch konnte man Bayern weitgehend bereits vor der torgefährlichen Zone aufhalten.
Bayern machte aber wenigstens das, was man derzeit kann. Die aussen wurden nach vorne nicht nur in einzelnen Vorstössen aktiv, sondern insbesondere Maier kurbelte als echte Mittelfeldspielerin das Spiel immer wieder an. Leupolz sowieso, aber auch Behringer wie zuletzt schon daheim gegen Frankfurt, wo sie nicht umsonst bei einen schnellen Angriff am gegnerischen 16m Raum abschloss, rückten sehr aktiv nach und unterstützten den Angriff, so dass da wirklich zeitweise 7 Spielerinnen beteiligt waren. Sogar Abbe, und auch das war gegen Frankfurt in Spiel 2 schon auffällig, rückte vereinzelt mit bis fast zum gegnerischen Strafraum vor – eigentlich fast übertrieben?

Die Tore:
Waren taktisch gesehen letztlich wieder 2 Standards und hauptsächlich der verbesserungsfähigen Defensivleistung von Sand geschuldet. Ein wenig positiv kann aber doch notiert werden dass eine Defensivspielerin die "Vorarbeit" zum Elfmeter leistete und eine Bewegung in die Schnittstelle der Abwehr Sand zum Verhängnis wurde.

Fazit und Ausblick

Sind die Bayern schon Meister, kann man fragen. Eine Saison ist lang, und es kann viel passieren – einen 5er fürs Phrasenschwein. Aber manchmal passt es eben auch. Wenn man allerdings auf dem derzeitigen Stand weiter durch die Saison geht, gibt das erstmals seit langem wieder einen Meister mit 10 oder mehr Punkten Vorsprung. Kunstück: Wer nach einem Drittel 6 Punkte Vorsprung erarbeitet hat, hat am Ende 18, wenn alles so weiterläuft. Aktuell spricht nicht viel dafür, dass wohl am ehesten der VfL Wolfsburg näher kommen könnte. Im Gegenteil. Bayern steht defensiv zur Zeit stabiler. Bayern hat keine CL-Belastung mehr. Die langfristige Entwicklung bei Wolfsburg zeigt eher seit einigen Jahren wenig Positivtrend, während die von Bayern zwar auch nicht steil aufwärts geht, aber stabil verläuft. Bayern bekommt noch Lotzen und "Stareinkauf" Boquete als zusätzliche Alternativen, während Wolfsburg "Stareinkauf" Bachmann gleichsam schon, was soll man sagen – man hat das As im Ärmel schon gespielt, aber damit (noch?) nicht den erwarteten Stich machen können. Hoffen wir auf eine Langzeitwirkung.
Andererseits sind bei Bayern München seit dem CL-Aus die Entwicklungen zur Lösung des Problems, wie man denn Spiele wie gegen Twente und Jena verhindern kann, auch noch nicht viel vorangekommen. Dazu passen wunderbar die Statements der Spielerinnen nach dem Spiel. Nicht toll gespielt, aber Hautsache die 3 Punkte. Da könnten die Medienberater der grossen Clubs sich doch inzwischen wirklich einmal etwas Neues dafür einfallen lassen. Es wirkt manchmal wie ein Sprung in der CD. Und wird oft am besten übersetzt zu: Weiterentwickelt haben wir leider nichts, aber das nötige Glück gehabt. Was man nämlich auch bei Bayern früher oder später brauchen wird, wäre eine Offensivspiel in den und im gegnerischen Verteidigungsdrittel, das auch gegen kompakte Abwehrreihen Chancen produzieren kann. Die Lösungen dazu liegen logisch nicht allzu versteckt auf der Hand. Aber es wird spannend sein zu beobachten, wann die ersten Ansätze cleverer Trainer, sich in diesem wesentlichen Bereich weiterzuentwickeln, konsequent ausgebaut werden. Solange wird man vielleicht weiter mit verschiedenen Spielerinnen herummanövrieren in der Hoffnung, zufällig einmal auf die Lösung zu stossen. Und es bleibt auch abzuwarten, wann die Konkurrenz clever genug reagieren wird.
Deshalb war es auch für die ayern bedauerlich, dass das Spiel zu früh entschieden war. Weil es Bayern in der Entwicklung auch nicht weiterbringt. Dazu benötigen sie Spiele, die bis tief in Halbzeit 2 noch Unentschieden stehen, und verstärkte Offensivbemühungen unumgänglich machen. Warum dazu auch die "Kleinen" bisher nicht regelmaessig in der Lage sind ist logisch auch nicht nachzuvollziehen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Der SC Sand wird natürlich weiter offiziell nicht absteigen wollen. Inoffiziell ist die Frage, wie ernst man insgeheim irgendwann Platz 2 verfolgen könnte, ohne sich Enttäuschungspotential aufzubauen, wenn man dann doch zurückfallen sollte. Ein wir probieren es einfach so lange es geht, wäre vielleicht angebracht. Sehr Schade dabei für einige der anderen – aber die haben ja sicher das Videomaterial – dass man Sand nicht öfter zu Gesicht bekommt. Einfach anschauen und organisatorisch vieles von dem nachmachen, auch wenn man von den Beobachtungen bei einem schnell entschiedenen Spiel natürlich Abstriche machen muss, und da erst einmal noch andere Gelegenheiten abwarten muss. Unter den verbleibenden Spielen wäre natürlich insbesondere das Duell gegen den 1.FFC Frankfurt ein interessantes Duell, dass Aufschlüsse geben kann, warum Sand in Wolfsburg und Potsdam gewonnen hat, und wie weit vorne mit Sand gerechnet werden kann.

Auch nach den beiden Toren bekam man zwar noch hier und da den Eindruck, dass die fehlende Konsequenz und Cleverness im eigenen Strafraum eigentlich noch öfter insbesondere von routinierteren Gegnern ausgenutzt werden sollte. Man braucht diese Mannschaft aber sicher nicht mit Mannschaften im Abstiegskampf zu vergleichen – ausser dass Bremen in grün spielt. Ob es allerdings auf Dauer reichen wird, um Platz 2 zu kämpfen, hängt wohl eher davon ab, ob man die Spielerinnen nochmals individuell einen Schritt voranbringen kann, und die "Cleverness" Top-Niveau erreicht, oder der homogenen Truppe irgendwie doch noch ein oder zwei Spielerinnen  von aussen beimixen kann, die ein Extra-Element dazu addieren können.

Spielerin des Spiels: Leupolz
Wirkte manchmal, als wären da zwei auf dem Platz oder als wäre sie an mehreren Stellen zugleich. Fast, wie wenn man mit Leupolz immer eine halbe oder ganze Spielerin mehr im Mittelfeld hätte. (Man sucht leider bisher allerdings vergeblich nach jemand, der das auch für die Offensive nutzbar macht) Letzte Woche(n) sah man Maier und Leupolz noch die Müdigkeit an. Da konnte man anmerken, wie wichtig für ihre Entwicklung es ist, auch einmal auch körperlich im roten Bereich noch einmal alle Reserven locker zu machen und sich eben mehr mit Auge und Routine in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Diesmal konnte man dafür sehen, welche Ausnahmestellung beide bereits erreicht haben, wenn sie halbwegs erholt sind, und auch wie das gegen Ende der Partie wieder nachliess. bzw. wie sehr dann auch das Spiel der Bayern nachlässt.
 

Noten:
Bayern München:

Korpela: 6.5
Wenig geprüft

Maier: 7.5
spielte häufig rechte Spielmacherin

Schnaderbeck: 6.5
Solide ohne hohen Schwierigkeitsgrad

Holstad: 6.5
Sicheres Abwehrverhalten

Abbe: 6.5
Hörte dann mit dem Aufrücken schnell auf

Lewandowski: 6.5
Immer noch nicht so aktiv im Spiel (aber +0.5 für das Tor)

Behringer: 7
Solide wie immer. Sehr aktiv

Leupolz: 8
Königin im Mittelfeld.

Evans: 6.5
Die laufstärkste vorne.

Däbritz: 5.5
Bemühter als zuletzt

Miedema: 6
Wenig Bälle und wenig Effekt


SC Sand

Kober: 6,5
Sicher noch besser, wenn fitter

Savin: 6.5
Unheimlich aktiv aber ohne viel Effekt

Igwe: 6.5
Solide. Aber der Strafstoss

Zirnstein: 6
Gutes Stellungsspiel. Bitte an Geschwindigkeit arbeiten

Sandvej: 6.5
Stabil auf ihrer Seite. Bitte mehr Unterstützung nach vorne liefern

Migliazza: 6
Defensiv ok. Offensiv ausbaufähig.

vanBonn: 6,5
Routiniert. Stellungssicher. Was geht noch in Sachen Fitness?

Skorvankova: 6.5
Sehr bemüht. Kam aber auch kaum nenneswert voran.

Vojtekova: 6
Spielte gut mit ohne Glanz zu verbreiten

Damnjanovic: 6.5
könnte ihre Kraft gewinnbringender einsetzen

Brunner: 6.5
Wirkt weniger spritzig, aber klug positioniert

 


 

Links:

offizielle DFB-Daten:
dfb – offizielle Datenseite zum Spiel Bayern München – SC Sand

Video:
dfb.tv volles Spiel

 

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