AFBL Frauen Fussball Bundesliga 9.Spieltag Nachbetrachtung

Wo sind denn die knappen Ergebnisse hin?

Bis auf 2 Spiele alle eine eindeutige und langweilige Angelegenheit? Was ist denn los, Bundesliga? Bitte bloss nicht wieder das Rad der Geschichte zurückdrehen. Das sind wir nicht mehr gewohnt. Aber jetzt gibt es sowieso erst einmal schon wieder Pause. Und dann schauen wir mal weiter. Aber erst einmal muss man schauen, was man überhaupt zu sehen bekommt. Bei Eurosport ist das "falsche" LSD angesagt. Laura Skisport Dahlmeier statt Linda SGS Dallmann. Sicher auch laufstark. Aber eher abschussstark als abschlussstark. Deshalb also "nur" dfb.tv. Und da reagiert man auch eher gewohnt zurückhaltend. Das Pokalspiel VfL Wolfsburg – Turbine Potsdam sucht man dann wohl auch vergeblich, und wir lassen uns weihnachtlich überraschen, was so kommt. Natürlich war es erfreulich zu sehen, dass auch Lucie, in Jena inzwischen genannt "die Trage" Voncova zum Einsatz kommen konnte. Schön, dass das alles halb so tragisch war mit der Trage. Das Wochenede startete mit einem auffallend ausführlichen und relativ guten Video-Bericht über SGS Essen – Werder Bremen, als sei da noch genug Zeit gewesen, das Video mit etwas Liebe zum Job zusammenzustellen. Und Trage gab es diese Woche zwar auch zum Glück keine. Aber die Berichte wurden trotzdem immer tragischer. Mancher musste vielleicht für den mdr zu schnell fertig werden? Und bei Hoffenheim hinten raus war die Zeit wohl aufgebraucht. Nach dem Elfmeter hat man immerhin dann noch nachträglich den Ton rausgeschnitten, weil da in der Originalversion zunächst die gelb-roten Karten aus Köln versehentlich Hoffenheim zugeordnet gewesen waren (also bitte nicht am Lautstärkeregler drehen!). Und irgendwie spielte Hoffenheim in der 48. Minute noch in die gleiche Richtung. Und das war nach der Halbzeit. Ein Schiri-Versehen, die Seiten nicht zu wechseln? Schauen wir also mal was noch kommt. Auf jeden Fall noch zwei mal der 1.FFC Frankfurt. Da kann man dann immerhin mit unserer Trainerecke vergleichen, mit dem was man machen könnte, sollte, oder tut.

Das TV-Spiel

Genauere Analyse zum Spiel Bayer Leverkusen – Bayern München

Bayer Leverkusen – Bayern München 0:5

Dass die Bayern irgendwann einmal darauf stossen, dass es sich besser anfühlt, wenn man aktiv eine Führung sichert und weiter nach vorne spielt, anstatt noch eine Innenverteidigerin zur Absicherung auf die "6" einzuwechseln, war schon lange abzusehen.

Inzwischen haben sie nun also tatsächlich aktiver verteidigt, keine nächste Innenverteidigerin mehr auf die "6" beordert, und vor allem den Wert von Flügeln für die Angriffsleistung wiederentdeckt. Noch gar nicht allzulange her, da durfte man vorrechnen, dass bei Fünferkette und zwei hängenden Mittelfeldspielerinnen nur noch 3 übrig bleiben, die sich guten Gewissens nach vorne trauen. Das Grobe hat man nun also sortiert. Und da sieht man, dass es natürlich auch einige gute Gründe gibt, warum man derzeit allen anderen Mannschaften punktemaessig so überlegen ist. Nachdem man selbst ohne die meiste Zeit die richtige Balance zu finden, schon 6 Punkte Vorsprung herausgearbeitet hat. Höchste Zeit für die anderen, in ihrer Entwicklung nachzuziehen.
Aber nach den groben Problemen ginge es nun ans Feinere. Und dafür braucht man oft länger.
Bei Leverkusen wäre eine der wichtigen gröberen Erkenntnisse, herauszufinden, wie man und wer denn vorne die notwendige Anzahl an Toren schiesst. Der Zeitraum, den manche brauchten, um Turid Knaaks Eignung festzustellen (nämlich eher Jahre) hat man nun wohl nicht mehr. Dabei ist ja auch interessant, wie Knaak da von den verschiedenartigsten Betrachtern plötzlich wie aus heiterem Himmel erkannt wurde. Da hatte sie einfach einmal zufällig das Glück, kurz hintereinander bei TV-Spielen glücklich in zwei Spielsituationen zu geraten, die es ihr erlaubten, ihre Fähigkeiten direkt in Tore umzumünzen. Viele Betrachter erkennen Tore eben einfacher als vielleicht die zugrundeliegenden spielerischen Fähigkeiten zur Erzielung derselben. Gedanken kommen auf, warum die Bayern Miedema wohl in Frankfurt nicht von Anfang an eingesetzt haben. Oder warum einst Baunach, von der heute leider gar niemand mehr redet, nach einem Tor zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, dass mit ziemlich verunglückten Einsatz solcher Fähigkeiten erzielt wurde. Die Fähigkeiten konnte sie ja später des öfteren deutlich zeigen. Nur leider sprang der Ball dabei nicht mehr so glücklich ins Tor – und sie wurde nicht mehr oft eingeladen.
Aber bei Bayer wird man sicher schon verstehen, wie man erkennt wer denn – und da gibt es schliesslich auch noch andere ausser Knaak – noch die spielerischen Fähigkeiten besitzt, um Tore zu schiessen. Immerhin verstand man es, Bayern München hinten herauszulocken. Aber da hatte irgendwer vielleicht doch etwas falsch verstanden. Beziehungsweise, das Herauslocken wurde nicht weiter erläutert. Das macht man, um dann mehr und grössere freie Räume zu haben, in die man mit schnellen Gegenstössen einzudringen versucht. Sonst bringt das Rauslocken nichts. Das war den Mädels von Leverkusen zwar theoretisch hoffentlich klar – aber sie konnten es wohl nicht in ihre Praxis-Beine übertragen.

Das Spiel-Ergebnis der Woche:

USV Jena – 1.FFC Frankfurt 4:5
Ein 4:4 gibt das wahrscheinlich nicht. Hatte man im Vorbericht noch gemutmasst. War am Ende auch nicht falsch, aber dafür war 4:5 noch unwahrscheinlicher.
Aber auch da scheint das mit dem Erkennen eben so eine Sache. Erkannt hat man auch in Frankfurt, dass man in einer Krise steckt. Und immerhin hat man in der Zwischenzeit erkannt, dass man auch ohne die Forderung nach einer neuen Sasic einen Traumsturm hat, der in Jena jederzeit auch in der Lage ist, mehr als 4 Buden zu machen, wenn es sein muss. Oder hat man das gar nicht erkannt? Wer weiss schon, wer was alles erkannt hat beim 1. FFC? Ansonsten haben die Erkenntnisse nun wohl dazu geführt, dass die Abwehr auch noch destabilisiert ist? Einmal vier Tore in Freiburg scheinen noch lange nicht genug weh getan zu haben. "Nur" 2 gegen Kvinner , die manchmal nicht einmal von 11m frei vor dem Tor treffen, haben auch noch nicht weh genug getan. Jetzt also wieder vier in Jena. Da wundert man sich nicht, dass da leider keine "Leaderin" auf dem Feld zu finden ist. Da scheint derzeit noch immer irgendwo nirgendwo, weder ausserhalb noch innerhalb des Spielfelds, jemand die Reset-Taste zu finden.
Auch gestandene Spielerinnen sollten so ein Chaos eigentlich von sich aus, nur innerhalb der Gruppe auf dem Spielfeld in den Griff bekommen können. Sicher nicht, wenn einmal ein Spiel wegkippt. Aber wochenlang Tauchstation? Auch das sicher interessant anzuschauen, wie man da allem Anschein nach ziemlich im Dunkeln tappt. Man kennt das wenn die Mädels beim rückwärts einparken die Parklücke nicht richtig erwischt haben, und nun durch ständiges vor- und zurückrollen ihre Position korrigieren wollen, statt noch einmal von vorne anzufangen. Das passiert aber manchmal auch trainern und Mangern. – Und der USV Jena? Macht in einem Spiel fast so viele Tore wie 8 Spiele zuvor – und das reicht immer noch nicht. Was soll man da erst sagen? So eine Riesen-Parklücke kann man ja gar nicht verfehlen.
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Die übrigen Spiele 

SGS Essen – Werder Bremen
Na endlich, SGS, könnte man sagen. Endlich der zweite "verdiente" Sieg der Saison. Und damit auf Platz 3 zu stehen ist einerseits schon allein aller Ehren Wert. Es spiegelt aber natürlich auch die unerwartete Rolle vom 1.FFC Frankfurt und Turbine Potsdam wieder, weil Essen trotz einiger glücklicher Punkte nur einen mehr hat, als letzte Saison nach Spieltag 9, aber damit damals nur auf Platz 5 rangierte. Jetzt geht es nach München, wo man in der derzeitigen Verfassung wohl noch mehr Glück als bisher bräuchte, für etwas zählbares. Aber dann kommt in der Vorrunde noch der SC Freiburg zu einem wegweisenden Duell.
Und bei Bremen immer noch das gleiche. Zum Überleben zu wenig. Zum Sterben zu gut? Vor allem scheint man nicht gerne zu reisen. Das macht man aber in Liga 2 doch auch, dürfte also so neu nicht sein. Auswärts gab es nur einen Punkt. Aber in Bremen konnte bisher nur Bayern München gewinnen. Vielleicht eine taktisch kluge Idee, in Zukunft jede Spielerin die eigene Bettwäsche mitnehmen zu lassen?

SC Sand – SC Freiburg 0:0
Tatsächlich noch ein 0:0. Musste das sein? Es war das Dritte der Saison, und damit dann doch eines mehr als das neue Standard-Resultat 4:5. Laut darf man das ja nicht sagen, aber so ein 0:0 hat Anteile, die uns entwicklungstechnisch gesehen doch eher besser gefallen. Da scheinen zumindest diesbezüglich beide vernünftig vernunftgesteuert Fussball gespielt zu haben. Mit der Konsequenz, dass man eben wenigstens einen Punkt holen kann, auch wenn man vorne nicht trifft. Kam anfangs bei Freiburg eher selten vor. Jetzt aber schon zwei mal hintereinander. Ganz allmählich werden ein paar Sachen besser. Fragt sich, ob Zwischenhoch oder Trendwende.

Turbine Potsdam – 1.FC Köln 4:0
Kaum tritt Potsdam wieder mit mehr als 12 gesunden Spielerinnen an, gewinnt man. Na bitte, geht doch, möchte man meinen, wenn man sich an ein paar Grundregeln hält. Neben dem Zusammenstellen einer einsatzfähigen ist das auch die Zusammenstellung einer fähigen Truppe. Das gelingt auch im Frauenfussball den Trainern naturgemaess mal besser, mal schlechter. Warum es manchen manchmal schlechter gelingt, kann man aus der Distanz oft schwer beurteilen.
Das ist gerade wieder in Potsdam der Fall. Es würde schon sehr interessieren, mit welchen Augen man eigentlich ein Fussballspiel verfolgen muss, um nicht zu erkennen, dass dort Svenja Huth seit dem ersten Spiel in München regelmaessig die fähigsten Leistungen zeigt, auch im Vergleich zu der allerdings zuletzt auch prima verbesserten Felicitas Rauch. Noch schwerer wäre es, in Köln nicht zu erkennen, dass dort Richtung Advent immer mehr Kerzen ausgehen. Ob das noch 4 werden bis zum Fest? Da kristallisiert sich dann doch eher so langsam ein Punktelieferant heraus. Schade. Noch ein Bundesligaverein, in dem Frauenfussball nicht mehr als ein Mauerblümchendasein fristen darf, und die Männer nicht "stören". Nicht nur bei Gerhardt, Rinast, Ehegötz, oder vielleicht auch Zielinski würden sich eine Kontaktaufnahme über den Winter eventuell lohnen.

1899 Hoffenheim – VfL Wolfsburg 0:4
Die Hoffenheimer Tristesse zu beschreiben wird langweilig. Zumindest die Leser hier waren darüber seit langem informiert. Nur hatte man gehofft, Hoffenheim würde sie schneller vertreiben können. Wenn sich so etwas nämlich festsetzt, kann es schnell auch chronisch werden. An dem Punkt sind wir hier so langsam angelangt. Besonders kritisch natürlich auch deshalb, weil man sich auch in Hoffenheim, so wie es gerade aussieht, nicht rechtzeitg erkundigt hat. Der Trainer schien jedenfalls einigermassen überrascht, dass man die schwächste Saisonhälfte ablieferte. Das könnze man verstehen, wenn es überraschend gekommen wäre. Weniger, wenn der Trainer nun überrascht ist von Entwicklungen, über die hier seit Wochen geschrieben wird, dass es fast schon langweilig wird. Aber Fussball ist auch in Hoffenheim ein interessantes Spiel. Und erst in Wolfsburg, wo man ja auch interessante Traineräusserungen feststellen darf. Spielerische Lösungen sei der Weg der Zukunft im Frauenfussball, nach Art von Frankreich und Japan. Es ist schön, wenn man Traineräusserungen einmal so voll und ganz zustimmen kann. Aber das hat der Trainer ja auch über andere Mannschaften gesagt. Trotzdem natürlich schön zu sehen, dass ab und zu beim VfL Wolfsburg auch einmal spielerische Lösungen gefunden werden. Ein Doppelpass vor dem Strafraum. Was für ein Präziosum der Zukunft. Die Frage ist nur, warum bei den spielerischen Lösungen immer wieder und wieder der Name Simic auftaucht. Da erschliessen sich vielen Betrachtern auch offensichtlich einige Dinge nur schwer.

Der weitere Blickwinkel

Es tut sich was im Staate, aber auch ausserhalb. In Österreich und der Schweiz ist allerdings bereits Winterpause. Und der FC Zürich, der ja gegen niemand Geringeren als 1. FFC Frankfurt-Spezi LSK Kvinner (und erst nach Verlängerung) aus der Champions-League ausschied, liegt nur ein winziges Pünktchen vor Überraschungsteam Neunkirch. In Österreich führt St.Pölten-Spratzern dagegen klar vor – jetzt nach Fehlstart doch wieder Neulengbach. Also die beiden CL-Starter wieder vorne.
Aber auch anderswo tut sich einiges ohne dass der Ball rollt. Noch nicht erwähnt wurde das Karriereende von Sara Thunebro in Schweden, die einst auch für Frankfurt die Schuhe schnürte. Und da gibt es seit Terese Sjögrän bei Rosengard nach der WM vom Spielfeld direkt ins Management gewechselt hat immer wieder Gerüchte, dass ihre Weggefährtinnen Asllani und Freundin Seger von Paris wieder nach Schweden zurückkehren. Jetzt hat man aber anderweitig zugeschlagen und die Holländerin Lieke Martens verpflichtet. Katrin Längert wird Rosengard verlassen. Dafür ist Erin MCLeod, WM-Torhüterin Kanadas heisse Kandidatin.
Die absolute Sensation des Wochenendes aber wird aus Frankreich gemeldet. Man kann es vielleicht kaum glauben, aber Olympique Lyon hat nun tatsächlich das erste Gegentor der Saison gefangen. 7:1 hiess es am Ende gegen die "Wunderstürmerinnen" von Soyaux. Das Gegentor aber beim Stande von 6:0 schien Lyon völlig aus der Bahn geworfen zu haben. Nach dem Gegentor ging praktisch nichts mehr. Was ging waren seltsame Äusserungen des Trainers von Olympique Lyon allgemein und zur fehlenden Klasse von Wang Fei. Das hat sich gar nicht gut angehört – für beide.
 

Der langfristige Blickwinkel

Da betrachten wir zwischendurch noch kurz die Entwicklung der Veränderung zur Vorsaison. Der langfristige Ausblick von letzter Woche war ja doch etwas sehr spekulatives, bei dem was da ständig so passiert, diese Saison. Nun also das Gegenstück. Nicht spekulieren über den weiteren Verlauf der Entwicklung, sondern Nachbetrachtung der Entwicklung vom 9. Spieltag letzte Saison zum 9. Spieltag dieser Saison. Auch da ist Spielraum zur Anwendung von Logik. Die kann sich jeder für sich rauspicken. Auf zwei Dinge sei allerdings diesbezüglich noch hingewiesen. Der 9. Spieltag ist natürlich insofern suboptimal, da eben 2 Gegner noch fehlen. Wer also da letztes Jahr noch die Spiele gegen Herford und Duisburg vor sich hatte, und dieses Jahr noch Wolfsburg und Bayern kann das so ganz nicht vergleichen. Und ein schlechter (umgekehrt auch ein guter) Platz in dieser Rangliste lässt immer Spielraum zwischen zwei (extremen) Schlüsse zu: 1. Man hat sich dieses Jahr sehr schlecht entwickelt. oder 2. Man hat letztes Jahr ein herausragendes Jahr gehabt, und war eben schon da top entwickelt.

Und das ist die "Differenztabelle" zu letzter Saison:

Platz Team Veränderung der Tordifferenz Veränderung der Punktzahl
 
1. SC Sand +15 +7
2. USV Jena -4 +3
3. Bayer Leverkusen -3 +2
4. Bayern München -6 +2
5. SGS Essen -2 +1
6. SC Freiburg +14 -1
7. 1899 Hoffenheim -3 -2
8. VfL Wolfsburg -2 -4
9. 1. FFC Frankfurt -26 -6
10. Turbine Potsdam -12 -9

6 thoughts on “AFBL Frauen Fussball Bundesliga 9.Spieltag Nachbetrachtung

  1. Warum taucht denn bei den spielerischen Lösungen bei Wolfsburg so oft der Name Jakabfi auf? Das erschließt sich einigen Betrachtern wohl nur schwer;-)

    Insgesamt ist der Artikel ein schönes Resümé des letzten Spieltags.

    1. Das kommt wohl darauf an, wie man es sieht. Das mit dem schwer sehen. Die Ressentiments gegenüber Simic emfinde ich insgesamt als groesser.
      Janett Jakabfi entwickelt seit sie endlich wieder dabei ist nun auch in der Mitte gute spielerische Lösungen und nicht nur rechts angebunden. bei diesem Tor war das “nur” die Juniorrolle, aber vor allem letzte Woche die Vorlage hatte auch Seltenheitswert. Allerdings war in Frankfurt noch nicht so viel zu sehen (war auch eines der ersten Spiele), und man würde das gerne nocheinmal in mehr als ein paar Ausschnitten oder kurzen Minuten ansehen. Und auch mit Verena Faisst und Tessa Wullaert ist Kombinationsfussball möglich.

      1. Ja, da hast du völlig recht, die Ressentiments gegen Simic sind deutlich größer. Das hat aber auch seine Ursachen. Es ist zunächst natürlich die Frage, welche Spierlweise man von Wolfsburg erwartet. Das (sehr erfolgreiche Spiel) der letzten Jahre beruhte auf aggressivem Pressing und Gegenpressing, schnellen Gegenangriffen inklusive Vertikalpässen, Ballbesitz im Mittelfeld und natürlich dem Spiel über die Flügel, das oft mit Diagonalbällen von Gößling eingeleitet wurde. Wir sind uns wahrscheinlich einig, dass das eine Spielweise ist, die einer Spielerin wie Simic eher wenig entgegenkommt. Die Idee von Kellermann mit ihrer Verpflichtung im Winter war dann wahrscheinlich, diese Spielweise durch mehr Kombinationsspiel zu erweitern. Wahrscheinlich sind wir uns auch hier einig, dass das noch nicht wirklich gut funktioniert hat. Jetzt kann man sich die Frage stellen, worin die Gründe zu suchen sind. In meinen Augen kann im Falle der Aufstellung von Simic der Substanzverlust bei der auf Pressing angelegten Spielweise nicht durch ein mehr an Kombinationsspiel ausgeglichen werden. Simic müsste offensiv deutlich auffälliger sein, wesentlich mehr gute Aktionen haben und sich weniger Pausen gönnen, um ihre mangelnde Beteiligung an Pressing, etc. auszugleichen. Es hat ja seinen Grund, dass sie es bei Bayern und Potsdam nicht geschafft hat und (zumindest in letzterem Falle) für ihre mangelnde Laufbereitschaft gerügt wurde. Ich möchte nicht behaupten, dass bei ihr die Bereitschaft fehlt, aber ich denke einfach, dass sie insgesamt nicht genügend Qualität hat, um in einer Spitzenmannschaft dauerhaft bestehen zu können.
        Jakabfi sehe ich gerade als eine sehr gute Synthese von spielerischer Qualität/Kombinationsfähigkeit und Laufbereitschaft/Zweikampfstärke. Vor ihrer langen Verletzungspause hat sie das jedenfalls sehr gut verkörpert und im Moment ist sie wieder auf einem sehr guten Weg. Sie ist dazu eine absolute Mannschaftsspielerin, d.h. sie nimmt auch mal eine Position ein, auf der sie nicht so glänzen kann, aber der Mannschaft hilft. Frankfurt ist da für mich ein gutes Beispiel, da war sie zwar nicht so viel am Spiel beteiligt, leistete aber durch ihr konsequentes Anlaufen der gegnerischen Abwehr einen wichtigen Beitrag.
        Bei Wullaert sehe ich auch viel Potenzial, aber sie hat noch deutliche Probleme, wenn Mannschaften rustikaler auftreten. Genau wie Pajor ist sie aber eine Spielerin, die in den kommenden Jahren viel Spaß machen kann.
        Bei Verena Faißt stimme ich dir auch zu. Hier ist mir auch unerklärlich, warum sie in dieser Saison so auf’s Abstellgleis geraten ist und z.T. noch nicht mal im Kader steht. Sehr rätselhaft.

        1. Danke für die ausführliche Stellungnahme.
          Ich hatte schon mit einer ausführlicheren Antwort angefangen, aber wieder gelöscht. Das ist so speziell, das kommt zunächst in die Coaches Corner. Die Entwicklung und der “Stil” von Wolfsburg.
          Über die Ideen von Kellermann bei irgendwelchen Verpflichtungen würde ich nicht spekulieren. Falls das in Wolfsburg so kommuniziert wird, mag das so sein. Wenn man demgegenüber die Taten bewertet, sieht die Wolfsburger Einkaufspolitik nicht unbedingt so sortiert aus, dass ich davon ausgehen würde, dass hier durchgängig eine einzelne Person das Sagen hat.
          Im Gegensatz zu anderen, befürchte ich, gehen wir bzgl Simic und Dickenmann getrennte Wege. Wenn als Argument angeführt wird, dass sie es irgendwo “nicht geschafft” hat, dann fühlt sich das vielleicht nach vorgefertigter Meinung und der Suche nach dazu passenden Argumenten an? Simic ist wohl kaum so stark wie Necib an guten Tagen, und hat genug Dinge zu verbessern. Allerdings hat Potsdam unter ihrer “spielerischen Führung” als bisher einzige Mannschaft der Welt Olympique Lyon in etwa spielerisch paroli bieten können. Alle anderen “Aus” für Olympique Lyon waren Verteidigungsschlachten ohne spielerisches Gegengewicht. Sowohl der Sieg von Wolfsburg als auch von Paris. Mit 3 Stürmerinnen noch vor ihr, funktioniert das sicher nicht, ohne dass Simic auch hervorragende Defensivarbeit geleistet hätte. Zusammen mit Elsig in der zentrale im Mittelfeld hat Simic praktisch nahezu ein Gleichgewicht zu Necib / Abily / etc herstellen können. Das damals noch starke Frankfurt hat man unter Simics “Leitung” in Frankfurt als einziges Team spielerisch dominieren können. Das hat zB Wolfsburg deutlich nicht geschafft (0:1 im Pokal 0:0 in der Meisterschaft auswärts, 2:1 daheim). Wer sich nicht sicher ist, das Können einer Spielerinnen durch Anschauung ihrer Spielweise einzuschätzen, kann sich immer auch an solchen Fakten ein wenig orientieren. Das sieht für mich eher nach dem Gegenteil von “nicht schaffen” aus.
          Es ist aber so und so keine Frage, dass Simic bereits genug Nachweise erbracht hat, um sie zu den Top Mittelfeldspielerinnen Europas zu zählen. Viel interessanter ist, ob im Frauenfussball stärker als im Männerfussball die “Fans” Spielerinnen aufgrund “Bauchgefühlen” ablehnen oder gut finden, und ob die Leistungen im Frauenbereich stärker schwanken, wenn sie solche Ablehnung spüren (wie das wohl auch bei Simic zu spüren ist).
          Manche “Betrachter” (wer auch immer das sein mag) hätten gerne eine spielerisch so starke N11 wie Frankreich. Nachdem man sehen konnte, dass Simic / Elsig da mit der frz. Nationalmannschaft auch mithalten konnten ist also die Frage, wieso man sich gleichzeitig beklagt, es gäbe keine so guten Spielerinnen mehr in der Bundesliga.
           

           

          1. Ich stimme dir darin zu, dass die Wolfsburger Einkaufspolitik in der letzten Zeit nicht wirklich “sortiert” war. Denke auch, dass leider das Gießkannenprinzip vorherrscht. Es ist sicher kein Zufall, dass sich von den letzten “prominenten” Transfers (Ogimi, Simic, Dickenmann, Bussaglia, Bachmann) bisher noch keine als wirkliche Verstärkung erwiesen hat und z.T. auch wieder abgegeben wurde (Ogimi).
            Dass es Simic weder bei Bayern, noch bei Potsdam geschafft hat, hat nichts mit “vorgefertigter Meinung” zu tun, sondern entspricht einfach den Tatsachen. Zwei gute Spiele in 1,5 Jahren reichen in meinen Augen nicht aus, um von einer erfolgreichen Zeit zu sprechen. Dauerhaft durchgesetzt hat sie sich jedenfalls in keinem der beiden Vereine und Schröders deutliche Worte über ihr Defensivverhalten und seine Erklärung, warum sie auf der Bank sitzt, sagen einfach sehr viel.
            Aber selbst wenn man ihr noch das ein oder andere überzeugende Spiel bei Potsdam attestiert, ist sie das bei Wolfsburg bisher völlig schuldig geblieben. Obwohl sie durch die Nicht-Teilnahme bei der WM einen Vorteil in der Vorbereitung hatte, konnte sie nichts von dem umsetzen, was man sich von ihr versprochen hat. Das einzige halbwegs überzeugende Spiel hat sie in der ersten Halbzeit gegen Bayern absolviert und auch da hat sie eine Großchance liegen gelassen (wie z.B. auch in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim – dieses laxe Verhalten beim Abschluss ist es einfach, was vielen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Daher u.a. auch der Grund für ihre Unbeliebtheit.). Man sieht in dieser Saison sehr deutlich, dass Wolfsburg die besten Spiele (Frankfurt, Chelsea, Essen) mit Simic auf der Bank absolviert hat. Wolfsburg hat Frankfurt in den letzten drei Spielen zwei mal dominiert: Im übrigen beide Male ohne Simic. Tut mir leid, aber die Fakten sprechen einfach eine deutliche Sprache. Ich bleibe bei meiner Theorie vom nicht auszugleichenden Substanzverlust durch mangelndes Pressing, Zweikampfverhalten, etc. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber ich sehe dafür zurzeit einfach keine Anhaltspunkte für deine Hoffnungen.
            Noch ein Wort zur französischen Nationalmannschaft: Frankreich ist sicher für viele ein Vorbild, aber unter dem Strich ist diese Mannschaft in den letzten Jahren weder bei der EM noch bei der WM über das Viertelfinale hinausgekommen. Das zeigt, dass das “spielerische” alleine nicht ausreicht. Die USA haben erfolgreich gezeigt, wie man spielerische Defizite durch andere Qualitäten ersetzt. Auch durch eine gute Trainerin. Aber das ist natürlich eine ganz andere Diskussion.

          2. Danke wiederum.
            So macht man auch Erfahrungen, wie man weiter verfährt. Ich möchte einerseits gerne dem Gast das letzte Wort überlassen, andererseits freundlich antworten, wenn sich jemand die Mühe gibt. Also werde ich einmal ankündigen, dass ich hier beides mache. Eine letzte Antwort. Und gerne überlasse ich danach das letzte Wort.
            Ich glaube nicht, dass die Beurteilung von Hrn Schröder eine Rolle spielt. Da wurden auch andere fehleingeschätzt. Die vielen Namen braucht man gar nicht alle zu nennen. Ganz abgesehen davon, dass sich dessen Beurteilungen auch sehr häufig stark ändern. Ich denke, dass du das auch so siehst. Aber genauso nach Argumenten pickst, wie jetzt plötzlich bezüglich Torchancennutzung. Auch da sind andere viel eher anzuführen. Daher hier auch für mich ein Schwenk auf andere Diskussionspunkte, und somit ein gewisses Ende der gegenseitigen Argumentation erreicht. Wie du schon bemerkt hast, nun rutschen wir in anderes ab. zb auch Ellis. Oder, dass nicht die Spiele mit den besten Ergebnissen – die sind nämlich sehr Gegner- und Glücksabhängig – auch die besten Spiele sind. Oder warum es bei Wolfsburg nicht besonders darauf ankommt, ob die ein oder andere spielt. Das wäre mehr ein Wolfsburg- als ein Simic-Thema. Oder Frankreich. Das schweift doch zu sehr ab jetzt. Dennoch insgesamt sehr interessant. Danke! Würde mich freuen, wenn du woanders wieder ein Thema aufgreifst.

             

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