AFBL Frauen Fussball Bundesliga Vorschau 12.Spieltag

Die Spieltagsvorschau:

Letzte Mobilisierung vor der Pause

Auf gehts, noch ein letztes Mal. Das gab ja auch wirklich einiges her, das Frauenfussballjahr 2015. Professionalisierung. Weiterentwicklung. Fast wo man hinschaut. Insbesondere das breite Feld hat aufgeholt. Nun endlich darf man auch in der Bundesliga erst einmal kräftig durchschnaufen und auftanken. Gibt es vorher noch ein letztes Ramba-Zamba? Hochinteressant bleibt es jedenfalls bis zur letzten Sekunde. Nicht nur in Potsdam und nicht nur im Fernsehspiel SGS Essen – 1.FFC Frankfurt. Was macht eigentlich Essen? Eine Momentaufnahme hier.

Und am Di in der Nachbetrachtung dann wieder der 4-Spiele-Turnus Blick auf die Tabelle und wie sich unsere Vorhersagen entwickelt haben. Ausserdem eine Rangliste des deutschen Frauenfussballs und Rückblicke auf die Entwicklungen der und seit der WM in der Winterpause.

Auch weil die beiden Kellerkinder 1.FC Köln und Werder Bremen sich gegenseitig duellieren, also ein gewaltig wichtiges Spiel gegen den Abstieg ansteht. Während zugleich Bayer Leverkusen daheim gegen den SC Sand sicherstellen will, dass es nicht auf einem Abstiegsrang überwintern muss. Auch da wäre also nochmal bitter nötig, alles rauszuholen, was Bayer an Körnern noch übrig hat, und die drei derben Niederlagen hintereinander zuletzt hinter sich zu lassen. Allerdings gab es zuletzt wenig Ansatzpunkte, dass man da verstanden hat, wie es gehen könnte.
Und bei allen anderen ist es sowieso immer spannend.
Und es kommt endlich fernsehtechnisch auch zum lange erwarteten direkten Aufeinandertreffen Dahlmeier gegen Dallmann am gleichen Tag bei Eurosport. Dabei hat Dallmann den Vorteil, dass sie wohl nur halb so oft treffen müsste wie Dahlmeier, um den Sieg einzufahren. Und dabei sogar näher ran darf. Andererseits steht bei Dahlmeier kein Torwart davor. Das geht zu weit, soll aber schon einmal andeuten, dass man sich am Sonntag vielleicht beim Fusballverband auch lieber Biathlon anschaut? Oder wird Turbine – Bayern nicht übertragen, weil ein öffentlicher das schon macht? Und es sich dann doch anders überlegt, wie zuletzt geschehen in Frankfurt? Die häufige oft unklare (Des-)Informationspolitik diesbezüglich zeigt jedenfalls schon die Auswirkung, dass sich anscheinend arg viel Interesse am Bayern-Spiel nirgends zu regen scheint. Als Service: 14.15 Uhr beginnt Biathlon am Sonntag. Das kann man wenigstens vernünftig einplanen.
Und eigentlich müssten ja einige gespannt nach Potsdam schauen in der Hoffnung, dass da aus 9 nur noch 6 Punkte Vorsprung werden. Aber es lagen eben zwischen Platz 1 und 4 letztes Jahr um diese Zeit auch nur 4 Punkte, und so richtig glauben tun wohl die wenigsten, dass die Bayern sich von Turbine ausgerechnet am 4. Advent die Lichter ausblasen lassen.

Ausserdem war es zuletzt zweimal nicht das Glückslos mit der Übertragung der Spiele von Bayer Leverkusen. Nun wenigstens einmal die SGS Essen. Wobei die ja auch einen fast schon turbinösen Eindruck machen, was die Leistungskonstanz anbelangt. Oder sagen wir besser. Auch da gibt es noch ziemlich Steigerungspotential.

das Fernsehspiel:

SGS Essen – 1.FFC Frankfurt
Wie war das noch einst in diesem Schlager mit der Ente Lippens aus den 50ern? "In Essen hat man noch Träume". Oder wie hiess das? Essen, das irgendwann von weiter vorne träumt, nur vielleicht noch nicht genau weiss, wann denn das sein soll, wenn man sich aktuell eher nach hinten, als nach vorne bewegt. Und das, obwohl doch die Talente inzwischen schon einige Zeit gehabt hätten, um sich weiterzuentwickeln. Nur gut, dass das im Umfeld noch niemand so richtig gemerkt hat. Und der 1.FFC Frankfurt, der hier zeigen kann, dass die letzten Siege nur deshalb weniger überzeugend waren, weil man nicht mehr zu tun brauchte.
Bei Frankfurt wird es wohl keine grossen Veränderungen zu den beiden letzten Spielen geben. Dann liegt es eher an Essen, das wie gewohnt mit ziemlich grossen Leistungsschwankungen durch die Saison rumpelt. Man wechselt ja auch öfter das Personal. Das Essen, das zum Beispiel gegen Köln viel Glück, beide Pfosten, und die Nachspielzeit für einen Sieg brauchte, sollte natürlich auch für diesen geschwächten 1.FFC Frankfurt machbar sein. Kommt Essen aber mit einer guten Mannschaft, wird es wohl sehr schwer, zählbares mitzunehmen.
Das Hauptfragezeichen bei Essen scheint immer noch die Abwehrleistung. Wenn sich Essen da einigermassen stabil aufstelt, wie in München beim 1:2 in letzter Sekunde, in Potsdam beim 0:0, oder wohl auch in Wolfsburg beim 1:2 im Pokal, ist auch die Gesamtleistung ok. Spielt man dagegen hinten wieder einmal grosszügig Weihnachtsmann und verteilt Geschenke, dann wird es schwer. Wobei das natürlich der grosse Knackpunkt in der Liga generell ist. Sind die Top-Teams einfach die, die am wenigsten verschenken?
Der Frankfurter Schlüssel ist dagegen wie seit jeher die Einzelverfassung der Spielerinnen. In puncto mannschaftlicher Organisation hat man zwar aufgeholt. Es gibt aber in der Bundesliga auch schon einige, die das richtig gut machen. Individuell aber wird man insbesondere von Simone Laudehr wohl wieder mehr sehen, als sie in Leverkusen zeigen musste. Bei Dzeni Maroszan weiss man auch, dass sie oft so gut spielt, wie es der Gegner zulässt. Und wer noch ein paar Details nachschauen wollte bezüglich der Teamorganisation im Leverkusen Spiel, bekommt auf dfb.tv immer noch einen Fehler. Normalerweise merkt man das dort irgendwann. Vielleicht wollten aber alle Seiten das Spiel am besten ausblenden. Man wird soweiso eventuell erst jetzt sehen, ob in Frankfurt zum Beispiel an der Mittelfeldorganisation wenigstens individuelle Details weiterentwickelt wurden. Es sah live manchmal nach Ansätzen aus. Aber Leverkusen war einfach zu schwach, um da die Problemzonen wirklich einer Belastungsprobe zu unterziehen.
Und zuguterletzt könnte auch den Torhüterinnen eine Hauptrolle zukommen Wenn Desi Schumann nicht spielen sollte, sucht Frankfurt da noch einen sattelfesteren Eindruck. Anke Preuss macht allerdings den besseren im Vergleich zu Anne Kremer. Und bei Essen war Lisa Weiss leider ja zuletzt zweimal auch nicht ganz unbeteiligt an den Niederlagen, ohne freilich dafür verantwortlich zu sein. Ob die Torhüterinnen allerdings in diesem Spiel überhaupt verstärkt zum Einsatz kommen?

VfL Wolfsburg – USV Jena
Wieder keine kombinierten Tore beim Schlusslicht in Köln. Wie wird das wohl gegen Jena? Wie wäre es mit genauso. Warum auch nicht? Wer sieht zum Beispiel nicht Bayerns Probleme aus angeborenem Abwehrinstinkt plötzlich ein gut geöltes Angriffsspiel hinzubekommen? Und Wolfsburgs angeborener Instinkt wurde eben auch beim Pokalspiel in Potsdam deutlich. Zerstörer ins Mittelfeld. Lange Bälle. Pressen – was auch immer der Ratgeber für die moderne Frau. Pardon des modernen Frauenfussballs darunter verstehen mag – und hoffen, dass irgendwer flink oder trickreich genug ist, den Ball als Folge irgendwie reinzubefördern. Das Spiel der Zukunft wird da im Zweifel gerne einmal dafür nach hinten gestellt. Gestochert, geschüttelt, gerührt oder genudelt – 3 Punkte sind schliesslich 3 Punkte.

Turbine Potsdam – Bayern München
Hoffen, dass der RBB überträgt, und Turbine das wegen der Zuschauerzahlen nicht vorab veröffentlichen will. Alles andere wäre vor allem von dfb.tv komisch. Andererseits wäre das sicher auch nicht das erste Mal, sicher auch kein Problem, und vielleicht nur ein Zeichen, das dieses Spiel eben nicht mehr die gleiche Wertigkeit hat, wie in der Vergangenheit.
Da es aber auch am Tag vor dem Spiel noch keine Veröffentlichung in der Richtung gibt, gehen wir einmal davon aus, dass dfb.tv tatsächlich einfach keine Lust hat. Dort ist man ja sicher nicht wie Eurosport mit anderen Sportarten in Konflikt? Hat das aber nun – Hut ab – geschickt so hingedeichselt, dass sich möglichst niemand zu sehr beschwert. Aber wer kontrolliert auch schon, was beim dfb passiert. Wo käme man denn da hin. Wagen wir also ein Prognose, weil der dfb auch lieber Biathlon schaut. Dahlmeier ist natürlich wieder Favoritin. Habert sah schon müde aus gegen Ende. Stolpert über die eigenen Ski. Und sonst die üblichen Verdächtigen? Soukalova und Mäkarainen. Vielleicht auch noch Wierer oder Preuss. Eine von denen wird es machen. Trotzdem gefällt uns Fussball besser, aber wir sehen auch ein, dass den beim dfb nicht jeder Mitarbeiter lieben muss. Und es ist wichtiger, dass am Jahresende die schwarzen, roten und goldenen Kassen stimmen.

Bayer Leverkusen – SC Sand
Oh weh. Bayer. Das tat auch hier noch weh. Den 1.FFC Frankfurt in Essen zu sehen. Dadurch ist auch die Leistung am letzten Wochenende nochmals um einiges nach unten zu korrigieren, obwohl das schon sehr nach zweite Liga aussah. Und es war ja eben leider kein einmaliger Ausrutscher, sondern derzeit die Regel. Man müsste nun also plötzlich innerhalb einer Woche die grosse Wende hinbekommen. Die richtigen Umstellungen finden. Die richtige Ansprache finden. Nahezu unvorstellbar. Hoffen auf eine Riesenportion Glück, und dass Sands durchaus weitgereiste Spielerinnen nach einem Traumhalbjahr beim letzten Auswärtsspiel in Gedanken schon zuhause bei ihren Familien sind. Beim Spiel in Frankfurt hat man ja schon gezeigt, dass ein paar Bundesligapunkte mehr oder weniger diese Saison nicht allesentscheidend sein werden. Normalerweise kommt es aber oft auch umgekehrt – die Freude überwiegt und man legt sich auch im letzten Spiel nocheinmal mit Begeisterung ins Zeug. Trainer Fischinger ist zu wünschen, dass er seinen Spielerinnen das mitgeben kann. Dann kann es auch für mehr als einen 4:0-Sieg reichen. Schöne "Charakterfrage" an beide hier.

1.FC Köln – Werder Bremen
Und wieder ein Schicksalspiel für die beiden. Und seit bei Bayer der Lack ab ist noch mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass das hier nicht nur ein Bananenspiel um den vorletzten Platz wird, hat sich jedenfalls in den letzten Wochen dramatisch verbessert. Der Sieger hat wirklich noch einmal alle Chancen und wird einen enorm wichtigen Auftrieb für die Rückrundenvorbereitung bekommen, womöglich über dem Strci überwintern. Wer das sein wird? Eindeutig zu eng zu sagen. Bei Köln scheint mit dem neuen Trainer zumindest von den Nachspielinterviews her etwas gesteigerte analytische Fähigkeit vorhanden. Das ist aber ein reichlich schwacher Indikator. Egal wer. Wo von Vereinsseite eine keine grössere Identifizierung mit dem Frauenfussball stattfindet und man das Gefühl hat, da steht ein grosser Verein nicht wirklich dahinter, sondern eher nur als Alibi und SportplatzzurVerfügungSteller (wobei in Köln ja bezeichnenderweise sogar noch nicht einmal auf einer FC-Anlage gespielt wird), der darf auch durchaus gerne in Liga 2 noch einmal neu sortieren.

1899 Hoffenheim – SC Freiburg
Wieder stark gegen so langsam stark. Und auch Nordbaden gegen Südbaden hat für so manchen mehr besonderes als man andernorts denkt. Es ist die Frage, ob es noch diese Vierergruppe aus Freiburg, Essen, Hoffenheim und Sand gibt, die sich um Platz 5 streitet. Man ist dem 1.FFC und Turbine verdammt dicht auf den Pelz gerückt, und so ist das vielleicht nicht mehr ein Kampf um Platz 5 sondern schon um Platz 3 ? Oder am Ende sogar noch mehr? Auch ein Spiel, das man gerne sehen würde, für das aber die Kassen beim dfb wohl leider nicht reichen. Dabei sind auch sonst die Unterschiede krass.
Hier Hoffenheim, das meint, seine Spielerinnen optimal fördern zu wollen, aber dazu nicht den Gefallen tut, noch weitere Korsettstangen zu Moser und Demann hinzuzufügen, um Durststrecken besser meistern zu können. An einen Ausfall einer der beiden, die seit Jahren beide nur wenige Spiele versäumten, mag man auch nicht denken.
Da Freiburg, das vor lauter Neuzugängen immer noch lange nicht seine optimale Aufstellung gefunden hat, und wartet, ob vielleicht zufällig im richtigen Moment sogar auch die richtigen Verletzungen dabei helfen könnten. Zumindest scheinen die neuen Spielerinnen so langsam zueinander zu finden und die Abstimmung in der Defensive zu verbessern.
Dabei gibt es eigentlich objektiv wenig Gründe, warum man nicht zumindest mit Turbine und dem FFC zumindest auf gleichem Level sein sollte.

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