Bayern München – USV Jena 5:1 (3:1)

Vorgeschichte:

Der FC Bayern als souveräner Meister schon fest. Der USV Jena jetzt bereits weitgehend ohne Abstiegssorgen. (Und übrigens nebenbei in der Vorrunde die einzigen, die nicht gegen Bayern verloren). Da könnten beide eigentlich ziemlich locker aufspielen. Auf eine Art taten sie es ja auch.

Headline: 5 Tore, aber warum eigentlich?

Nein, wir diskutieren hier nicht die Schiri-Entscheidungen. Diskutabel sind eher diejenigen Zuschauer, die nicht verstehen wollen, dass eine Schiri keine ins menschliche Auge eingebaute Zeitlupe sehen kann. Zu dumm, dass ja  leider auch viele direkt Beteiligte dummerweise daran oft nicht denken. Schön, wenn wenigstens Spielerinnen nach Spielbeginn nicht so dumm sind und darauf hinweisen und erst die Zeitlupenwiederholung zur Beurteilung ansehen wollen.

Und so wird nun dummerweise leider wohl oft genug wieder verdrängt, dass zum Beispiel der Elfmeterpfiff viel sicherer durch gesteigerte fussballerische Klasse der Abwehr-Akteure hätte verhindert werden müssen, als durch eine gesteigerte Zeitlupenfähigkeit der Schiri hätte verhindert werden können.
Aber nicht nur dieses, sondern auch die anderen Tore vielen ja nicht unbedingt nach zwingenden Aktionen. Der verzögerte Abschluss von Miedema dabei wenigstens ein kurzes fusballerisches Leckerli, das als Ausnahme die Regel bestätigt und das man sonst phasenweise vergebens suchte. Wer denn eher zum Schiri-raus brüllen auf den Sportplatz geht, der kann oft auch weniger gut beurteilen, dass dabei Ballannahme und Drehung nicht nur gut anzuschauen waren, sondern auch gewisse fussballerische Kunstfertigkeiten voraussetzen, die nicht viele bieten können. Aber der Reihe nach:

So ist das im Fussball eben manchmal.

2 schnelle Tore gibt es manchmal nicht nur in der Nachspielzeit, sondern auch am Anfang eines Spiels. 2:0 nach gut 10 Minuten. Da war das meiste schon gegessen. Viele Zuschauer hätten auch anschliessend gleich nach Hause gehen können. Es sah nämlich nach allem aus: Als ob Bayern nicht mehr brauchte, nicht mehr durfte, und die Mädels nicht mehr wollten als sie mussten. Und Jena hielt das ganze irgendwie tapfer in Grenzen, konnte aber nicht mehr als das entgegensetzen.

Zwar konnte man durch das kompakte Zentrum mit der gewohnt spielstarken Landeka und der omnipräsenten Silva und den gut einrückenden Rudelic und Arnold den Bayern über weite Strecken nahezu ein Gleichgewicht aufzwingen. Aber viel zu ängstlich war der Aufbau und die fussballerischen Fähigkeiten beim Spiel aus der Abwehr. Und auch nach vorne fehlte es an der individuellen Ausstattung, um die Bayern-Abwehr auf diese Art wirklich ernsthaft ins Schwitzen zu bringen.

So plätscherte das Spiel im Mittelfeld hin und her. Plätscherte. Im Gegensatz zu manch anderem Spiel war das hier nicht bedingt durch das meisterhafte Spiel gegen den Ball sondern eher durch den Mangel an Koordination bedingt. Sowohl der Spielerinnen untereinander als auch des individuellen Umgangs mit der Kugel. Allerdings bewegt sich die Frauen-Bundesliga inzwischen auch durchschnittlich auf einem ziemlich hohen Niveau im Spiel gegen den Ball, so dass die Schwächen in Technik und Ballbesitzspiel eben ziemlich schonungslos aufgedeckt werden.

Und dann bleiben Tore wie hier folgerichtig oft mehr oder weniger eklatante Einzelfehler. Auch die Bayern bekamen es in den 90 Minuten fast nie fertig, die Abwehrreihe von Jena verstärkt zu strapazieren. Die machte aber trotzdem den Eindruck, als wäre sie nicht sehr strapazierfähig. Sieht man in so einer Kombination auch selten. Fasst das Spiel aber an besten zusammen. Frei nach dem Motto: "Eure Abwehr sieht aber sehr wackelig aus. Na dann wollen wir sie mal in Ruhe lassen. Reicht uns völlig, wenn ihr euch den Ball ab und an selber reinkegelt"

Taktisches

Startformationene: Bayern-USV Jena
Startformationene: Bayern-USV Jena
taktische Aufstellung[/caption]

Bayern spielte vom System her wie immer. Selbst gegen Jena häufig eher eine halbe 5er Kette als eine klare 3er. Maier – Schnaderbeck – Holstad – Abbe – Lewandowski. Boquete irgendwo im mittleren Mittefeldbereich zusammen mit Behringer. Miedema ganz vorne. Und Däbritz und Rolser irgendwo dazwischen. Rolser meist über rechts. Lewandowski ist dabei aussen traditionell eher die auf leisen Sohlen schleichende Torgefahr, Maier mehr die ständig verfügbare Anspielstation für die Offensivaktionen. Beide konnten sich diesmal aber nicht wie zuletzt gewohnt einbringen. Wohl mit ein Grund, warum Däbritz und Rolser so in der Luft hingen. Rudelic und Arnold spielten für Jena sehr aufmerksam im äusseren Mittelfeld dagegen und bilden mit Silva und Landeka in der Mitte eine Reihe, die sich in der Bundesliga vor niemandem zu verstecken braucht, und wie zu sehen auch Bayern paroli bietet. Davor half Vonkova als hängende Spitze clever gegen den Ball mit. Ganz vorne agierte das neuseeländische Jenaer Urgestein Hearn. Dahinter allerdings hatten Sedlackova, Breitenbach, Melhado und Percival in der 4er Abwehrkette so ihre Probleme. Ausser bei der schlachterprobten Percival ist da sicher noch viel Steigerungspotential.

 

Die Tore:
Lesen sich wie folgt:
Tor1: Sehr guter Fussball beim Abschluss mit einer glücklichen Vorbereitung.
Tor2: Einzeltaktisch ungeschicktes Abwehrverhalten und zu langsame Bewegungsausführung produzieren einen Elfmeter
Tor3: Einzeltaktisch ungeschicktes Abwehrverhalten bei der Kopfballabwehr führt zum Tor
Tor4: Torwartfehler nach Ecke
Tor5: Eklatanter Fehlpass bei der Ballrückgabe zur eigenen Hüterin
Tor6: Torwartfehler nach Ecke

Fussball zu Fehler im Verhältnis 1:5.

Fazit und Ausblick

Schön, dass man Jena einmal wieder sehen durfte. Auch das gibt einige Hinweise. Wieso es manchem so schwer fällt, die Jenaer Abwehrprobleme auszunutzen, bleibt eine interessante Frage. Insgesamt betrachtet scheinen Jenas Zukunftsaussichten aber jedes Jahr wieder auf ein neues eine schöne Erinnerung daran zu sein, wie zart das Pflänzchen Frauenfussball doch noch im rauhen Winde treibt. Da braucht man schon einen privaten Kreditgeber von weit her, um überhaupt Erstligafussball stemmen zu können. Und die Spielerinnen sitzen jedes Jahr im Frühjahr auf halb gepackten Koffern, weil sie nicht wissen, ob sie nächstes Jahr noch in Jena spielen können. Und alle warten daher eigentlich verständlicherweise hauptsächlich auf die Chance, die sich dem Trainer nun bot, anderswo anheuern zu können. Wenn Essen ein wenig mehr Geld hätte … Wenn Jena clever ist, macht es aus der Not eine Tugend, und investiert das eingesparte Trainergehalt in eine oder zwei Spielertrainerinnen. Jess Fishlock will später dem Vernehmen nach Trainerin werden. Mjelde wäre vielleicht auch ein fähige. Und was ist eigentlich mit Baunach? Oder … Kein Ahnung. Aber Möglichkeiten gibt es da so viele, wenn man ein wenig kreativ denkt.

Bei Bayern wurde ja vor langer Zeit schon an dieser Stelle geschrieben, dass so ein Ausscheiden gegen Twente auch seine gute Seiten haben kann. Das mit den verbesserten Meisterschafts – Chancen hat sich als Folge davon auch umsetzen lassen. Das mit der Symmetrie-Justierung zwischen Offensive und Defensive dagegen steckt dem Anschein nach fest. Immerhin verbarrikadiert man zwar den eigenen Strafraum inzwischen seltener durch die Hereinnahme noch einer Innenverteidigerin – aber das Angriffsspiel ist so zerfahren und zerstückelt wie eh und jeh. Und nach einigen Monaten des Experimentierens wird die Befürchtung immer mehr zur Gewissheit: Das wird auch so schnell nichts mehr. Irgendwie zweifelt zwar niemand an den Fähigkeiten von Boquete zum Beispiel. Aber es "passt" eben einfach nicht. Warum und Wieso? Ob man die Frage noch beantworten kann? Oder ob eben andere probiert werden, die dann zufällig besser dazu passen? Oder nicht? Mal sehen. Lena Lotzen wird wohl eher passen, wenn sie wieder ihren alte Level erreicht. Und dann vielleicht noch Marta kaufen. Dann bräuchte man sich auch um kein System mehr bemühen. Wobei es schon schön wäre in der Bundesliga einmal Press oder Pugh als Spielerinnen auflaufen zu sehen. Sollte für Bayern machbar sein.

Spielerin des Spiels: Miedema

Klare Sache, auch wenn man ausser den Toren auch von ihr nicht viel zu sehen bekam. Da war sonst keine von Bayern auffällig genug, um das der Dreifachschützin streitig zu machen. Am ehesten wäre da vielleicht noch Landeka zu nennen, weil ihre Ballbeherrschung doch ziemlich auffällig ist. Vielleicht reichen ja schon einige Minuten, um ein paar gutgemeinte Vorschläge einzubringen: Positiv zu vermerken waren die Ansätze von Weiss, die wohl evtl auch hinten (oder dann Arnold/Rudelic) in die Startelf gehört. Das ist aber in Anbetracht der Kürze etwas spekulativ. Schon sicherer ist da die positive Bewertung für Falknor, die ebenfalls durch gute Ballkontrolle auffiel und bereits bei der Ballannahme oft gewusst hat, wie sie fortsetzen will, wo andere erst einmal den Ball gegen den Fuss springen lassen, um dann in einer Art Reaktionstest zu schauen, wo er wohl hinhüpft. Gute Spielerin, die sicher zumindest einigen anderen Bundesligisten weiterhelfen könnte.


Noten:
Bayern München:

Korpela: 5.5
Darf noch öfter fehlerfrei bleiben

Maier: 6
War schon spielfreudiger

Schnaderbeck: 6.5
Solide ohne hohen Schwierigkeitsgrad

Holstad: 6.5
Sicheres Abwehrverhalten

Abbe: 6.5
o.k

Lewandowski: 6
Diemal keine Torgefahr

Behringer: 6.5
Solide wie immer. Sehr aktiv

Boquete: 6
Nur eine Nebenrolle.

Rolser: 5.5
Immerhin unermüdlich.

Däbritz: 5.5
Aufmerksamer Einsatz beim Elfmeter

Miedema: 7.5
Für jedes Tor +0.5


USV Jena

Michel: 5
oder Längert?

Sedlackova: 5.5
Bemüht

Breitenbach: 5.5
Noch jung und mit Talent

Melhado: 5
Auch in der Ballbehandlung noch Luft nach oben

Percival: 6.5
Defensiv stabil auf ihrer Seite.

Rudelic: 6
Defensiv ok. Offensiv ausbaufähig.

Silva: 6.5
Extrem fleissig. Stört immer und überall.

Landeka: 7
Gute Kickerin.

Arnold: 6
Defensiv sehr ordentlich

Vonkova: 6
Arbeitet geschickt mit

Hearn: 5.5
Gegen Bayerns Abwehr sehen auch andere nicht viel Land

 


 

Links:

offizielle DFB-Daten:
dfb – offizielle Datenseite zum Spiel Bayern München – USV Jena

Video:
dfb.tv volles Spiel

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *