SC Freiburg – Bayern München 0:3 (0:0)

Vorgeschichte:

Der FC Bayern ist Meister. Eigentlich geht es bloss noch darum, die ungeschlagene Rekord-Serie auszubauen. Möglichst bis über das Saisonende hinaus. Der SC Freiburg vielleicht noch nicht da, wo er hin will und gemaess Budget wohl auch hingehören würde. Aber immerhin mit einer leichten Punktesteigerung gegenüber dem Vorjahr. Für beide, und als Aussenseiter wohl eher für Freiburg noch wichtiger, die Möglichkeit, vor dem Pokalhalbfinale ein letztes Mal feinzujustieren.

Headline: Souveränes Ende nach zähem Anlauf.

Letzte Woche wunderte man sich, warum Bayern mit dieser Angriffsleistung fünf Tore schiessen konnte. Das sah diese Woche immerhin etwas besser aus. Immerhin, weil doch die Tore diesmal alle per guter Einzelleistung erzielt waren. Andererseits war wieder keines herausgespielt. Wieder andererseits gab es aber herausgespielte Chancen. Wieder andererseits waren aber auch die begünstigt durch entgegenkommende Freiburger Spielweise.

Und deshalb war das Spiel schon wieder schwer einzuordnen. Wie auch gegen den VfL Wolfsburg im letzten Heimspiel ging der SCF völlig losgelöst und unkonzentriert in das Spiel. Hätte Bayern die übliche Kaltschnäuzigkeit gezeigt, so wäre auch hier ein 0:3 nach 15 Minuten möglich gewesen. Allesamt unforced errors aus unnötigen Ballhergaben von Freiburg vor dem eigenen Tor (Benkart, Clark, Schiewe) Und auch sonst spielte Freiburg genau wie gegen Wolfsburg einen seltsamen Mischmasch. Es war sehr interessant.

Aber der Reihe nach
Umgekehrt wie vor Wochenfrist, als Bayern mit starkem Beginn alles klar machte und danach die Partie verplätscherte, plätscherte diese ewig lange vor sich hin,

bevor Bayern mit Steigerung gegen Ende – oder war es das erneute Nachlassen vom SC Freiburg – alles klar machte. Ausser den genannten Anfangsvorlagen von Freiburg tat sich nämlich lange Zeit nicht mehr sehr viel vor beiden Toren. Aber auch nicht im Mittelfeld. Ein ziemlich planloses hin und her ergab sich und es war vielleicht bezeichnend, dass das Publikum mit am lautesten wurde – neben Foulentscheidungen – als Hegenauer einen Schuss in Richtung – ja was eigentlich? sagen wir Kurvenumrandung abgab – gut 10m am Tor vorbei. Aber ein wuchtiger Schuss Richtung irgendwo war schon ein Aufreger in dieser faden ersten Halbzeit. Hauptsächlich Iwabuchi sorgte ansonsten auf der Gegenseite noch für Aufregung. Einmal als sie schön auf Lewandowski durchsteckte, so dass diese frei aber vergeblich vor Keeperin Benkart auftauchte, und das zweite Mal als sie von Schiewe wie in der Zweitansicht doch ziemlich deutlich zu erkennen regelwidrig am Torschuss gehindert wurde. Nicht nur Elfmeter sondern dann auch rot – vielleicht letzlich zum Glück für Bayern durfte Schiewe weiter mitspielen. Auch Däbritz musste eigentlich das Tor machen. Allerdings kam der Ball, der ihr einen verhältnismaessig freien Torschuss aus elf Metern erlaubte vorher auch im Pingpong-Stil durch die Abwehr. Abbe hatte nach Standard eine erwähnenswerte Kopfballchance. Dazu brauchte sie allerdings nicht einmal hochspringen. Nicht so sehr aufgrund der Spielanteile, aber aufgrund der Chancen musste Bayern zur Halbzeit eigentlich mit zwei Toren führen und das Spiel schon gegessen sein. Aber die Bayern gingen noch nicht gewohnt effektiv mit ihren Chancen um.

Dafür spielte Schiewe auch nach der Halbzeit weiter die unglückliche Glücksfee. Einem weiteren Foul knapp von der 16er Kante an Miedema folgte noch ein ungewohnt ungefährlicher Behringer-Freistoss. Auch bei der Mauerstellung muss man darauf achten, dass sich ein Kommentar nicht zu deutlich anhört. Nehmen wir es eben mit Humor. Es wäre nämlich auch Anschauungsmaterial für Verbesserungsmöglichkeiten, wenn man aus dieser Distanz auch beim Frauenfussball nur 3 Mann in die Mauer nimmt, und die dazu noch aufstellt wie die Orgelpfeifen. Vielleicht war es aber auch ein revolutionäre Neuerung, die grösste in die Mitte zu stellen, um die kleineren in der Mauer per optischer Täuschung grösser aussehen zu lassen. Vielleicht wollte man Schützin Behringer mit dieser Art der Mauerstellung auch bloss verwirren, was ja vielleicht auch erfolgreich war – ihr schwacher Schuss segelte vorbei.
Weniger verwirrt reagierte Behringer dann allerdings ein paar Minuten später als sie ein weiteres Mal von Schiewe beim Versuch, den Ball aus der Gefahrenzone zu bugsieren fast mustergültig bedient wurde und den Ball aus gut 20m einmal mehr perfekt traf und unters Tordach nagelte. 0:1, und da man sich bis dato an keinen einzigen Schuss des SCF erinnern konnte, der gefährlich auf das Bayern-Tor kam, wars das eigentlich schon. Freiburg versuchte etwas mehr nach vorne zu unternehmen. Das Gefühl trog aber nicht, dass dadurch eher Bayern weiter würde davonziehen können, als Freiburg noch einmal zurückkommen. Es ist eben nicht häufig Nachspieltorzeit. Eine Kopfballchance im Anschluss an eine Ecke gab es noch. Der Rest war frei nach dem Stadionnamen Mösles Schweigen. So wenig kompakt sich die Defensive zeigte, so unkoordiniert waren auch die Freiburger Angriffsbemühungen gewesen, aber es war interessant zu sehen, wie eigentlich gute Spielerinnen ziemlich isoliert jede für sich nebeneinander her laufen können. Mit solchen Leistungen kann die Bayern-Defensive, die diesmal wieder auffallend intensiv ins Mittelfeld arbeitete, natürlich kaum in Gefahr gebracht werden. Eigentlich immer, aber besonders, wenn man schon selten genug vor das Tor kommt, muss man für den Erfolg aber auch etwas tun. Wie fahrig Freiburg an diesem Tag allerdings agierte, sah man auch, als sich doch einmal Schwächen in Bayerns Abwehr einschlichen. Ein nahezu abgewehrter Flankenball kullerte plötzlich frei vor dem Tor herum oder Abbe liess nach einem Freistoss eine Kopfballabwehr sehr spekuklativ zum Toraus durch. Da brauchte Schöne nur den Fuss hinhalten – hatte aber schon abgeschaltet und somit diese einfache Entscheidung falsch getroffen. Bei der Flanke entschied sich Magull zum Abschalten, statt auf genau ihre einzige Chance zu spekulieren, und auch sonst hatte sich weit und breit niemand entschieden mitzulaufen.
Und so war es für den SC Freiburg eigentlich die ideale Generalprobe für das Pokalhalbfinale, weil man so viele Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt bekam, dass man sie gar nicht alle auf einmal verarbeiten kann. Und normalerweise sind die Chancen dann schon gestiegen, das das nächste Mal besser hinzubekommen.
Bayern wird sehen müssen, wieviele Chancen der SC Sand wohl hergeben wird. Ein kleiner Platz sollte den Bayern dabei ideal in die Karten spielen.

Taktisches

Bundesliga-SCFreiburg-BayernMunchen
taktische Grundaufstellung

Bayern spielte vom System her ein schönes Beispiel, wie sehr diese (inzwischen schon wieder abgeflaute) Modeketten-Thematik gepusht wurde. Danke für das anschauliche Beispiel wie wenig Unterschied da unter Umständen bestehen kann, und dass das oft blosse Reissbrettspielchen sind. Die echte 3er Kette, die Bayern normal spielt wurde unvermittelt zur 4er Kette. Die 3 hinten nominell: Schnaderbeck – Holstad – Abbe. Dazu Maier als Offensive Aussenverteidigerin. Macht 4 hinten. Normalerweise kommt ebenso wie Maier Lewandowski über links noch dazu. Aber diesmal war sie eine volle, fast offensive  Mittelfeldspielerin. Dazu Iwabuchi und Behringer und gelegentlich Däbritz, während neben Miedema auch Rolser hauptsächlich in der Spitze agierte. Und so leicht gehts: Aus der 3er-Kette wurde ein 4.4.2. Es lassen sich aber sicher auch wesentlich coolere Umschreibungen dafür konstruieren.

Freiburg hinten mit Schöne – Schiewe – Clark. Aussen sehr defensiv Karl und Hegenauer, so dass man von einer 5er Kette sprechen kann. Davor Wagner und Zehnder als Art Doppel-6. Und vorne Starke, Kayikci und Magull, die öfter wechselweise noch in der Defensive mithalfen. 5.2.3 oder 5.2.3.0, weil ganz vorne war selten jemand. Man kam kaum zu stabilen Ballbesitzphasen im Mittelfeld, wo Bayern sogar offener agierte als normal. Ein interessanter Gegensatz zum Bayern-Spiel letzte Woche, als Jena mit starkem Mittelfeld dagegenhielt aber lediglich nicht nach ganz vorne gefährlich wurde.
Die vorderen 3 wurden so jeweils zur dankbaren Solo-Beute für die Bayern-Defensive, weil kaum jemand nachgerückt kam. Über die Flügel unterstützte Hegenauer die ersten 30 Minuten noch wenigstens sporadisch. Karl mehr oder weniger überhaupt nie, und Wagner und Zehnder auch seltenst.
So reichte Bayern einmal mehr das gewohnte Muster. Gutes und souveränes Defensivspiel ohne druckvolles Spiel in Ballbesitz. Aber immer individuelle Klasse genug, um irgendwann einen Fehler des Gegners zu nutzen.

Auffallend:

Anfangs der Saison hatte die Liga ja bekanntlich pötzlich das spinnen angefangen. Kein Grosser war mehr vor den Kleinen sicher, wie man es jahrelang gewohnt war. Man sah Entwicklungs-Chancen überall und durfte gespannt sein. War das nun nur ein kurzes Intermezzo und gehen wir wieder zurück auf Anfang? Oder sogar vor Anfang? Turbine Potsdam zum Beispiel scheint noch nicht einmal wieder zurück auf Anfang. Auf Anfang dieser Saison, wohlgemerkt. Und die Entwicklung sieht derzeit nicht so aus, als würde man auf den Stand einer herausragenden europäischen Mannschaft und eines möglichen CL-Siegers wie heute vor 2 Jahren so schnell wieder kommen. Gemessen an Bayern – dem einzigen konstanten Fixpunkt – scheint es aktuell so, als hätten die anderen in der Entwicklung nicht aufgeholt, sondern sind weiter zurückgefallen. Hinten stehen die Absteiger inzwischen wieder einmal so gut wie fest.
Das Jahr startete für das inzwischen wieder sehr kleine Hoffenheim in Frankfurt ja immerhin noch mit offenenem Feldspiel, allerdings ohne Chance auf einen Punkt. Aber auch Freiburg gegen Wolfsburg war kein Spannungs – Hit. Und wie ergebenst Jena und nochmals Freiburg nun Tore wegschenkten, erinnert an längst verdrängte Langweiler-Zeiten. Man wartet nur auf das erste Tor – und dann Danke, das wars.

Die Bayern Anfangsformation: Das war doch einmal eine hübsche Alternative. Statt einer zusätzlichen Innenverteidigerin jetzt Iwabuchi zusätzlich ins Mittelfeld. Ist man gar nicht gewohnt. Daher nehmen wir einmal an, das wird wohl anders geplant gewesen sein. Wir erinnern uns an Iwabuchi gegen Lyon. Auch auf der 6, oder was auch immer der Plan war. Auffallend war, dass Iwabuchi auch wenn sie da nicht spielen soll und eher selten auftaucht dann mehr gefährliche Offensivaktionen hatte, als die nominellen Angreiferinnen. Kommt man da nicht eigentlich unwillkürlich auf die Frage, warum die da Angreiferinnen spielen müssen, wenn die gute Mana schon von anderen Positionen aus offensiv offensichtlich mehr bringt? Vielleicht ist es bei Bayern ja auch so, dass man durch die vielen erzielten Tore denkt, man hätte eine funktionierende Offensive. Vielleicht denkt man auch, Iwabuchi ist auf der 6 gut aufgehoben. Vielleicht.

Fazit und Ausblick

Quo vadis, Freiburg? Die jahrelang immer wiedergestellte Frage. Das weilt inzwischen schon so lange, das es langweilt. Und auch darüber reden ist müssig. Es scheint, als müsste sich in dem Verein wohl Grundlegendes ändern. Ansonsten läuft es weiter, wie gehabt. Warten auf ein paar göttliche Eingebungen. Und ob die zufällig weiterhelfen? Wie das ins Pokalfinale reichen soll? Wer sich ein spannendes Pokalfinale wünscht, muss leider wohl sowieso hoffen, dass es für den SC nicht reicht, auch wenn man normalerweise den underdogs die Daumen drückt.

Und das ist natürlich auch das Pech der Bayern. Solange es reicht, die Liga damit derart zu dominieren. Aber natürlich will Bayern keine Überraschung a la Twente in der CL mehr erleben. Nur ist eben die Art und Weise wie Jena und Freiburg den Bayern den Sieg hinterhergeworfen haben nicht dazu angetan, Bayern zu Änderungen im Offensivverhalten herauszufordern. Mal sehen, wie lange das noch so weitergeht. Wobei sich ja diese Saison mit nur noch 5 Spielen sowieso nicht mehr allzuviel Möglichkeiten ergeben.

Spielerin des Spiels: Lewandowski

Dafür braucht man nicht lange zu überlegen. Einzig das Tor fehlte als i-Tüpfelchen auf eine erstklassige Leistung, dass sie allerdings in Halbzeit eins 2mal fast schon machen musste. Aber nicht nur in typischer Lewandowski-Manier war sie zur Stelle, um als Aussen im richtigen Moment innen aufzutauchen und für Torgefahr zu sorgen, sondern auch als stetige Anspielstation und Ankurblerin aus dem Mittelfeld in Maier-Manier. Nur eine auffallend starke Dribblerin wird sie wohl nicht mehr, was ihr aber zumindest bei Chance 2 auch hätte helfen können.
Ansonsten spielten die üblichen Verdächtigen bei Bayern meist üblich solide. Bei Freiburg viel mit Abstrichen Schöne auf. Auch Zehnder hatte man so ein positives Spiel nach den vielen misslungenen Fernsehauftritten einmal gegönnt. Sie ist noch jung und hat daher grosse Chancen, körperlich noch zuzulegen. Muss sie aber auch. Hoffentlich sucht und findet sie jemanden, der mit ihr an der Handlungsschnelligkeit arbeitet.
Noten:

SC Freiburg:

Benkarth: 6
Lichte Plus-s und Minus-s in der Waage

Karl: 6
Ordentliche Abwehrleistung

Hegenauer: 6.5
Immerhin engagierter.

Schiewe: 5
Die Beweglichkeit trainieren bitte.

Clark: 6
Defensiv soweit ok. Aber Spielaufbau üben.

Zehnder: 6.5
Talentiert und verbessert

Schöne: 6.5
Beste Freiburgerin

Wagner: 5.5
In der Vorrunde Spielerin des Spiels. Nun zaghaft und ängstlich.

Kayikci: 5.5
Ohne Effekt, und ohne die richtigen Ansätze dazu.

Starke: 5.5
Bemüht.

Magull: 6
Etwas geschickter als die Kolleginnen vorne

 


 

Bayern München:

Korpela: 5.5
Darf noch öfter fehlerfrei bleiben

Maier: 6
War schon spielfreudiger

Schnaderbeck: 7
Sehr souverän und umtriebig

Holstad: 6.5
Sicheres Abwehrverhalten

Abbe: 6.5
o.k wie immer

Lewandowski: 8
Diemal keine Torgefahr

Behringer: 6.5
Solide wie immer. Sehr aktiv

Iwabuchi: 6.5
Nur eine Nebenrolle.

Rolser: 5.5
Grosser Laufeinsatz.

Däbritz: 6.5
Starke Steigerung zum Schluss

Miedema: 6.5
Für jedes Tor +0.5


 

Links:

offizielle DFB-Daten:
dfb – offizielle Datenseite zum Spiel SC Freiburg – Bayern München

Video:
dfb.tv volles Spiel

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *