AFBL Frauen Fussball Bundesliga Vorschau2 2016/17 (in deutsch)

Bundesligavorschau Teil2

kommt in deutsch weil es Detailkenntnisse voraussetzt, mit denen internationale (englische) Leser wohl eher weniger anfangen können. Allgemeineres im englischen Teil1.

Weil die Begeisterung doch mehr der Ernüchterung gewichen ist, haben wir ja die Anzahl der Posts über die AFBL schon länger etwas reduziert. Es war trotzdem interessant zu verfolgen, welche Auswirkungen die teilweise Professionalisierung der Liga hatte. Wie die breite Masse der Spielerinnen durch das tägliche Training folgerichtig besser geworden sind. Und sich daher mittlerweile auf breiter Front vor allem athletisch auf Augenhöhe der Topspielerinnen erwehren kann.
Aber das ist inzwischen bereits Schnee von gestern. Wer gemeint hatte, damit sind die Grundvoraussetzung nun gut, fussballerisch etwas mehr anzufangen, sieht sich noch nicht bestätigt. Wenn man früher Männertrainer gefragt hat, ob die sich eigentlich auch vorstellen könnten, Frauenteams zu trainieren, dann bekam man öfter dieses “da kann man fussballerisch doch nicht viel anfangen” als Antwort. Und damit war so in etwa gemeint, dass man im Training nicht Ballstoppen trainieren mag. Inzwischen könnte man, aber es hat leider trotzdem derzeit noch nicht viel angefangen. Ein neues Beispiel die Olympiade. Statt mehr anzufangen, ist Catenaccio gefragter denn je. Und das deckt auch noch gnadenlos viele Schwächen auf. Es soll sogar letzte Saison Bundesligaspielerinnen gegeben haben, die Stolz darauf waren, auswärts bei einer Spitzenmannschaft ausgekontert worden zu sein. Da mag sicher die Herangehensweise eine andere sein. Aber dann braucht man sich trotzdem nicht zu wundern, dass so mancher verwundert verstärkt woanders schaut. Wobei das allerdings auch wieder so schräg ist, dass es schon wieder interessant ist.
Und man wartet auf standby hier und da noch interessiert, ob jemand vielleicht doch smart genug ist, nun etwas anzufangen. Leider ist aber wohl das Gegenteil viel häufiger, variantenreicher und interessanter zu beobachten: Wie man bewerkstelligt, aus diesem neuen Leistungslevel der Spielerinnen nicht mehr Kapital zu schlagen.

So ist diese Saison auch das Augenmerk darauf gerichtet, ob vielleicht doch irgendjemand eine ähnliche Steigerung vollbringt, wie der SC Sand letztes Jahr. Vom Abstiegskandidaten, dem dazu noch wichtige Spielerinnen weggelotst wurden, zum zwischenzeitlichen Spitzenteam. Allerdings war das die einzige wenigstens zeitweise positive Ausnahme (eventuell könnte man Werder Bremen noch dazunehmen) Dagegen gab es, seien wir einmal so frei, teilweise haarsträubende (und das ist jetzt keine dahingeworfene Floskel) Verschlechterungen. Und man fürchtet eher, die Verschlechterungen – insbesondere unter den ehemaligen Grossen – könnten weiterhin nur marginal korrigiert werden. (Oder ist es vielleicht immer noch zu anspruchsvoll, wenn man auf Korrekturen hofft? Vielleicht sollte man zufrieden sein, es fällt niemandem etwas ein, dass es noch schlimmer wird)

Bayern München ist wieder Top-Favorit.

Relativ. Vielleicht hauptsächlich wg Vivianne Miedema. Wenn die sich verletzt, ist Wolfsburg noch mehr auf einer Stufe. Aber Wolfsburg ist seit dem “dream team” 2013 auf der Suche nach gutem Angriffsspiel doch noch relativ stark damit beschäftigt, den Knopf zur Zündung der zweiten Raketenstufe freizuschalten. Raumaufteilung, Spiel ohne Ball, Kombinationsspiel ist teilweise immer noch nicht weit über Versuchsstadium, wirkt immer noch mehr geschüttelt als gerührt. Und bei den Versuchen, Yuki Ogimi oder Ramona Bachmann irgendwie anzudocken, scheint man den Zünder ganz verloren zu haben. (Nur böse Zungen würden vermuten, aus diesem Grunde wurde Anja Mittag jetzt als Spätzünder verpflichtet) Auch da weiss vielleicht niemand so recht, wo es eigentlich hin soll. Ein oder zwei Kopfbälle pro Saison von Alex Popp, Ballrückeroberungen, und hauptsächlich Solo-Aktionen von Caro Hansen sind die zusammenhanglosen Einzelteile, die meist den völligen Flop (Nichtteilnahme CL-League) verhindern mussten. Am letzten Spieltag bis kurz vor Schluss daheim gegen den schon abgestiegenen 1.FC Köln sich zur CL-Teilnahme durchzuzittern, spricht für sich.
(Randnotiz: Für das aktuelle Zwirbelzünd-System des VfL Wolfsburg ist Anja Mittag als passende “Sofortlösung” uU tatsächlich keine schlechte Wahl. Allerdings weniger für nachhaltige Langzeit-Verbesserungen).
Diese Probleme werden aber häufig gerade von Anhängern des Frauenfussballs gerne ausgeblendet. Um sich dann zu wundern, warum Zuschauerzahlen und TV-Interesse trotz Massiv-Werbung und Olympiasieg immer noch eher rückläufig sind.

Und das sieht bei Bayern auch nur bedingt besser aus. Ebenfalls Raumaufteilung, Spiel ohne Ball und Kombinationsspiel oft ein ideales Beispiel für Nachwuchsmannschaften, wie man es nicht unbedingt machen sollte. Ersetze die Kopfbälle von Popp durch gelegentliche Weitschüsse von Melanie Behringer. Ballrückeroberung in vorderster Front auch eher weniger, weil Popp eine Rückeroberungsspielerin ist, Miedema und Däbritz (die aber immerhin zunehmend) weniger. Stattdessen eher ab und zu noch gute Abschlussaktionen von Däbritz. Und den Einzelaktionen von Hansen entsprechen bei Bayern die Torabschlüsse von Miedema. Und da die eben ihre Stärke direkt vor dem Tor hat macht sie in der Offensive den kleinen Unterschied zwischen den Teams. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Bayern fast noch seltener brauchbar in den Strafraum auf die Mittelstürmerposition spielt als Wolfsburg, Miedema aber selbst aus dem wenigen, mit dem sie auskommen muss, eben noch viel herausquetscht. Dass sie daher in wichtigen Spielen wie in Frankfurt auch schon einmal von Anfang an auf der Bank bleibt, hätte man anfangs auch mit besonderen und nachvollziehbaren Gründen in Verbindung gebracht. Inzwischen vermutet man, dass man in der AFBL manche Dinge besser einfach unbegründet stehen lässt.

In der Abwehr sind beide personell vergleichsweise weniger super-top aufgestellt, was die Qualität der Einzelspielerinnen anbelangt. Je nach Blickwinkel. Bayerns häufig gespielte 3er Kette Abbe – Holstad – Schnaderbeck ist auch nicht die stabilste. Sah aber meist besser aus durch den Flankenschutz Maier – Lewandowski und den 6er Raum Schutz von Leupolz und Behringer und die allgemein sehr tiefe Spielweise gegen gute Gegner. Da wurde dann von einer tollen 3er Kette gesprochen. Immerhin sehen Bayerns Neuzugänge eher danach aus, als wären sie begründete Ergänzungen zum Kader. Aber wer zum Beispiel Vero Boquete nicht eingliedern kann, weil er eher bevorzugt gegen als mit dem Ball spielt. Und wer lieber Melanie Behringer in den Mittelpnkt stellt, die seit der WM in Kanada in der N11 konstant bewiesen hat, was ihr zur absoluten internationalen Spitze fehlt, die Vero Boquete verkörpert. Bei dem wird man nun abwarten müssen, ob er diesmal aus besseren Einzelspielerinnen ein besseres Team hinbekommt. Interessant wird in dem Zusammenhang sein, wie sich Anna Gerhardt einfindet. Trotzdem muss man aber gerade Behringer nochmals zum grossen Erfolg beglückwünschen, für den sie seit 2 Jahren hart gearbeitet, und sich athletisch noch einmal stark verbessert hat. Und es findet auch nicht jeder den richtigen Zeitpunkt zum Abschied, und so mancher wird zur Last.

Bei Wolfsburg weiss man ja heute schon gar nicht mehr genau, wer eigentlich alles wann und wo da hinten spielen sollte. Gezielte Versuche sollte man positiv sehen. Manchmal sah es aber eher nach durchwechseln gemaess der Methode try and error aus. Da wird das weitere Vorgehen aber wirklich spannend zu beobachten. Und auch da ist die individuelle Qualität der Einzelspielerinnen auf den Innenverteidigerpositionen erstaunlich überschaubar im Vergleich zum Rest, selbst nachdem Nilla Fischer sich aus einer grossen Leistungsdelle zuletzt wieder ganz gut befreit hat. Geholt hat man dafür erstaunlicherweise niemanden. Ob man allerdings gemerkt hat, dass die möglichen Alternativen vielleicht weniger Goessling und Peter, sondern eher versuchsweise Boussaglia, Popp, Gunnarsdottir, oder Bernauer heissen? Manchmal sieht es ein wenig aus, wie wenn jemand 4 gleichfarbige Kugeln in 4 Aussparungen legen soll; das aber mit verbundenen Augen und aus einem Vorratsbehälter mit Kugeln aus drei verschiedenen Farben, wo er jedesmal bis zu 2 tauschen darf. Dann hat er einmal 3 gleichfarbige geschafft und ist somit dem Ziel schon ganz nahe – tauscht im nächsten Schritt aber wieder 2 davon aus – Pech gehabt.

Dahinter wird es eng
Vielleicht. Oder auch nicht. Weil man auch da eher nur erahnen kann, was dem ein oder anderen Club einfällt – oder nicht. Erwartungsfroh hat man inzwischen eher gelernt, ist in der AFBL meist mit Enttäuschung verbunden. Trainer Alexander Fischinger und der SC Sand haben sicher auch nicht alles richtig gemacht, aber an diesem Beispiel hat man gesehen, dass mit einem guten Team-Management auch ein “Hinterbänkler” der fast abgestiegen war, in der Folgesaison Bayern rauskegeln und mit Wolfsburg gut mithalten kann. Auch da stellt sich die Verständinisfrage. Also, ob man das wenigstens verstanden hat, und wenigstens versucht ähnliches zu tun. Die Befürchtung ist, dass eine solche Verbesserung eine halbjährige Eintagsfliege bleibt. Lieber nicht zu viel erwarten, vielleicht gelingt ja jemandem eine positive Überraschung.
Denn auch wer gehofft hatte, das nimmt man hier oder da wahr, und lässt sich davon motivieren ähnliches zu versuchen, sieht sich schweren Herzens als zu erwartungsfroh von der Realität eingeholt. Das zeigen schon die Neuverpflichtungen. Bei Sand kann man immerhin ansatzweise sehen, dass man ansatzweise versucht, bei den Spielerinnen-Neuverpflichtungen ansatzweise ähnliches zu bewerkstelligen. Man ist ja für den Versuch schon dankbar. Ob das allerdings damit etwas wird, dass man zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit einen aktiven Ex-Buli-Coach verpflichtet? Zuvor schon war es – erwartungsgemaess – bei Koutroubis und Kahlert reichlich schief gelaufen. Und nur das (nennen wir es relativ) “neue Gesicht” Fischinger brachte Zugewinn. Das Bäumchen-wechsel-dich Trainerkarussell in der Frauenbundesliga scheint zu bestätigen, dass neue Köpfe mit neuen Ideen nicht sehr gefragt sind. Je nach Grenzgenauigkeit kann man sagen, es gab in den letzten 3 Jahren nur 3 “neue Köpfe” bei allen Bundesligisten zusammen. Auch wenn man über die wirren Trainerwechseleskapaden im Männerfussball schmunzelt, braucht man sich hier über festgefahrene Schienen nicht zu wundern. Colin Bell hat sich seit seiner Zeit in Bad Nauenahr sicher positiv weiterentwickeln können und auch beim 1. FFC viel dazugelernt. Vielleicht wird er also besser als die zwei K’s agieren. Ob er allerdings in die Nähe der Erfolge von Fischinger kommen kann, hängt davon ab, wie er sich in Sand taktisch beraten lässt.

In Essen hängt auch alles vom Trainer ab. Der unglaublich menschlich und sympathische wirkende Markus Högner hat einen tollen neuen Job gefunden, der ihm zu gönnen ist. Er ist als Co auch viel besser aufgehoben. Denn leider war das nicht nur taktisch höchst ausbaufähig, sondern auch von der individuellen Entwicklung der Spielerinnen kaum noch suboptimal zu nennen, was sich die letzten Jahre in Essen abspielte. Wenn man die Mannschaft auf ein gesundes Fundament stellen würde, eine solide Abwehr, und dann die Offensivpower sinnvoll und konstant einsetzt, könnte man vielleicht sogar um den Titel spielen. Nun kommt ein ebenfalls sympathisch wirkender Trainer aus Jena. Allerdings war das bezüglich defensiver Stabilität die einzige Mannschaft der Liga, die genauso ausbaufähig wie Essen agierte. Drücken wir Essen die Daumen, dass es der neue Trainer diesbezüglich besser beraten sein wird.

In Potsdam hängt auch viel vom Trainer ab. Nach 40 Jahren Einzelherrschaft, die nicht nur in der Politik meist völlig marode Strukturen hinterlässt, soll nun endlich die Wende zum besseren gelingen. Natürlich sehr schwer, wenn man in einem Verein übernimmt, in dem kritische Stimmen (oder Konversation generell) seit Jahren abgeschafft und durch Herrschaftsmonologe ersetzt wurden oder bestenfalls zur Alibifunktion herhielten. Aber hochinteressant zu sehen, wie lange man nun brauchen wird, um sich davon zu erholen. Sportlich gesehen hat diese Politik von der europäischen Spitzen-Mannschaft von vor 2 Jahren fast alle verdrängt und nur noch Bruchstücke übriggelassen. Aber trotzdem hat der Verein natürlich die breiteste Basis in Deutschland und sollte daher über kurz oder lang auch wieder eine führende Position einnehmen können. Aber mit dem sportlichen Einbruch hat man auch an Renomme verloren. So dass der ehemalige Vorteil, ehrgeizige Spielerinnen zu bekommen, die in Deutschland ganz vorne mitspielen wollen, sich nun zum Problem entwickelt. Wer um die Spitze spielen will, muss eben inzwischen woanders hingehen. Letztes Jahr wollte man das wohl durch einen finanziellen Kraftakt bei den Neuverplichtungen ausgleichen, und holte u.a. namhafte deutsche und australische Internationale. Nun reicht das Geld eben “nur” noch zu Spielerinnen die in der Schweiz und Österreich die allererste Linie (noch) nicht ganz erreicht haben. Das muss aber nichts heissen und kann trotzdem gute Spielerinnen bringen, wenn man es richtig macht. Der SC Sand lässt grüssen. Vielleicht brauchen aber Sarah Zadrazil und Eseosa Aigbogun noch etwas Zeit.

Da aber auch von der Konkurrenz um Platz3 keine Wunderheilung zu erwarten ist, bleiben die Chancen darauf intakt. Apropos Heilung. Viel Bedeutung kommt der Genesung von Johanna Elsig und (vielleicht hoffentlich ja doch noch) Bianca Schmidt zu. Die beiden sind, wenn fit, vielleicht die besten Abwehrspielerinnen der Liga. Zusammen mit der besten Torhüterin der Liga (s. hier)  liesse sich dann darauf schon etwas aufbauen. Nach vorne wird es aber folgerichtigerweise schwieriger.
Während in der Zeit der Alleinherrschaft die Abwehrarbeit noch einigermassen zeitgemaess blieb, war man im Offensivspiel immer gefangen im Stil der Gründerzeit. 3 Stürmerinnen die sich eben im 1:1 irgendwie durchsetzen mussten und dahinter eine “10” zum befüttern. Schade eigentlich, dass das jetzt vorbei ist. War wie ein Stück Geschichte zu sehen, wie alt die alten Systeme aussehen, wenn sie auf die Gegenwart treffen.
Da brauchte man schon sensationelle Einzelspielerinnen wie Simic, Hegerberg und Bremer, Elsig und Wälti und Evans um damit gegen Lyon zu bestehen, und hinten Mjelde und Kemme. Alles Namen aus dem who is who des Frauenfussballs, die man mehr oder weniger aktiv vertrieben hat. Aber interessant.

Ob Gladbach die Liga wieder wie in fast vergessenen Zeiten zur 11er Liga plus Zusatztruppe macht, wird sich zeigen. Wirkt aber auch da nach aussen unterschwellig eben eher negativ eingestellt gegenüber dem Frauenfussball. Marke: Ja klar, machen wir – aber interessieren tut es niemand. Ganz zu schweigen dafür mehr als einen beschämenden Bruchteil der eigenen vorhandenen Ressourcen einzusetzen. Frauenfussball muss damit zufrieden sein, unseren Namen und unsere Plätze zu nutzen, die indirekt sowieso der Steuerzahler finanziert hat. Seien wir also mal auch da lieber nicht zu erwartungsfroh. Trotzdem stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. Ein Trainer, der aus einer Truppe, die hinter Hoffenheim 2 lag, ohne grosse Verstärkung eine bundesligataugliche macht, das hätte doch mal was.

Ansonsten ist hinten wohl eher die Frage nach dem zweiten Absteiger interessant. Alle Aufsteiger haben es schwer. Duisburg auch. Der DFB will sich über Reformen der Liga 2 Gedanken machen, um den Abstand zu verringern. Positiv. Was dabei raus kommt und ob es hilft wird man sehen. Ob Jena es schafft, hinter Duisburg zu kommen, auch. Ansonsten wäre das am ehesten noch Leverkusen zuzutrauen, insbesondere wenn Turid Knaak immer noch nicht wieder eingreifen kann. Hoffenheim und Frankfurt, wenn sich Schlüsselspielerinnen verletzen.

 

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