2 TV-Livespiele am 1. Spieltag – Eine Nachbetrachtung

2 Live-TVSpiele am 1. Spieltag – Eine Nachbetrachtung

Bayern München – SC Freiburg 1:1 (0:0)

Headline: Muster ohne Wert?

Erste Spieltage bringen oft seltsame Spiele zustande. Man ist vorsichtig, muss sich erst wieder an den Liga-Rhythmus gewöhnen, den kein Vorbereitungsspiel richtig ersetzen kann. Dafür ist man natürlich besonders voller Vorfreude, dass es endlich wieder losgeht. Und die mentalen und physischen Energiespeicher sind voll.
Normalerweise kommen personelle Veränderungen und Anpassungen an neue Mitspieler noch hinzu. Das waren aber mit jeweils nur einem neuen Startgesicht (Verena Faisst und Caro Simon) hier extrem wenig.
Aber. Die mentalen Speicher bei den Olympia-Spielerinnen waren erkennbar und verständlich angezehrt. Und das wird unter Umständen noch ziemlich lange die Frage sein, wann deren Erholung abgeschlossen ist. War fast ein wenig verwunderlich, dass alle von Anfang an gespielt haben. Aber ob eine Pause nötig ist, sieht man natürlich nur im Training und aus der Nähe.
Dennoch: Das war das beherrschende Thema des Spiels, das somit ein Muster ohne viel Wert darstellt. Den Bayern sah man an, dass es einigen manchmal schwerfiel, den Freiburgerinnen, dass sie sich seit Wochen auf dieses erste Spiel beim amtierenden Meister freuen.

Und entlang dieser unterschiedlichen Voraussetzungen entwickelte sich auch noch ein völlig verkehrtes Spiel. Freiburg machte ähnliche Fehler wie einige Olympiateams. Wurde dafür aber im Gegensatz verkehrterweise mit Glück belohnt. Viel zu zaghaft. Viel zu sehr auf Toreverhinderung bedacht. Erst als man musste sah man, dass wenn Freiburg nach vorne Gas gab, durchaus auch Chancen entstanden. Das ist dann oft aber bereits zu spät. Manchmal hat man aber das Glück und es reicht.

Dabei hatte man vorher gemerkt, dass die 3er-Reihe nicht Freiburgs Stärke war. Bayern spielte selten mit viel Akkukraft nach vorne, wobei vor allem über rechts sich Maier sehr zurückhielt. Bayern konnte aber dennoch gefährlich werden, weil die Freiburger Linie viel zu leicht zu überwinden war. Behringer nutzte Puntigams Unachtsamkeit in der Anfangsphase zu einem satten Schuss. Miedema scheiterte knapp per Kopfverlängerung nach hoffnungsfrohem Langball. Einmal spielte sich Bayern auch schnell mitten durch das Zentrum – Lewandowskis Schuss fehlte die Stürmerschule und die Höhenjustierung. Aber wenige Minuten später musste sie das Tor machen als ihr ein unmöglicher Abpraller von Benkarth und Schöne frei vor dem Tor vor die Füsse sprang.
Auch das war verkehrt: Bayern machte nicht viel nach vorne – Hatte trotzdem Riesenchancen – Aber verfehlte.

Das wurde in Halbzeit 2 noch verkehrter. Da gab es einen verkehrten Elfmeter, den Bayern dann nutzte. Kein kann-Elmeter. Wenn, dann Foul an Gwinn. Sonst meist gut geleitet. Aber die Elfmeter verkehrt. 1:0 Aber wieder konnten die Bayern nicht nachlegen. Und als Freiburg spät öffnete, kamen die plötzlich auch zu Chancen. Erst blieb ihnen noch der Elfmeter versagt. Und dann machten sie ein verkehrtes Tor. Spielerisch gut durchkombiniert über rechts – da hat Jobina Lahr spielerisch gut Druck gemacht nach ihrer Einwechslung. Bayern schaltete wohl schon auf Ecke, als Giulia Gwinn den Ball Richtung aus trudeln liess. Da sagte sich Lena Petermann, mache ich doch lieber schnell vorher noch eine überraschende Flanke aus geringerer Entfernung. Hasret Kayikci hatte mitgespielt und eingeköpft. Eine Chance gab es noch für Sara Däbritz. Die hatte sie aber auch auf dem rechten, sonst wäre wohl mehr rausgesprungen. Es blieb beim nicht gar so verkehrten 1:1. Weil Bayerns Tor ziemlich irrgulär war – man aber trotzdem hätte gewinnen müssen, gemessen an den sich bietenden Chancen.

Wir wollen auch das vielleicht noch einmal hier beschreiben. Sandra Starke ist eine relativ schnelle athletische Stürmerin, die auch für Top-Abwehrspielerinnen gefährlich ist, wenn sie mit Schwung auf das gegnerische Tor ziehen kann, weil sie über ein sehr gutes Tempodribbling verfügt. Was sie weniger gut macht, ist ihren Körper einsetzen und mit dem Rücken zum Tor von hinten ankommende Zuspiele zu sichern oder sich aus engen Situationen herausdrehen. Solche Situationen sollte man ihr im Spiel schlicht verbieten und mit ihr im Training üben. Sie braucht Bälle in den freien Raum zum Hinterhergehen, oder aus der Tiefe mit Anlauf kommen. Daher uU ( je nach Abwehrfähigkeiten) auch Aussenbahnspielerin.
Hasret Kayikci ist technisch viel stärker, aber vielleicht nicht ganz so schnell und athletisch. Wahrscheinlich aber in der Ausdauer stark, und sollte auch noch mehr ohne Ball laufen. Sie kann flache Bälle mit dem Rücken zum Tor sehr gut verarbeiten. Könnte aber auch gut im Mittelfeld spielen. Wenn Spielertypen wie Starke/Kayikci das Sturmduo bilden muss immer Typ Kayikci den ersten Ball aus der Tiefe bekommen und verarbeiten und Typ Starke in dem Moment den Sprint in den freien Raum zum Anspiel suchen.
Aber Giulia Quinn und (bald?, oder jetzt schon) Klara Bühl sollten im Offensivspiel auch eine grosse Rolle spielen. Lena Petermann hat einmal mehr eine wichtige Rolle gespielt, weil sie clever gespielt hat. Als Stürmerin dann top, wenn viele Bälle in der Box unterwegs sind, wo man clever schalten kann. Nicht als Konterstürmerin. Und auch auf der 6 und in der Innenverteidigung bringt diese Fähigkeit oft mehr. Sollte man bei Freiburg vielleicht einmal probieren, ob sie die 3er Kette verstärken könnte.

Spielerin der Spiels: Giulia Gwinn
Sicher auch, weil niemand überragend gespielt hat. Und weil man von ihr noch nicht so viel erwartet und daher schon positiv überrascht ist, wenn sie ein wenig besser spielt als die Olympiasiegerinnen. Aber man sieht die Steigerung alle 6 Monate. Und nun also das häufige Problem, wenn man mit den Jungs gross wird. (Was sonst gut ist) Man ist einfach nicht gewohnt, mehr die Initiative zu ergreifen und Spielzüge zu lenken und hält sich zu sehr abwartend am Rande des Spiels auf als aktiv den Ball zu fordern.

MSV Duisburg – SGS Essen 0:3 (0:1)

Gut zu sehen, dass Inka Grings gelernt hat, dass ihre damalige mutige Ruhrgebiet Nummer1 Äusserung ein (verzeihlicher) Anfängerfehler war. Wurde ihr später um die Ohren gehauen. Und nun schlägt sie diesbezüglich moderatere und cleverere Töne an. Aber vielleicht war dennoch der ein oder andere Fan enttäuscht zu sehen, dass da doch ein gewaltiger Unterschied herrscht. Man musste aber sowieso davon ausgehen. Und der Unterschied war nicht grösser als erwartet. Im Gegenteil. Eher besser als Köln letzte Saison. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass man mit Stefanie Weichelt und Sofia Nati (warum eigentlich die?) die beiden stärksten Offensivspielerinnen noch in der Hinterhand hat.

Beim 0:1 hat man sich im Strafraum gegen Linda Dallmann zu grün hinter den Ohren angestellt. Und auch beim 0:3 durfte Jacqueline Klasen zu leicht die Duisburger Verteidigung passieren. Schon lange her, dass uns die als eine Art “Mini-Bremer” auffiel (noch vor dem Blog-Start, vor allem im Pokalendspiel). In der Zwischenzeit hat sie gut weiterentwickelt, ihre gute Beschleunigung besser im Tempodribbling einzubringen. Und in Sachen Körpertäuschung ist sie sogar inzwischen mit in der Bundesligaspitze. Kann sich inzwischen Pauline Bremer was abschauen. Duisburg aber wird diese Fehler schnell besser in den Griff bekommen. Gewöhnung an Liga 1.

Lea Schüller hat auch die Chance vor dem 2:0 wieder verdaddelt. Passiert ihr leider noch zu häufig. Sie hebt den Kopf und schaut in die Mitte, ob ein Abspiel möglich ist. Das zeugt von Spielintelligenz. Aber schon die Annäherung an den Ball beim Abschluss ist nicht gut. Keine Täuschung, um die TH irgendwie zu locken. Stattdessen ein telefonierter Passierschussversuch in suboptimaler Körperposition und falsch angestelltem Fuss, so dass eine schnelle Änderung in letzter Sekunde kaum möglich ist. Und so stimmt dann weder Höhe noch Richtung. Das sieht man öfter. Wer aber auf die Details achtet, stellt fest, dass in dem Fall idR dann unberechnete Ballbewegungen wie bei unebenem Platz oder der Körperkontakt mit dem Gegner ausschlaggebend sind, der einen dabei aus der Position bringt, was hier beides nicht der Fall war. Da bleibt also auch noch einiges weiterzuentwickeln, denn selbst ein guter Passierschuss wird manchmal von der TH noch blockiert. Dabei hat sie athletische Voraussetzungen, wie beim ersten Tor zu sehen, wie kaum eine Zweite. Aber du weisst eben nicht in der AFBL. Trainiert es niemand richtig mit ihr? Schwer zu glauben. Aber immer noch eher, als dass sie nicht mehr Talent für solche Situationen entwickelt, nachdem sie inzwischen auch schon ein ganzes Weilchen jeden Tag gegen den Ball tritt.

Was dagegen beim MSV grundsätzlich mangelte, war das Spiel nach vorne. Ein Problem auch, dass man keine extrem schnelle Konterstürmerin hat, die ein Tor mit wenig Unterstützung machen kann. So muss man wohl viele Tore durch Team-Arbeit herausarbeiten. Das Problem hat der USV Jena und andere aber wohl auch.

Interessant auch, einmal wieder den Rezeptbuch-Schablonenaufbau mit der fallengelassenen 6 zwischen den beiden Innenverteidigerinnen zu sehen. Wu hat das wirklich ordentlich gespielt. Sie kann es sich leisten auch in engen Situationen mutig zu spielen aufgrund guter Ballbeherrschung. Und auch das Forechecking war in Hz1 ziemlich ok. Klar. Konnten sie in Liga2 oft üben. Und die Essener Löcherabwehr hat auch der neue Trainer nicht abgeschafft (man musste es befürchten). Im Gegenteil. Hier wäre tatsächlich aufgrund der Personallage die 3er Kette eine Alternative, und zwar eventuell mit Gidion in der Mitte. Wobei man die allerdings leider fast gar nicht mehr sieht, und auf frühere Eindrücke zurückgreifen muss. Stellvertretend für den Zufallsgenerator AFBL. Bei der U20 WM eine der Besten. Sogar in die A-Nationalelf gehypt, was allerdings auch übertrieben war. Nun in Essen gegessen. Hoffentlich nicht für immer.
Aber die Löcherabwehr blieb wohl wieder einmal unbemerkt, weil am Ende ein 3:0 stand. Wenn man schon immer gewohnt war, die Komponenten eines Spiels zu beobachten und aufzunehmen, braucht man lange, um zu realisieren: Nein, es ist tatsächlich so, dass viele bei einem zu Null eben generell nur eine gute Abwehrleistung erkennen, und keinen Grund für Verbesserungen sehen. Wie schwarz und weiss, und grau gibt es nicht. Alles ist paletti, bis zum nächsten Schock, wenn es schief geht. Dann denkt man: Eintagsfliege, alles wieder gut. Und beim nächsten Schock wird reagiert, und mehr oder weniger wild durchgewechselt. Und das Spiel beginnt von vorne. Wie in Essen zumindest seit es dfb-tv gibt.

Dabei fiel auch dem Kommentator auf, dass Essen zwar überlegen war, bis zum 0:1 aber eher Duisburg die besseren Chancen hatte. Auch das einmal mehr ein wunderbares Anschauungsbeispiel für alle Altersgruppen, wie man vermeiden sollte, dem unterlegenen Gegner zu so vielen Chancen zu verhelfen. Auch Nina Brüggemann konnte man noch nicht oft im SGS-Dress sehen. Sie blieb erfreulicherweise aber erneut weitestgehend fehlerfrei. War nur auch gerade mit in der Pause, als die komplette Essener Abwehr von einem langen Ball überspielt wurde, und die alleine frei durchgewesene Duisburger Angreiferin zu Unrecht wegen abseits abgewunken wurde. Da hatte die Schlafeabwehr selbst die Linienrichterin erfolgreich geblufft.
Auch Jana Feldkamp wirkt mitunter nicht so munter. Als sei sie nochmals gewachsen, und daher koordinativ etwas stehengeblieben. Hoffentlich arbeitet man mit ihr ständig an der Reaktions- und Aktionsschnelligkeit, und meidet jegliche Übungen in langsamen Tempo. Denn die braucht man, wie auch Sara Doorsoun, wenn man die Grossen ärgern will. Eine Linda Dallmann alleine ist dafür nicht genug, selbst bei 4 weiteren “-männern” in der Startelf.

Spielerin der Spiels: Linda Dallmann
Und auch hier. Bitte nicht wegen ihres Nachschuss-Tores! Das war nicht gut gemacht, und ein Beispiel dafür, dass sie immer noch daran feilen kann, Ihre Technik im richtigen Moment mit mehr Effektivität zu kombinieren. Aber bei so einem Spiel sticht ihre Ballbeherrschung noch mehr hervor. Ihr Pech, dass in Deutschland so gerne bevorzugt gegen den Ball gearbeitet wird. In Frankreich wäre sie vielleicht schon lange N11. Und in der NWSL ein Hit. Wer weiss.

 

 

2 thoughts on “2 TV-Livespiele am 1. Spieltag – Eine Nachbetrachtung

    1. Hm. Ein exotischer Wunsch für einen deutschen Fan? Nein, natürlich nicht. Ich weiss ja, wer FF nicht nur in Deutschland verfolgt. Und Ohai ist schon interessant. Und eine gute Idee, weil sie gerade die Spitze der NWSL Torjägerliste übernommen hat, mit tollem Zwischenspurt, weil sie am Anfang der Saison noch aus der Startelf gefolgen war, weil sich bei Houston so viele Offensiv-Stars tummeln.
      Aber was in Deutschland die Top-Clubs an Suche nach vernünfiger Offensive trotz vieler Stars können, können die Dash schon lange: Neben Ohai noch Janine Beckie. Carli Lloyd. Rachel Daly (1. Profisaison und schon Neu-N11 in England und die beste bei den Dash). Brian haben sie auch noch. Obugagu und O’Sullivan (nicht die Ex-SCF) sind dann mehr für insider bekannt
      Wird aber ein wenig dauern. Vielleicht mache ich auch was über die Dash insgesamt, und die parallelen zu den deutschen Versuchen. Und in englisch. Macht dir aber wohl nichts aus.

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