AFBL Frauen Fussball Bundesliga Nachbetrachtung 7. Spieltag

Das NICHT – TV-Spiel:

VfL Wolfsburg – Turbine Potsdam 0:1 (0:0)

Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt. Aber das ist man ja inzwischen irgendwie bald schon so gewohnt, dass es irgendwann demnächst verwundert, wenn es doch so kommen sollte, wie man denkt. Nicht viel erwarten – dann braucht man auch nicht ganz so enttäuscht zu sein.
So nebenbei: Man kann einen Club-Fan vielleicht daran erkennen, dass er das für parteiisch hält. Immerhin braucht ja der Turbine-Fan nicht enttäuscht zu sein? Aus deren Sicht ist zwar verständlich, dass sie sich über jeden Sieg freuen. Frauenfussballfans erkennt man aber daran, dass sie ein gutes Niveau in der Spitze zur weiteren Anerkennung und Verbreitung des Sports grundsätzlich eher interessiert, als ob ein bestimmter Club gewinnt. Was aber sicher nicht verhindert, dass man einem die Daumen drücken mag.

Obwohl es eher nicht zu vermuten war, dass das eine grosse Sternstunde des Frauenfussballs wird, ist man nämlich trotzdem enttäuscht, dass es keine TV-Bilder gab. Top waren zwar auch frühere Spitzenspiele nicht jedesmal, und die Tendenz mag seit 2-3 Jahren fallend sein. Dennoch verwundert, dass anderer Länder Grossclubs diesbzgl zT. mehr Aktivität für den Frauenfussball entwickeln. In England haben wir Chelsea, ManCity, Arsenal und Liverpool und andere (?) alle mit eigenen Liveübertragungen auf den eigenen TV-Kanälen (oder – auch das geht – facebook-Seiten) der Vereine. In Spanien auch mehrere. FC Barcelona, Atletico Madrid, Athletic Bilbao, … In Frankreich auch teilweise. Nur leider in Deutschland, wo natürlich in Wolfsburg und Bayern das Equipment vorhanden ist, und die Kosten ein Klacks, da rufen ungeniert manche nach zum Teil klammen Fernsehanstalten, die den reichen Vereinen helfen sollen. Oder dem noch reicheren dfb, der früher bei so einer Paarung dann eingesprungen wäre.

Wie gesagt, es gab Zeiten, da hat man mehr verpasst. Hier reicht einem für einiges der Blick ohne TV. Obwohl es sicher Schade war, nicht beurteilen zu können, warum Wolfsburg nicht drückend überlegen war. Da muss wohl einiges schiefgelaufen sein. Dass man dagegen die routinierte letzte Reihe von Turbine nicht leicht knacken würde, war zu erwarten. Mit Zweitballeroberungsfussball kommt man aber hauptsächlich dann zu Chancen, wenn ein paar zweite Bälle auch in der gegnerischen Tornähe herumschwirren. Weniger, wenn man sich im Mittelfeld neutralisiert, sollte das tatsächlich der Fall gewesen sein. Trainer Kellermann wird entspechend auf der Homepage zitiert.

Bezüglich der von ihm angesprochenen gelungeneren Offensivszenen gegen Frankfurt ist zu sagen, dass das natürlich unter Umständen immer auch mit anderen Dingen zusammenhängen kann. Wir hatten die Situation mit den bunten Kugeln verglichen. Wenn man zwei “richtige” wieder rausnimmt und dafür zwei “falsche” rein, dann hätten wir uns aber auch gewundert, wenn das Gesamtbild nicht darunter gelitten hätte. Das ist im Fussball zwar nicht immer, aber meistens so. Wir wundern uns aber, wenn sich ein Trainer darüber wundert.

Dass es nun ausgerechnet im Jahr eins nach Schröder Turbine bereits schafft, zu zeigen, dass man nur mittelstarke Einzelspielerinnen braucht, um sogar auch ganz vorne anzugreifen, ist allerdings besonders schön zu sehen. Schönen Gruss an die SGS Essen und den SC Sand. Aber da sollte man sich auch nur sehr vorsichtig rantrauen, um nicht wieder enttäuscht zu werden. Dazu haben die Leistungen gegen den 1. FFC Frankfurt und die SGS Essen (noch?) nicht gut genug ausgesehen. Mal sehen, ob man nach dem kommenden Jena-Spiel schlauer ist.

Aber es ist nach wie vor das gleiche Thema. Wer traut Bayern – und nun auch Wolfsburg – nicht mehr zu, dass sie ihren bedauerlichen Fehlentwicklungen noch weitere Folgen lassen?

Das TV-Spiel:

Turbine Potsdam – USV Jena 1:0 (0:0)

So viel zum Thema: viel hat man vielleicht nicht verpasst als Bemerkung darüber, dass Wolfsburg – Turbine nicht übertragen wurde.
Zwar war das Spiel teilweise besser anzusehen, als die ersten beiden übertragenen aus Potsdam gegen 1. FFC Frankfurt und die SGS Essen. Aber das sagt leider auch nicht viel. Immerhin sah man bei Turbine gestärktes Selbstvertrauen nach dem Sieg in Wolfsburg. Und das wurde genutzt um mit noch mehr Schwung ins Spiel zu starten, als schon die vorigen Spiele – nur eben mit dem Unterschied, dass da die frühe Führung wohl sehr früh danach für eine gewisse Zurückhaltung sorgte.
Es passt schon ins Bild, dass man sich keinen Reim mehr machen kann auf vieles, was man dabei sieht. Etwa, wie es Jena geschafft hat, in Frankfurt so gut auszusehen? Hier kam der USV selten in die Nähe einer Chance. Und leider gibt es manche Teams, bei denen nicht nur fehlenden Namen auf den Trikots an vergangene unvollständigere Tage erinnern. Da war nämlich wie anno dazumal ein ziemliches Leistungsgefälle innerhalb des Teams zu beobachten. Einige gute Ansätze, oft über Silva in der Mitte den Ball über einige Stationen laufen zu lassen endeten nich selten abrupt, wenn eine der schwächeren an den Ball kam. Als dann Ivana Rudelic eingewechselt wurde – auch Lucy Vonkova fehlte – wurde man eher wieder daran erinnert, dass man in der AFBL vieleicht besser nicht zu genau hinterfragt, was denn das schon wieder war. Man könnte ja zur Antwort erhalten, dass so mancher Verein oft (noch) wenig bundesligataugliche Spielerinnen eben eher einsetzt als überdurchschnittliche. Auch bei Anna Weiss hat man in den 15 Minuten, in denen sie letzte Saison in München gespielt hat, gesehen, dass sie spielen kann – oder könnte, wenngleich vielleicht noch nicht so stark wie Rudelic. Lassen wir uns überraschen.
Auch Turbine machte da keine Ausnahme. Die Topspielerinnen, die man vor 2-3 Jahren hatte, spielen inzwischen in halb Europa vertstreut, und erinnern den, der sie sieht immer an bessere Tage. Jetzt spielt man endlich taktisch besser und wesentlich kompakter vor allem gegen den Ball, aber das Leistungsgefälle ist sehr augenfällig. Nicht nur zu Lia Wälti.
Mit dieser hat man eine Situation wieder gar nicht genau einsortieren können. Letzte Woche hatte man noch nachträglich nachgeschaut. Das lassen wir nun lieber. Da ist die Keeperin so seltsam um den Ball herumgelaufen, um die Ecke zu verhindern, dass das Gehirn zunächst gar nicht verarbeiten konnte, was die Augen gemeldet haben. Statt auf direktem, kürzesten weg zum Ball zu hechten lief sie eine Kurve hinter den Ball, um den dann im Nachvornefallen aufzunehmen – prompt zu spät um die Ecle zu verhindern. Einen solchen Lernbedarf an geeigneter Situationsbewältigung sieht der geneigte Zuschauer öfter bei Jugendspielen bei guten E-Junioren oder im positiv gemeinten Dorfclub auch schon mal bis zu den C-Jugendlichen.

Diesmal, wenn das Auge das so richtig beobachtet hat, hat Lia Wälti im Mittelfeld per Ausholbewegung angetäuscht, den Ball per kräftigem Schlag weit abzuklären. Daraufhin ging die attackierende Gegenspielerin völlig verschreckt in Deckung und nahm sogar die Hände so vor das Gesicht, dass Wälti ganz entspannt mit Ball abdrehen und den Ballbesitz sichern konnte.
Das war nicht die einzige Szene in der sie sich einfach durch nicht einmal übermässig schwierige Ballbehandlung mit einer einzigen Bewegung weit von der Gegenspielerin absetzen konnte. Die Unterschiede in ihrem Spiel waren allerdings so augenfällig, dass man auch unbewusst mitbekam, dass sie über lange Strecken das Spiels doch sehr selten in Aktion war.
Im Vergleich zur zuletzt angesprochenen Balltechnik von Linda Dallmann zum Beispiel, ist die von Lia Wälti zwar übrigens auch gut. Aber hier macht eher der solide situative Instinkt den Unterschied, welche Bewegung in welche Richtung die besten Optionen zur Spielfortsetzung ermöglicht.
Führt aber leider oft harsch vor Augen, wie sehr da andere doch noch Entwicklungsspielraum haben.

Auch ansonsten wurde das Spiel sehr auffällig von der sehr unterschiedlichen Qualität der Einzelspielerinnen geprägt. Turbines Offensivgefahr war wohl zu ziemlich grosser Prozentzahl davon getragen, dass Svenja Huth mit Ball wesentlich schneller war, als ihre Gegenspielerinnen ohne. Hätte sie das öfter geschickter ausnutzen können … Sonst war aber leider auch viel Leerlauf. Und die mangelnde Qualität im Umgang mit dem Ball verhinderte einen Sieg der eigentlich irgendwo in die Grössenordnung 5 Tore-Vorsprung gehört hätte, aber sogar irgendwo auch glücklich war, weil das Gegentor auch wieder so eine Aktion war, die man ein wenig verwundert in der Wiederholung ansah. Da gibt es Missverständnisse, oder, dass ein cleverer Move der Stürmerin der Abwehrspielerin irgendwie den Ball “stiehlt”, oder ein Mangel an Aufmerksamkeit, ein holpernder Ball …

Aber dieses Tor sah auch wieder eine ganze Fülle von Entwicklungsmöglichkeiten auf einmal innerhalb weniger Zehntelsekunden wie die bessere Wahl der Bewegungsrichtung mit dem Ball am Fuss, eine bessere Körperstellung zum Ball, weil die Gegenspielerin nicht beobachtet, und auf der falschen Seite erwartet wurde, und zum Schluss auch ein sehr unangemessener Rettungsversuch der Situation. Üben, einfach üben. Aber auch da muss man sachlich festhalten, dass man das so beim 12jährigen Bundesliganachwuchs nicht mehr erlebt. Interessanter ist das, als man zumächst denkt.

Das restliche Feld

Dass Wolfsburg jetzt auch noch bis zur 80. Minute zittern muss, um Gladbach zu schlagen, ist Anlass genug, etwas weniger schonend auf die Tatsachen zu schauen.

Klar gibt es Phasen, da will es einfach nicht laufen und da macht der Gegner mit der ersten Halbchance ein Tor. Manchmal ein Traumtor, das einmal in hundert gelingt, manchmal ein TH-Fehler, manchmal auch eine schräg abgefälschte Flanke. Das sollte man nicht vergessen. Andererseits sieht man im Fussball aber auch selten so offensichtlich, wie ein Club mit nahezu unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten und Topspielerinnen, die nicht einmal auf der Bank Platz finden, jahrelang völlig erfolglos die Leistung einer Mannschaft zu verbessern versucht.
Es wirkt, als könnten viele die Leistung logisch nicht voneinander abtrennen, ob das jemand mit den begrenzten Mitteln in Sand eher gelingt, als mit den Möglichkeiten, sich nahezu unbegrenzt die besten Spielerinnen Europas zusammenzuholen wie in Wolfsburg. Die Leistungsunterschiede bei den Frauen sind immer noch riesig, im Vergleich zu den Männern, wo Halbprofis oder gar noch echte Amateure wie bei den Gladbach-Ladies frühestens in der vierten Liga auftauchen. Da muss man schon beim Zusammenholen als auch beim Zusammenspielenlassen gewaltig Dinge übersehen, um da in Not zu geraten.
Aber für interessierte Menschen ein Grund mehr, sich Frauenfussball genauer anzuschauen. Weil es das bei Männern schlicht nicht gibt. Nahezu nie. Nur weil man nie nie sagen sollte nicht gar nie. Dort wird (natürlich meist viel zu früh) des lieben kurzfristigen Geldes wegen der Trainer gefeuert, sollte die Mannschaft nur ein paar Wochen lang Probleme haben, ob durch Pech oder mangelnde Leistung der Spieler oder des Trainers interessiert oft nicht.
Und so kann man eben dort jahrelange Verbesserungsversuche und diesbezügliche Misserfolge eines Topteams nie so schön lange mitverfolgen. In Wolfsburg waren ja letztes Jahr die prinzipiell äusserst löblichen und geduldigen Versuche interessant, mehr die spielerische Lösung aus der Abwehr zu suchen, und Spielerinnen mit diesbezüglichen Problemen durch spielstärkere zu ersetzen. Leider führte die fehlerhafte Ausführung des Plans nur selten zur angestrebten Verbesserung der Offensivleistung, aber stattdessen zu einer Vervielfachung der Gegentreffer. Und so schwankte man fast ein ganzes Jahr auf der Suche nach der Richtung durch die Saison. Wunderbares unvergessenes Beispiel als man nach der Heimniederlage gegen Turbine ein paar Tage später im folgenden Pokalspiel gegen den gleichen Gegner auf spielerische Linie im Mittelfeld verzichtete und mit Bernauer/Boussaglia in der Schaltzentrale auf Zweikampfstärke und lange Bälle über das Mittelfeld hinweg setzte – und prompt auswärts sicher gewann.
Nun durfte man also diese Saison endgültig die Rückkehr zur alten robusten Abwehrformation der einst gegentorärmeren Defensivzeiten sehen. Anna Blässe, Babett Peter, und Isabel Kerschowski dürfen wieder für Kraft und Zweikampfstärke sorgen, nachdem auf sie in spielstärkeren Zeiten verzichtet worden war. Aber auch das scheint nun nicht mehr so beschwerdefrei zu funktionieren wie einst. Auch der Grund dafür scheint – obwohl scheinbar offensichtlich – noch nicht gefunden. Und die Offensive wird gleichzeitig noch schwächer.
Wo bekommen Nachwuchstrainer schon einmal ein so gutes Beispiel für nachhaltig erfolgloses Manövrieren vorgeführt?
Es war sicher nicht jedem aufgefallen, dass auch das Spiel bei Bayern München zum Leidwesen auch einiger Leser keine sonderliche starke Leistung war, sondern eher der Münchner Schwäche geschuldet. Trotzdem hatten wir spätestens nach der kompakten Gegen-den-Ball Leistung in Chelsea wenigstens auf eine Stabilisierung eben wenigstens in puncto gegen den Ball gehofft – um auch da einmal mehr enttäuscht zu werden.
Nun hat man natürlich keine Erfahrung, wie gut die Mannschaft spielen würde, wenn der Rasenmäher des VfL den sportlichen Plan überarbeiten würde. Wer aber öfter in Mannschaften gespielt hat, die sich mangels Trainer selber organisieren, weiss, wie gut das geht, wenn ein paar clevere Spieler dabei sind.

Andererseits besteht durchaus Grund zu der Annahme, dass das Trainerteam in Wolfsburg eines der besseren in der AFBL ist, und vom Austausch desselben auch keine Verbesserung zu erwarten wäre. Die Gründe liegen woanders. Und von den ohnedies seltenen beobachteten Trainerwechseln der letzten Jahre in der AFBL führten wohl gefühlt mehr als 80% nicht zu einer Verbesserung. Spontan fallen einem da nur die Namen Fischinger und Rudolph ein.

Und die Bayern gewinnen einmal mehr durch ein Vivianne Miedema Tor. Mit der torschiessenden Spielerin ist das ja so eine Sache. Meistens wird es überbewertet, da viele Zuschauer, die nicht so sehr viel mehr mitbekommen, als dass das runde ins Eckige muss, dann einen verantwortlichen Namen lesen können. Wobei ja selbst das mit dem verantwortlich mehrheitlich eigentlich nebenverantwortlich bedeutet. Das weiss natürlich die Mehrheit, lässt sich aber doch dann irgendwo im Torfreudentaumel mitziehen. So sind auch die vier? Tore von Miedema in der Summe durchaus ausbaufähig. Das eigentlich grössere Problem aber sind die vielen Nullen, die daneben klammheimlich verschwinden.

Auch der SC Freiburg als Tabellenzweiter der Bundesliga hatte ja weder in München, und noch weniger gegen Frankfurt wie ein übermässiger Bäumeausreisser gewirkt. Und nun hat es den SC dann auch erwischt, wenngleich man auch da wohl das gesteigerte Selbstvertrauen spüren konnte. Die Stimmen hörten sich zumindest einheitlich nach guter Leistung an. Dagegen startet in Essen oft ein Zwischenhoch, wenn man sich wieder einmal sehr darauf konzentriert, die Abwehrprobleme in den Griff zu bekommen. Das wird aber auch diesmal wohl wieder eine temporäre Besserung sein.

Und der MSV Duisburg ist in Sand böse unter die Räder gekommen. Darf eigentlich nicht passieren, weil es einmal passieren darf. Betonung hier das einmal. Es war aber nun schon die zweite Auflage in 7 Spielen (nach dem 0:5 in Freiburg) und damit ist das Torverhältnis bereits jetzt so ruiniert, dass man bei Punktgleichheit immer – ausser gg Gladbach – hinter die punktgleiche Mannschaft rutscht.
Auf der anderen Seite (der von Sand) typisch für Defensivmannschaften, die eigentlich mehr drauf hätten, sich aber in der Regel defensiv eingenistet halten. Wenn sie dann einmal offen spielen, weil das Spiel bereits gewonnen ist, und sie raus “dürfen”, dann sieht man die Möglichkeiten.

Gladbach. Auch das sieht immer gleich aus. Schade eben. So viel fehlt nicht, dass es nicht möglich wäre. Aber das ist irgendwie noch ärgerlicher, wenn man das Gefühl hat, dass es selbst die Reisespesenkasse der Männer gar nicht mitbekommen würde. Doe Mädels tun einem schon irgendwo Leid weil sie sich so reinhängen, und ihre Spesen wirklich mehr als verdienen, es aber doch nicht ganz reicht.

 

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