AFBL Frauen Fussball Bundesliga Nachbetrachtung 8. Spieltag

Das TV-Spiel:

Bayern München – 1.FFC Frankfurt 1:0 (1:0)

War das nun das beste Spiel diese Saison auf dfb.tv? Stellt sich eigentlich auch nicht, die Frage. Man ist aber fast geneigt zu sagen, dass einige Dinge hier besser waren, hauptsächlich aber weniger Fehler gemacht wurden, als oft zuvor. Bezüglich flüssigem Kombinationsspiel scheint aber zur Zeit überall wo man hinschaut ganz viel Luft nach oben.
Waren ja diesmal nur 4 Spiele. Kann man einmal eine kurze Zwischenbilanz der Sport1(?)-Auftritte ziehen:

Bayern München – SC Freiburg
Turbine Potsdam – 1.FFC Frankfurt
Bayern München – VfL Wolfsburg
SC Freiburg – 1.FFC Frankfurt
Turbine Potsdam – SGS Essen
Bayern München – MSV Duisburg
Turbine Potsdam – USV Jena
Bayern München – 1. FFC Frankfurt

(und jetzt kommt Frankfurt – Duisburg)

Alleine die Spielauswahl scheint schon darauf hinzudeuten, dass man vom einstigen “jeder kommt einmal dran” inzwischen noch weiter abgerückt ist auf der verständlichen Suche nach Zuschauerquoten. Hoffentlich nicht vergeblich. Aber die Auswahl stand auch unter keinem guten Stern bisher, da die meisten Spiele nicht hielten, was man sich erwarten durfte. Insbesondere natürlich das verschlafene “Topspiel” München – Wolfsburg, das wie symbolhaft nun auch im Nachhinein vom Tabellenbild her klar gemacht hat, dass es gar kein “solches” Spitzenspiel war, wie viele gerne glauben wollten. Die Liste kann man sich drei mal hoch und runter durchschauen. Zuschauerwerbung für den Frauenfussball muss man sehr sehr gezielt herauspicken.
Dieses Spiel hier wurde immerhin nicht durch Schlafmützigkeit oder eine rote Karte entschieden. Aber Werbung war auch das nur bedingt. Vor lauter “Professionalisierung” (was leider weitgehend heisst Männer-Kopierung) hat man scheinbar auch die aufkommende Spielfreude wegoptimiert, die sonst über kleinere fussballerische Mängel hinweghelfen können.
Es scheint aber teilweise so, dass man sich inzwischen in einer eigenen Frauenfusballwelt mit derlei Dingen gerne abfindet und sich gegenseitig zufrieden über die Schulter zu schaut. Oder besser gesagt. Auf niedrigem Niveau darauf zu verweisen bemüht ist, dass die anderen schliesslich gerade auch nicht viel besser sind. Viel mehr bleibt vielleicht auch gar nicht möglich?

Dass man mit dem Fokus auf die heile Eigenwelt potentielle Neukunden von aussen nicht gerade im Sturm neuerobert, wird dabei gerne unter den Tisch gekehrt. Was hatte man am Anfang spekuliert, dass man nur eine Plattform wie Eurosportübertragungen braucht, um mehr ins Rampenlicht zu kommen und damit einen grossen Sprung nach vorne zu machen. Inzwischen ist es Sport1 und auch da werden mit solchen Darbietungen die Gesichter auch immer länger.
Auch die ziemlich informative und gut gemachte eingehendere Analyse zu den Bayern-Spielen von maisanrot scheint sich zu verlaufen. Leider auch dort wirkt die Kategorie Frauen inzwischen sehr verwaist, besonders wenn man die teilweise abenteuerlichen Themenbereiche der Männer daneben sieht. Schade.

Da ist es nur gut, dass der stets gutgelaunte positive Reporter vermerkt, dass das alles austrainierte Vollprofis sind, die da Spielen, und die englischen Wochen hauptsächlich durch den Reisestress kräftezehrend. Das hört sich auch sehr professionell an. Zumindest, wenn man nicht weiss, dass nur eines der beiden Teams am Mittwoch gegen ein internationales 1b Team spielen durfte, und die einzige zusätzliche Dienstreise in dieser Saison vor einigen Wochen nach Schottland führte. Das nächste Bundesligaspiel für Spitzenreiter Turbine Potsdam scheint in ca. 4 Wochen um den 11. Dezember herum zu kommen. Auf ein paar Tage hin oder her kommt es bei dem Stress dabei gar nicht an.

In diesem Spiel hier gab es aber doch immerhin weniger Grob-Aussetzer, und man sah auch weniger grobe Ballbehandlungsmängel. Dass dabei in Sachen Kombinationsfluss jenseits der Mittellinie auch nicht viel zu sehen war, ist derzeit eher sowieso nicht erwartet. Vielleicht fällt es daher auch bloss inzwischen nicht mehr so auf. Nur wie am Ende die Bayern ihre Konterchancen versemmelten, dass hatte leider auch so etwas von der aktuellen Vorurteilsreflexabwehr. Natürlich kann und darf das auch Profis passieren. Aber wenn es in 5 Minuten drei Mal vorkommt, ist das eben keine gute Werbung für das allgemeine Niveau. Und es hilft auch freundliches Verschweigen auf Dauer nicht weiter.

Interessant waren auch wieder die 11 Minuten – oder so – der Katharina Baunach.
Die war einst aufgrund einer verunglückten Flanke zu Nationalmannschaftsehren gekommen, die urplötzlich im Netz landete. Vielleicht das schnuckelig-schöne am Frauenfussball. Da war sie von einer Verletzung zurück und musste in jedem Zweikampf 5m Sicherheitsabstand halten, um nicht jedesmal überlaufen zu werden, weil nicht fit genug. Das reichte bei den Mädels aber schon mal für eine N11-Einladung.
Allerdings hat man da dann vielleicht im Training gesehen, was der gemeine Fussballfan schon nach wenigen Minuten Spiel erkennen konnte. Zumindest wurde sie inzwischen – 3 Jahre her ? – nie mehr wieder eingeladen. Nun ist sie aber wesentlich fitter und man sieht ihr in ein paar Minuten an, dass sie eine bessere Fussballerin ist, als manche bei der N11. Es wäre sicher übertrieben zu fragen, warum sie nun so selten darf. Aber man ist natürlich schon gespannt, wie sich da einmal mehr der Erkenntnisverlauf entwickelt.
Bei Raffa Manieri und Caro Abbe hat man wie sich im Nachhinein herausstellte, scheinbar ein Jahr lang wohl eher nicht viel erkannt? Und ist dann von einer Woche zur anderen urplötzlich zu gegensätzlichen Erkenntnissen gelangt? Oder umgekehrt?
Wie anders ist ein Blitzwechsel zwischen bombensicherer Startelf – Spielerin, was beide lange waren, und 2.ter Mannschaft zu erklären? Und Abbe ist dem Anschein nach inzwischen sogar plötzlich sogar so schwach, dass sie selbst stressfrei tiefenentspannt dann immer noch schwächer ist als die “armen” gestressten Kolleginnen. Das soll nichts pro oder contra Abbe heissen. Nur dass die Erkenntnisse anscheinend manchmal nicht sehr stark “fundamentiert” zu sein scheinen. Oder Bayern kommt einem manchmal spanisch vor. Frei nach dem bekannten Zitat unseres Literaten Andi Möller. Mailand oder München egal. Hauptsache Spanien.
Wir wünschen jedenfalls alles erdenklich Gute auf jeglichem Weg der Erkenntnis und den Mut dazu. Nicht nur nach München. Sondern auch nach Spanien. Und natürlich gerne darüber hinaus, wo es vielleicht noch wichtiger wäre.

Und wir werden in Zukunft auch verstärkt auf diese dumme Unsitte aufmerksam machen, den Jugendtrainern dieser Welt gnadenlos in den Rücken zu fallen. Ja genau. Die den Anfängern immer klar machen, dass nicht der Torschütze der grösste Held auf dem Platz sein muss und meistens auch nicht der wichtigste ist. Es war wieder ein Tor von Miedema mit der dfb-webseiten-Schlagzeile Rolser schiesst Bayern zum Sieg. Natürlich ist das faktisch nicht verkehrt, sondern nur didaktisch. Daher kontraproduktiv. Aber die Leute die die Überschriften zusammenschreiben haben vielleicht auch noch nie in einer Mannschaft gespielt oder gar Kindern das Spiel näherzubringen versucht.

Immerhin war es wie gesagt ein “gutes” Tor, das die Partie entschied dem eine gelungene Aktion der Offensive vorausging und nicht ein grober Fehler. Auch den relativ verdeckten Schuss zu halten war eigentlich gut, und da gibt es realistisch gesehen wenig Spielraum auszusuchen, wohin man den Ball abwehrt. Das wäre vielleicht nicht ausgeschlossen, aber sehr perfektionistisch. Eher muss man vorher schon einigen Frankfurter Abwehrspielerinnen leider auch ehrlicherweise sagen, dass sie gute Spielerinnen sind, ihre Hüftsteifheit aber eben auch im Männerbereich maximal im mittleren Amateurbereich wiederzufinden ist. Schade, dass sie da nicht besser trainiert sind. Aber man ist auf der anderen Seite wirklich froh, ihr gutes Auge zu sehen, das den athletischeren Mädels sonst so oft fehlt. Man kann nicht immer alles haben.

Andererseits taucht die gute Vivianne Miedema aber auch immer mehr unter. Sicher hat sie nicht “keine Lust”. Aber wenn spielerisch mit niemandem etwas geht verliert man als junges Mädel natürlich verständlicherweise auch etwas an Begeisterung und Elan. Andererseits hat sie mit 20 dann bereits enorm viel Fussball erlebt.

Die Entwicklungen bei Frankfurt sind auch interessant zu beobachten. Nach der desolaten Vorstellung in Potsdam war man in Freiburg und auch hier wieder wesentlich kompakter im Zentrum organisiert. Das ging ja letzte Saison dort damals immer um Dzenifer Maroszan herum auch ständig auf und ab. War aber diesmal auch ein ganz schönes Beispiel, dass zum Beispiel Yuki Nagasato nicht so sehr als abgehängte Sturmspitze in der Luft hing, sondern besser eingebunden mehr zur Mannschaftsleistung beitragen konnte.
Dafür hing vorne Lise Munk in der Luft. Das ist zumindest für eine lückenlose Mittelfeldordnung immerhin das kleinere Problem. Allerdings nicht für die Möglichkeiten im Angriff. Als man die ersten 60 Minuten eher vorne Platz hatte und dort eine bewegliche Angreiferin brauchte, die mit Laufstärke die freien Räume nutzt und beackert, und für die ein 40m-Sprint eher angenehm ist, da war die Gute genau der falsche Typ von Spielerin. Zum Schluss hätte man umgekehrt eher im Sturmzentrum auf jemanden setzen können, der sich mit Kraft durchtankt oder Platz verschafft, weil da der Weg zwischen Ballaufenthaltsort und gegenerischem Tor oft nicht mehr so weit war, dass man erst einmal 40m im schnellen Tempo zurücklegen musste.

Das restliche Feld

Da gibt es ja diesmal auch nicht viel Neues. Das aufregendste vielleicht, dass Duisburg jetzt 6 Punkte hat. Und darf noch gegen Gladbach. Das hat Leverkusen mit Ach und Krach geschafft. Also ist das auch für Duisburg kein Selbstläufer. Aber wenn man da 3 Punkte mitnimmt, überwintert man wohl nicht auf einem Abstiegsplatz. Teilziel eins wäre geschafft und dazu dürfte man gratulieren.
Das sieht aber natürlich sowieso ziemlich seltsam anders aus, das Tabellenbild. Statt den Vornewegmarschierern liegt vorne immer noch ein Fünferfeld dank Wolfsburg und Bayern. Und das die letzten Jahre immer so riesige Mittelfeld besteht nun mal gerade noch aus Sand und Frankfurt. Und der Rest muss schauen, dass die Punkte gegen den Abstieg zusammenkommen. Da ist Hoffenheim sicher in gewisser Weise als bisher solide Mittelfeldmannschaft (letzte Saison lag man ja zwischenzeitlich sogar auf Platz 3) die Überraschung. Ein bisschen. Denn es war auch da zu erwarten, dass das nette, aber ziellose vor-sich-hin Weiterentwickeln irgendwann einmal nicht mehr genug Ansporn darstellen könnte. Da hätte man dann einmal wirklich den seltenen Fall, das die allgemeinen blabla-Formeln den Kopf auf den Nagel treffen. Oder wie Inka Grings meinte: Ihre Mannschaft hat durch die gössere Willensleistung den Sieg verdient.

Auch der Blick auf Liga 2 ist interessant. Im Norden haben sich die U20 WM “geschwächten” Bremerinnen (Pauels, Sanders, diesmal voll auf der Höhe gezeigt und nach dem ersten Punktverlust zuletzt nun wieder gewonnen. Der SV Cloppenburg bleibt “ärgster” Verfolger, zwar mit gewissem Abstand. aber immerhin.
Und im Süden mischt weiterhin Hessen Wetzlar toll mit. Im Spitzenspiel Zweiter gegen Erster empfing man Bayern 2. Die vorne bisher mit sieben Siegen in sieben Spielen. Aber nicht in Wetzlar. 2:0 hiess es für die Eintracht, und damit bleibt Köln weiter auf Distanz. Irgendwo ist man eben doch immer ein bisschen der Daumendrücker für den kleinen Verein, der gute Arbeit leistet.

Und bei den B-Juniorinnen liest man die üblichen Verdächtigen:
Im Norden ist der SV Meppen der Turbine-Jäger.
Im Westen werden die SGS Essen und der FV Gütersloh in dieser Saison bisher am ehesten von Gladbach bedrängt
Im Süden streiten sich der SC Freiburg und Bayern München und der 1. FFC Frankfurt liegt ganz gut.

Und die U20 ist mit einem Sieg gegen Venezuela in Papua Neuguinea in die WM gestartet. Da man eine leichte Gruppe hat, könnte es in der ko-Runde zur Begegnung mit Mallory Pugh kommen. Das wäre natürlich ein sehr lehrreicher Vergleich.

 

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