AFBL Frauen Fussball Bundesliga Nachbetrachtung 9. Spieltag

Das TV-Spiel:

1.FFC Frankfurt – MSV Duisburg 1:0 (0:0)

Die Rückennummern der Mannschaften sollte man eigentlich auch einmal absolut würdigend und lobend erwähnen. Die sind nämlich nicht immer so vorbildlich gut zu erkennen wie hier und wenn dann auch sonst wenig körperliche Unterscheidungsmerkmale vorliegen kann man bei Totalaufnahmen oft kaum beim nachschauen total aufnehmen, wer eigentlich wo was gemacht hat. Auch farblich konnte man die Mannschaften gut voneinander trennen. Und es spielte niemand in grasgrün auf grasgrünem Untergrund. Und doch war nicht nur der Rasen schön grün. Auch das Spiel war so ein bischen das gleiche in dieser Farbe.

Irgendwie ziemlich wie gehabt. Der Spielverderber verdirbt ganz gut – verliert aber dann doch 0:1. Aller guten Dinge sind 3. Davor dann das 3:1 der Bayern gegen den MSV? Ein Torfestival. Nur, dass diesmal nicht wie letzte Woche anfänglich der 1.FFC als Spielverderber auftrat, sondern als Verderbungs-Opfer. Und musste diesmal seinerseits versuchen, den Spielverderber auszuhebeln. Aber grundsätzlich blieb das Spiel Overdog gegen Spielverderber das Gleiche in grün: blass. Sozusagen blassgrün.

Aber man muss anmerken, dass ja hier auch eine Mittelfeldmannschaft gegen einen Abstiegskämpfer spielte, und niemand (mehr), der sich damit um die Meisterschale bewirben will, oder gar selbst als Ersatzreserve europäische Spitzenspielerinnen einkaufen kann. Insofern war das auch o.k., was herauskam. Ein “Arbeitssieg” der hochüberlegenen Mannschaft, die irgendwann durch eine Qualitäts-Einzelaktion dann doch noch einmal zuschlagen konnte, sich aber sonst auch nicht viele Chancen erspielen konnte.
So ist Fussball oft auch “gerecht”. Aber das dritte gerechte 1:0 in den letzten Fernsehpartien kam im Detail dann doch auch wieder anders zustande, als die vorhergehenden.

Der grösste Unterschied war dabei beim MSV Duisburg zu sehen.

Da war der Unterschied zum Spiel in München schon heftig. Erneut eine starke Aufforderung den Gründen nachzugehen. Während dort über längere Zeiträume mutig vor-gecheckt wurde und die Bayern sogar phasenweise Mühe hatten, den Ball aus der eigenen Hälfte zu bekommen, kam der MSV beim doch einmal angenommen schwächeren 1.FFC selber kaum über die Mittellinie. Und während sich in München wie erwähnt sehr viele sehr mutig als Anspielstation zur Verfügung stellten, hatte man in Frankfurt das Gefühl, kaum eine wollte den Ball haben, wenn man ihn denn endlich einmal bekommen hatte. Und folglich wusste die, die ihn hatte, selten wohin damit, ausser irgendwie weg damit.

Warum ist da so häufig im Leistungslevel einer Mannschaft so ein grosser Unterschied?

Die erste Frage ist immer, ob es am Gegner lag und was der Gegner zuliess oder zu einem unterschiedlichen Spiel beiträgt. Aber obwohl Frankfurt schon wieder relativ kompakt auftrat und relativ schnell Druck auf die ballführende Duisburgerin aufbauen konnte. So viel besser als die Bayern war es wohl nicht. Wir haben schon gesagt, dass wir meist die Posts ein zweites Mal querlesen und querdenken. Und würden da nun sagen, dass  – wenn man nicht so oft dabei im nirgendwo landen würde – wir doch nocheinmal nachschauen würden, ob das nicht doch auch einiges damit zu tun hatte, das Bayern das eventuell nun doch so schlecht macht, dass sie da phasenweise inzwischen selbst vom FFC weit übertroffen werden. Trotzdem aber wohl nicht ausreichend Grund für Duisburg, so viel schwächer auszusehen. Manchmal reicht in einer weniger starken Mannschaft auch das Fehlen nur einer einzelnen Spielerin schon aus, um das Gesamtsystem durcheinander zu bringen, Aber auch das reicht hier so recht nirgends hin als Erklärung, warum die MSV-Mädels so ausgetauscht auftraten. Wu war da in der Mitte ein sehr wichtiger Faktor. Vor allem gegen Essen, aber auch in München. Von der sah man diesmal auch fast nichts. Man müsste da nachsehen, ob das daran lag, dass sie sich diesmal weniger gut bewegte, oder ihre Mitspielerinnen sie einfach nicht gut genug anspielten. Das kann man oft nur beim zweiten Mal anschauen beurteilen. Oft entwickelt sich so etwas innerhalb des Spiels anhand einiger Schlüsselszenen. Allerdings haben wir das mit dem uweiten anschauen ja anfangs oft gemacht. Sind dann aber einfach so oft bei irgendwelchen unerklärlichen Zufällen gelandet, dass wir da zur Zeit einfach auch nicht genug Antrieb verspüren.

Das Pech dabei war aber auf jeden Fall, dass die Zebras zwar viel schwächer spielten, diesesmal aber keine Tore direkt durch unforced Errors herschenkten wie in München die beiden in Hälfte zwei. Und das hätte durchaus reichen können. Also einfach so spielen wie in München, und nichts herschenken wie in Frankfurt. Dann wird das schon noch.

Frankfurt umgekehrt spielt irgendwo, was es als Untergrenze auch muss. Ganz interessant. Aus dem früher mit Spitzenspielerinnen gespickten Team, sind nun grossenteils diejenigen übrig geblieben, wo der Ehrgeiz doch nicht bis ganz, ganz oben reichte oder aktuell reicht. Ausnahmen bestätigen die Regel! Aber im grossen und ganzen sieht man nun auch den Ehrgeiz eines Teams, das einen Gang zu bequem und mit einem bequemen Mittelfeldplatz auch sehr zufrieden zu sein scheint. Von den Einzelspielerinnen her müsste man sich mit so wenig Verletzten sicher zum Vergleich hinter Turbine nicht verstecken. Und es gehört auch dazu, sich eben nur von Zeit zu Zeit oder wenn es droht ganz schiefzulaufen, zusammenzureissen. Also heisst es erst einmal Punkte sammeln, damit es nicht noch brenzlig werden kann, wenn das Verletzungspech zuschlagen sollte. Reicht ja inzwischen schon fast. Allerdings darf man begeisterungsmaessig auch die Kirche im Glashaus lassen. Sicher hat man das Geld, mit dem man jahrelang ziemlich ziellos um sich warf, jetzt eben nicht mehr. Sparen für schlechtere Zeiten wäre jetzt auch eher in Glasgow als in der Finanzmetropole angesagt gewesen. Manchmal ist Frauenfussball aber auch Glasgow. Oder Duisburg? Immerhin hat man sich mit der ausgetrockneten Kasse aber der CL-Teilnahme und dem Namen als Pfund wenigstens in der Übergangsphase noch Spielerinnnen wie Hendrich, Groenen, oder Panfil an Land gezogen. Aber in der Zwischenzeit geht nun gar nichts mehr ausser der dem Vernehmen nach persönlichen Bekannschaft zu Lise Munk und der Offenbacherin Tanja Pawollek? Wenigstens aus der “Konkursmasse” in Köln, oder ein paar Ersatzspielerinnen aus Essen oder Hoffenheim, die den Kader ja auch schon enorm verstärken könnten? Fehlanzeige. Man sieht den Spielerinnen eben scheinbar auch dieses eine Prozent weniger an, das fehlt, wenn weniger ehrgeizige sicher sein können ihren Stammplatz zu haben, solange sie gesund sind, und ihn niemand ernsthaft streitig macht. Allerdings haben andere ja auch letzte Saison schon ohne diesen Druck nicht die Leistungen gezeigt, die sie in guten Zeiten ausgezeichnet hat. Auch da wundert uns, dass nicht mehr nach Erklärungen gesucht wird. Und auf der anderen Seite scheint es analog des allgemeinen weltweiten Trends aber für die allgemeine Beliebtheit inzwischen wenig abträglich, wenn jemand nur gut ist, wenn er gut mit fremdem Geld um sich werfen kann.

Das restliche Feld

Leider keine Gesamtstatistik über die geschossenen Tore gefunden. Vielleicht gibt es irgendwo eine Datenbank, die das zur Verfügung stellt?
Gefühlt kommt es so vor, als wären bisher weit weniger viele Tore gefallen als in früheren Spielzeiten. Nach dem nächsten Fernseh-1:0 nun auch drei Viertel des Spieltags so. Nur beim Freiburger 2:1 durften sich die Zuschauer freuen, so viele Tore gesehen zu haben, wie bei allen anderen Spielen des Wochenendes zusammen. Da verhalf das späte Siegtor dazu, dass alle Spiele analog zum Tabellenstand ausgingen. Und Jena zeigte mal wieder schön diese Wechselhaftigkeit. Schienen diesmal wieder ganz im Gegensatz zum Potsdam-Spiel ihre Haut teuer verkauft zu haben.
Bayern – auch das war lange abzusehen – hat ja nun seit längerem auch diese Versuchs- und Irrtum-Phase von Wolfsburg eingeleitet. Bessere Spielerinnen kaufen – schlechter werden. Man mag es gar nicht mehr schreiben. Interessant weiterhin die tausenderlei verschiedenen Erklärungsversuche. Immer zentriert um ein Thema. Wie kann ich um das Offensichtliche am besten darumherumreden, ohne offiziell einzusehen oder einzugestehen, dass ich nicht gut beraten bin, oder etwas schiefläuft. Abwarten und Tee trinken und schauen, was die Saison noch so zu bieten hat. Man befürchtet aber für die Weiterentwicklung, dass der alte Wolfsburg und Bayern-Einlauf doch wieder zustandekommen könnte. Mit der Lizenz zum Weiternachuntenwursteln. Oder gar zum Welttrainer werden? Fragt sich vielleicht, welche Gruppe von Leuten das dann lustig findet. Oder: nicht jeder der weiss, dass es drunter rostet findet eine neue Lackierung die nachhaltig beste Lösung?

Aber wie lackiert eigentlich Frankreich?

Da hört und sieht man auch nicht viel. Die ständigen Gerüchte um die Verpflichtung von US-Nationalspielerinnen von Olympique Lyon sind eindeutig Anzeichen, dass es sonst nicht viel zu berichten gibt in einer Liga, wo der Situations-Deadlock schon gar keinen neuen Lack mehr annimmt. Vero Boquete kommt in Paris besser zurecht als bei den Bayern. War zu erwarten. Unter den Top10 der Torschützenliste? Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass Lyon da meist 5-8 Plätze fest gebucht hat. Und sonst alles beim alten. Sie reihen sich auf wie gehabt:
1: Lyon
2: Paris StGermain
3: HSC Montpellier
4: FCF (Paris)Juvisy

Diese Saison haben die Terminplaner aber schon die Spannungskeule herausgeholt, um den alten Lack doch wenigstens kurz noch einmal anzuhauchen. Lyon spielt erst ganz spät in der Saison gegen alle drei anderen hintereinander. Also jetzt im Dezember wird der Lack heiss. Soweit man da bei Lyon davon sprechen kann. Wobei. Vielleicht sind die anderen doch näher gekommen? Vielleicht wird der Lack ja doch neu gemixt. Die Hoffnung stirbt … Man wird sehen.

Die 2.Liga

Letzte Woche hatten wir noch über den guten Weg von Hessen Wetzlar berichtet. Dann setzt es an diesem Samstag prompt die erste Niederlage. Beim “dubiosesten” Team der Liga allerdings. Dem 1.FFC Frankfurt 2. 3 Auswärtsspiele – alle verloren. 6 Heimspiele – alle gewonnen. Keine Ahnung ob da auswärts einige Spielerinnen keine Zeit haben. Allerdings wurde das 5:0 daheim gegen den aktuellen Zweiten Bayern2 als 0:2 verloren gewertet. Wegen Einsatz unberechtigter Spielerinnen, wenn wir das am Rande richtig mitbekommen haben. Aufsteigen dürften beide sowieso nicht – von daher. Aber auch der 1.FC Köln konnte den Fehltritt der Wetzlaer Mädels nicht nutzen und verlor am Tag darauf überraschend in Sindelfingen. Es bleibt damit beim 2 Punkte Vorsprung von Wetzlar. Und nächstes Mal das erste grosse Aufstiegs-Duell? Hessen Wetzlar – 1.FC Köln. Spannung.

Und bald wird die zweite Liga auf 14 Vereine reduziert. Scheint aus der Ferne Sinn zu machen. Vielleicht sind die “Kleinen” dort doch in der Regionalliga besser aufgehoben, auch wenn es für die einen “Rückschritt” bedeutet? Wieviel der Etat da geringer belastet wird können wir aber nicht einschätzen. Und auch die Spielstärke der Regionalliga nicht. Was man einschätzen kann ist, dass der schnelle Wandel in der Frauenfussballszene schnelle Anpassungen ermöglichen sollte, und was heute gut erscheint, kann in 3-4 Jahren schon wieder weniger passen. Man sollte also schauen und flexibel genug sein, das Ergebnis neutral zu bewerten und gegebenenfalls nachzubessern oder zu korrigieren. Einen Versuch ist es allemal Wert.
Insbesondere in der Frage der Aufstiegsregelung wäre dann Flexibilität gefragt. Die allerdings mit einer eingleisigen Liga automatisch schon erhöht ist, da nicht zwangsweise einer aus Nord- und Süd- , sondern die besten aufsteigen. Oder nur einer oder drei? Es ist wichtig, wirklich die leistungsfähigsten in der ersten Bundesliga zu haben und zu halten. Und eventuell deren Chancen zur Anpassung dadurch zu erhöhen, dass sie eine bessere Chance haben sich in der ersten Liga zu akklimatisieren. Da bleibt auch zu beobachten, ob oder wann eine Aufstockung von Liga1 Sinn macht.

Die U20 verfolgen wir hier ja auch – allerdings auf englisch.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *