2017 Start zur Frauen Fussball Bundesliga Rückrunde

Bessere Absteiger als je zuvor?

Ob die Bundesliga-Meister immer besser werden kann man vielleicht gegensätzlich dikutieren. Dass die Absteiger immer besser werden scheint aber unzweifelhaft. Und macht den Abstiegskampf in dieser Saison möglicherweise wieder sehr spannend. Die Unterschiede vor Schlusslicht Gladbach waren bisher sehr gering. Und man hat zusätzlich das Gefühl, dass die Abstiegskandidaten noch dichter an das mittlere Leistungsniveau der Liga herangrückt sind als zuletzt.

Ein Blick auf die Vergangenheit:

Saison 13/14:
1899 Hoffenheim schafft noch den Sprung am BV Cloppenburg vorbei !
Winter:
10. BV Cloppenburg 9Pkte
11. Hoffenheim 8 Pkte
12. VfL Sindelfingen 1 Pkte
Ende:
9. Hoffenheim 23(15 in RR) Pkte
10. Duisburg 22(9 in RR) Pkte
11. BV Cloppenburg 17(8 in RR) Pkte
12. VfL Sindelfingen 2 Pkte

Saison 14/15:
Winter:
9. USV Jena 8 Pkte
10. SC Sand 7 Pkte
11. MSV Duisburg 6 Pkte
12. SC Herford 2 Pkte
Ende:
10. SC Sand 19(12 in RR) Pkte
11. MSV Duisburg 17(11 in RR) Pkte
12. SC Herford 5 Pkte

Saison 15/16:
Winter:
10. Bayer Leverkusen 8 Pkte
11. Werder Bremen 6 Pkte
12. 1.FC Köln 5 Pkte
Ende:
10. Bayer Leverkusen 21(13 in RR) Pkte
11. Werder Bremen 13(7 in RR) Pkte
12. 1.FC Köln 12(7 in RR) Pkte

Saison 16/17:
Winter:
8. 1899 Hoffenheim 10 Pkte
11. MSV Duisburg 9 Pkte
10. USV Jena 6 Pkte
11. Bayer Leverkusen 6 Pkte
12. Mönchengladbach 0 Pkte
Ende:
???

In den vergangenen Jahren zeichnet sich also die Tendenz ab, dass die Abstiegskandidaten meist in der Rückrunde mehr Punkte holen konnten, als in der Vorrunde. Nehmen wir an, dass das auch daran liegt, dass die gesicherten Mittelfeldteams in der Rückrunde etwas weniger energisch um die Punkte kämpfen, sobald klar wird, dass nach oben und unten nicht mehr viel geht. Da könnte also auch einmal der Spielplan eine wichtige Rolle spielen, wenn man zum Ende Mannschaften spielt, bei denen es um nichts mehr geht.
Leider hat man die hinteren Teams ja eigentlich nur als “Beiprodukt” live verfolgen können – in ihren Spielen gegen vordere Teams. Allerdings den MSV Duisburg gleich drei mal, weil zu Saisonbeginn sogar der wdr3 live mit dabei war.
Dagegen hat das erste Spiel in 2017 weder das Dritte, noch sport1, noch dfb.tv auf den Plan rufen können. Was kostete eine Live-Übertragung auf einer eigenen Plattform wie dfb.tv eigentlich zusätzlich, wenn man das Spiel sowieso mit professionellen Kameras erfasst für die Zusammenfassung? 4 Reporterstunden und live-Regie? ManchesterCity hat dafür aber am Freitagabend das Vorbereitungsspiel gegen den 1.FFC Frankfurt live gestreamt. In Spanien hat sogar ein regionaler Anbieter das Freundschaftsspiel Arsenal – Bayern live gestreamt. Gerät die AFBL hier etwas ins Hintertreffen?

Von Leverkusen und Gladbach gab es live leider noch gar nichts. Die Ergebnisse und Ausschnitte bestätigen aber ebenfalls den Eindruck, dass noch mehr Mannschaften noch mehr auf Augenhöhe sind – und es noch knapper werden könnte. Denn im Abstiegsbereich herrscht eher die Konstanz vor, die man anderswo teilweise vermisst.

Auf der positiven Seite kann man dabei eine weitere konstante Aufwärtsentwicklung im Niveau vor allem der relativ “neuen” Spielerinnen bemerken. Vielleicht sogar der Punkt der grössten Weiterentwicklung der Liga. Man merkt teilweise, dass auch “nonames” nachzudrängen anfangen. Also zum Beispiel “relativ” unbekannte Nachwuchsspielerinnen, die in den U-Nationalmannschaften (zuletzt?) nicht zum Zuge kamen, und trotzdem schnell Bundesliganiveau erreichen. Auch wenn das manchmal an der Auswahl der U-Nationalmannschaften liegen mag, so sind es doch eine ganze Menge.
Aber auch Spielerinnen aus Ländern mit geringerer Leistungsdichte, die in der Bundesliga anfangen können, unter Vollprofibedingungen zu spielen, verstärken das Niveau enorm, und sorgen für die Extrastellung der Bundesliga in Europa, was die durchschnittliche Stärke aller Teams anbelangt.
Schauen wir einmal, ob es früher oder später jemand gelingt, auch einen Abstiegskandidaten mit wenig Geld rasant nach vorne zu bringen? Der SC Sand und Turbine Potsdam

Das ist nämlich die negative Seite der Konstanz im Abstiegskampf. Zwar rückt die individuelle Stärke der Spielerinnen immer dichter auf das Spitzenniveau auf. Aber dennoch werden relativ konstant immer knappe Niederlagen eingefahren, wodurch die Abstiegskandidaten trotz immer geringerem Leistungsabstand punktetechnisch sogar insgesamt schlechter dastehen, als letzte Saison. Vergleicht man die Punktezahlen mit der Vorsaison, so hat der letzte 5, der vorletzte 0, der drittletzte 2, der viertletzte 1, der fünftletzte 5 Punkte weniger auf dem Konto, was bei Punktezahlen bis maximal 10 ein hoher Anteil ist.

Ähnliches bringt auch der Vergleich zu den Jahren davor obwohl da mit Herford und davor noch mehr Sindelfingen schon relativ abgehängte Mannschaften vorhanden waren.
Das kann man umgekehrt positiv wohl auch darauf zurückführen, dass jeder die Hinteren ernst nimmt, und selbst die Mittelteams besser darin werden, “irgendwie” dann doch einen Sieg einzufahren.

Dennoch darf man auf einen Leistungssprung eines Hinteren schon hoffen, wenn ein Team den richtigen Mix findet. Gladbach kann man fast nicht beurteilen, da keinerlei ausreichendes Videomaterial vorhanden ist. Könnte aber gut sein, dass die sich oft gut halten, weil es da taktisch am besten klappt? Das kleine Einmaleins – aber komplett und richtig? Man müsste hinten so kompakt dicht machen, wie es Duisburg in München glänzend demonstriert hat. Muss grobe individuelle Fehler vermeiden, was dort zu Duisburgs Niederlage geführt hat oder zu Jenas in Potsdam. Und dann wäre es wichtig, gute Konterspielerinnen zu haben, am besten schnelle.
Insgesamt versuchen alle “Hinteren” extrem, mitzuspielen. Erstaunlich, während man oft gerade bei den Damen die Effektivität des Abwehrbollwerks demonstriert bekommt, wie etwa Schweden bei Olympia. Mitspielen ist für die langfristige fussballerische rund-um Weiterentwicklung (junger) Spielerinnen auch grundsätzlich langfristig besser als Abwehrschlachten, und insofern zu begrüssen. Hoffenheim versuchte vielleicht den gepflegtesten Spielaufbau aus der Abwehr in der gesamten Liga. Jena hat(te) seine Stärken im Mittelfeldspiel. Leverkusen spielt ebenfalls mit balltechnischem Schwerpunkt. Und auch Duisburg baut auf ein spielerisches Mittelfeld über Wu und Bresonik. Diese Betonung der spielerischen Seite von den hinteren Teams der Liga – auch ein Phänomen, dass es im Männerfussball so nicht gibt.

Neben Gladbach – auch eine seltsame Konstruktion – erwischt es also wohl einen aus dem Trio MSV Duisburg, Bayer Leverkusen, USV Jena – alle auch wirtschaftlich mehr oder weniger instabil, bzw auf Kante gestrickt. Duisburg hat ja schon einen nach-Pleite Vereinswechsel hinter sich. Bei Bayer Leverkusen sind die Gerüchte um einen Rückzug vom Frauenfussball steter Wegbegleiter, und der USV Jena leidet auch unter Schulden, und wurde stets weiterzitternd, anscheinend nur mittels einer späten privaten Geldspritze noch gerettet. Spezialfall Hoffenheim sollte eigentlich zu gut sein. Aber man weiss ja nie.

Insgesamt gewöhnt man sich aber an die Situation der Männer-Profivereine, die den Frauenfussball so gerade unter ihrem Dach leben lassen. Immerhin? Vielleicht herrscht da eben die Sorge vor, ein kleiner Teil der Anhänger könnte andernfalls kurz Probleme machen und für negative Schlagzeilen oder Negativwerbung sorgen. Der VfL Bochum wurde ja auf diese Weise “gezwungen” sein Zweitliga-Frauenteam immerhin “sanft” aus dem Verkehr zu ziehen. Bzw. sanft vom Leistungssport ab.

Da zwirbelt ein potenter Profi-Verein vielleicht dann lieber doch ein paar Hunderttausend aus der Portokasse ab, weil es den Ärger nicht Wert ist? Ob allerdings von den Verantwortlichen jemand sehr traurig wäre, wenn man aber absteigen würde, und dann nur noch ein paar zigtausend abzuzweigen bräuchte? Kann man sich die Frauenteams der Bundesligisten Gladbach, Leverkusen, Bremen, Köln und Hoffenheim anders erklären?

Da bleiben die Mittel fürs “Scouting” auch begrenzt. Hoffen wir, dass die Verletzten alle schnellstmöglich zurückkehren. Und die wenigen Zugänge in der Winterpause die Teams weiterbringen. Leverkusen hat mit der Österreicherin Barbara Dunst jedenfalls eine sehr vielversprechende Verstärkung an Land ziehen können, die man eher bei einem besseren Team erwartet hätte. Die war international schon ein absoluter Aktivposten im ÖSV-Team auf den sich auch die österreichischen Hoffnungen bei der EM richten dürften.
Dabei wäre zu hoffen gewesen, dass sich am Transfermarkt mehr ergibt. Auch im schmalere Münze Bereich kann man Schnäppchen wie Dunst machen. Und die Infos sind auch spärlich. Überraschend war, Borges neulich bei Lissabon zu sehen. Terchoun ist nach Basel gewechselt. Obwohl Wolfsburg und Bayern viele Verletzte haben, kommen manche immer noch kaum zu einsetzen. Schade um Joelle Wedemeier, der man wünschen würde, sie könnte sich in der Bundesliga beweisen (ähnlich wie Magull). Melike Pekel, Claire Falknor? Nicht einfach, überhaupt aktuelle Infos zu bekommen.

Nun aber rollt der Ball wieder, und es beginnt gleich sehr richtungsweisend mit Jena – Leverkusen. Wer da einen Dreier holt, hat schon einmal eine Vergrösserung des Stressfaktors vermieden.

Und hier der Artikel zur Spitze

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